Dr. med. Gerald Hanf
Dr. med. Juliane Ackermann-Simon
Prof. Dr. med. Jörg Kleine-Tebbe

Allergie- und Asthma-Zentrum Westend
Praxis Hanf, Ackermann u. Kleine-Tebbe Spandauer Damm 130, Haus 9
14050 Berlin

Tel. 030 / 30 20 29 10
Fax 030 / 30 20 29 20

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Fachbuch zu sämtlichen Allergieformen

Fachbuch zu sämtlichen Allergieformen
Trautmann & Kleine-Tebbe: Vollständig überarbeitete 3. Auflage 2017, 544 S., 177 Abb., gebunden (incl. Digital-Version)
ISBN: 9783131421838
Thieme Verlag 6-2017

Einführung mit kommentierten Kasuistiken (klinische Fälle)

Einführung mit kommentierten Kasuistiken (klinische Fälle)
Kleine-Tebbe & Jappe: Überarbeitete Buchausgabe nach "Allergologie"-Heft 8/9-2013, 154 S., 32 Abb., 17 Tab.,
ISBN: 978-3-87185-491-0
Dustri-Verlag 9-2014

Fachbuch zur Molekularen Allergologie

Fachbuch zur Molekularen Allergologie
Jörg Kleine-Tebbe & Thilo Jakob (Hrsg.):
1. Auflage, 392 S., 190 Abb., gebunden
ISBN: 978-3-662-45220-2
Springer Medizin 10-2015

Fachbuch (engl.) zur Molekularen Allergologie (free access)

Fachbuch (engl.) zur Molekularen Allergologie (free access)
PM Matricardi, J Kleine-Tebbe, HJ Hoffmann, R Valenta, M Ollert (Hrsg.): Molecular Allergology User´s Guide 2016. ISBN: 978-3-033-05653-4. Veröffentlicht durch die EAACI (europäische Allergologenvereinigung), 6-2016, Download als PDF-Datei (38,6 MB), dazu auf das Cover klicken

Kapitel 5

Info-Archiv




Pollen, Milben und Co. – Was tun bei Allergien?


Ratschläge für Patienten und Betroffene


5.1 Allergenkarenz – die optimale Therapie bei Allergien
5.2 Lokalbehandlung für Augen und Nase
5.3 Histaminblocker bei saisonalen allergischen Beschwerden
5.4 Wissenswertes über Kortison
5.5 Die moderne Kombinationstherapie bei Bronchialasthma
5.6 Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen
5.7 Alternative Therapieverfahren und damit zusammenhängende Fragen

5. Behandlung von allergischen Atemwegserkrankungen



5 Behandlung von allergischen Atemwegserkrankungen



Für die erfolgreiche Behandlung von allergischen Erkrankungen kommen verschiedene
Möglichkeiten in Betracht. Da es sich bei der Entstehung und dem Ablauf von Allergien
um ein komplexes Geschehen handelt, gibt es unterschiedliche Angriffspunkte, die von
der jeweiligen Behandlungsmethode angesteuert und beeinflußt werden.

Behandlungsansätze bei Allergien




Abb. 7 zeigt eine Übersicht zur Entstehung allergischer Beschwerden bzw. die
Möglichkeiten und Angriffspunkte zu ihrer erfolgreichen Behandlung. In den folgenden
Abschnitten werden die einzelnen Verfahren und Medikamente abgehandelt. Häufig ist
es nur durch Kombinieren möglich, eine wirksame und weitgehend
nebenwirkungsfreie Behandlung von Allergien zu gewährleisten.



Abb. 7: Angriffspunkte für die Behandlung von Allergien
In dem Schema sind der Prozeß der Allergenaufnahme durch Freßzellen,
die Aktivierung von T-Zellen, die IgE-Antikörperbildung durch B-Zellen, die Sensibilisierung
der Mastzellen, die allergische Reaktion und die Entstehung der allergischen
Entzündung von unten nach oben dargestellt (linke Bildhälfte).
Die Pfeile symbolisieren die Angriffspunkte für verschiedene
Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente bei allergischen Erkrankungen (rechte
Bildhälfte).
Absolute Allergenkarenz (Meiden des Allergenkontaktes, durchgezogener Pfeil) kann
theoretisch den Sensibilisierungsprozeß und damit eine Allergie verhindern. Da
allerdings kleinste Mengen der atopischen Allergene (Pollen-, Tier- und
Hausstaubmilbenallergene) genügen, um diesen Prozeß einzuleiten, reicht machmal
schon sporadischer Kontakt aus (z.B. Pferdeallergie durch Zirkusbesuch) und die
Allergenkarenz ist durchbrochen. Konsequente Allergenkarenz kann auf der anderen
Seite allergische Beschwerden nach stattgefundener Sensibilisierung verhindern,
indem ein erneuter Allergenkontakt ausbleibt (unterbrochener Pfeil).
Die Immuntherapie mit Allergenen (= Hyposensibilisierung) greift vielfältig in das
Immungeschehen ein; der exakte Wirkungsmechanismus ist noch unklar. Bei
erfolgreicher Behandlung werden die Allergene anschließend besser vertragen.
Verschiedene Medikamente hemmen möglicherweise die Aktivierung der Mastzellen,
so daß weniger Mediatoren freigesetzt werden. Dazu gehören die Cromoglicinsäure
(DNCG) und das Nedocromil, die bei lokaler Anwendung ausgezeichnet vertragen
werden.
Andere Medikamente verhindern die Wirkung des Mediators Histamin, der im Verlauf
der allergischen Reaktion freigesetzt wird. Diese sog. Antihistaminika blockieren die
zahlreichen Rezeptoren (Bindungsstellen) für den Botenstoff Histamin und verhindern
dadurch die Folgen der allergischen Reaktion.
Präparate mit Kortison verhindern wirksam die allergische Entzündung, die durch
fortgesetzte allergische Reaktionen und eine zunehmende Chronifizierung des
gesamten Ablaufs gekennzeichnet ist. Bei Allergien der Schleimhäute (Nasen,
Bronchien) werden sie häufig lokal als Spray oder Pulver eingesetzt und verursachen
dadurch bei sachgerechter Anwendung kaum unerwünschte Begleitreaktionen im
Körper. Durch ihre gute Wirksamkeit und die ausgezeichnete Verträglichkeit ist die
lokale Schleimhautbehandlung mit Kortison heute weit verbreitet.

5.1 Allergenvermeidung – die optimale Therapie bei Allergien


Da die allergische Reaktion nur nach Kontakt mit dem verantwortlichen Allergen
auftreten kann, ist die Vermeidung dieser Auslöser (Allergenkarenz), sofern möglich,
sicherlich die ideale Therapie. Bei hundertprozentig erfolgreicher Allergenkarenz
können Sie beschwerdefrei leben, ohne andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht
ziehen zu müssen.

Möglichkeiten zur Allergenkarenz


Abhängig von ihrem Vorkommen und ihrer Verbreitung funktioniert die Allergenkarenz
allerdings bei einigen Allergenen besser als bei anderen. So wird es wahrscheinlich
niemandem gelingen, sich völlig einer Belastung durch Pollenallergene zu entziehen.
Durch geeignete Maßnahmen können jedoch übermäßige Beschwerden vermieden
und vorbeugende Medikamente gezielter eingesetzt werden.

Wie kann man Pollenbelastung niedrig halten?


Pollenfluginformationen und -vorhersagen erhalten Sie nicht nur durch die
Tagespresse und die Radionachrichten, sondern auch durch einen Service der Telekom
(Telefonnummern im Anhang). Ihre Zuverlässigkeit ist nicht ganz so überzeugend wie
die Wettervorhersage, da neben dem Wetter noch andere Faktoren bei der
Pollenfreisetzung berücksichtigt werden müssen. Dennoch können diese Angaben
Ihnen dazu dienen, Ihre Freizeit und geplanten Aktivitäten danach auszurichten und
Medikamente gezielt anzuwenden. So können Sie bei einer Woche Dauerregen auf
bestimmte, kurz wirksame Medikamente verzichten, da in dieser Zeit nur mit äußerst
geringer Pollenbelastung zu rechnen wäre.

Weniger Pollen im Haus


Sorgen Sie für eine pollenarme Umgebung in Ihrem Haus und am Arbeitsplatz:>

– Legen Sie Ihre draußen getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab.>

– Spülen Sie, wenn Sie viel Zeit im Freien verbracht haben, Ihre Haare vor dem
Zubettgehen aus.>

– Schlafen Sie möglichst bei geschlossenem Fenster.>

– Lüften Sie nur kurz und möglichst am späten Vormittag bei geringer Pollenbelastung.>

– Überlegen Sie, ob Sie Ihren Urlaub in der pollenarmen Zeit an einem Ort mit
geringerer Allergenbelastung verbringen können.>

Allergenkarenz bei Tierallergie


Bei einer Allergie gegen Tiere ist die mit Abstand beste Lösung, sich von dem Tier zu
trennen, falls es bisher zu Hause gehalten wurde. Mit einer gewissen Verzögerung, die
unter Umständen durch einen gründlichen Hausputz verkürzt werden kann,
verschwinden die Allergene aus dem Wohnbereich. Ist das Auftreten einer Allergie
wahrscheinlich, sollten Sie sich erst gar keine Tiere anschaffen, um dem schmerzlichen
Trennungsprozeß bei eingetretener Allergie vorzubeugen. Alle anderen Lösungen, die
Tierhaltung im Garten, Tierverbot im Schlafbereich oder regelmäßiges feuchtes
Abreiben des Felles oder Waschen der Tiere, sind Notlösungen, die nur eine mäßige
Allergenverringerung versprechen.

Beschwerden durch indirekten Tierkontakt?


Sollten Sie kein eigenes Tier (mehr) besitzen, achten Sie darauf, ob Beschwerden häufig
auch indirekt durch Kontakt mit Personen, die zu Hause ein Tier halten, verursacht
werden. Ist dies der Fall, sollten Sie darüber sprechen und gemeinsam Möglichkeiten
zur Vermeidung der Tierallergenbelastung finden (z.B. Wechseln der Kleidung des
Tierhalters, bevor Sie sich treffen).

Maßnahmen zur Hausstaubprophylaxe


Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben gibt es heute wirksame Möglichkeiten, den
Allergenkontakt gering zu halten. Spezialbezüge für Ihre Bettwäsche (Matratze,
Kopfkissen, Bettdecke) verhindern wirksam den Kontakt mit den Milbenallergenen
während der Nachtruhe. Selbst wenn Ihre Krankenkasse diese Anschaffung nicht
komplett übernimmt, lohnt sich diese Investition, wenn Sie eindeutig und stark auf die
Milbe reagieren.

Milbenbeseitigung mit Pulver oder Schaum?


Die Wirksamkeit von milbenabtötenden Mitteln (Akarazide), die als Teppichschaum
oder Trockenpulver zur Reinigung der Matratzen, Teppiche und Polstermöbel
angeboten werden, ist nur unzureichend belegt. Sie können daher nicht vorbehaltlos
empfohlen werden. Maßnahmen, wie z.B. glatter Fußbodenbelag und möglichst wenig
Staubfänger im Schlafbereich kommen zur Reduzierung der Milbenallergene in Frage.
Sollten Sie gegen ein anderes, in der Wohnung vorkommendes, seltenes Allergen
reagieren, ist Allergenkarenz durch Beseitigung oder Sanierung der auslösenden
Ursache immer die beste Behandlung (z.B. Beseitigung von Schädlings- oder
Schimmelpilzbefall in der Wohnung).

5.2 Lokalbehandlung für Augen und Nase bei Allergien

Bislang gibt es keine Medikamente, die eine allergische Erkrankung komplett und für
den Rest des Lebens heilen können.

Keine Wundermittel zur kompletten Heilung


Daher sind sämtliche Medikamente, die zur Behandlung von Allergien angeboten
werden, nur für die Vorbeugung oder Linderung geeignet. Das bedeutet, daß diese Art
von Medikamenten natürlich solange angewandt werden muß, wie die allergischen
Beschwerden bestehen. Medikamente mit einer möglichst guten Wirkung bei
vergleichsweise geringer Nebenwirkung sind zu bevorzugen. Diese Forderung erfüllen
die Medikamente zur Lokalbehandlung von Allergien besonders gut. Je nachdem,
welche Beschwerden Sie haben, können Sie für Augen und Nase getrennt oder
kombiniert angewandt werden. Dabei werden drei Wirkstoffgruppen zur
Lokalbehandlung unterschieden:

1. Die Cromoglycinsäure (häufig DNCG abgekürzt) und das Nedocromil haben eine
vorbeugende Wirkung auf die Freisetzung von Allergiestoffen aus den Mastzellen in der
Schleimhaut.

Schutz durch vorbeugende Anwendung


Das DNCG sollte allerdings, um die volle Wirksamkeit zu erreichen, schon einige Tage
vor dem Einsetzen der Allergiebeschwerden angewandt werden. Außerdem muß es
sehr häufig – bis zu viermal pro Tag – verwendet werden, da die Wirkung an der
Schleimhaut nicht lange anhält. Demgegenüber tritt die Wirkung bei Nedocromil
rascher ein und hält länger vor als die des DNCG.

Außerdem wird die häufig bei Allergien auftretende allgemeine Irritation der
Augenschleimhäute durch Nedocromil besser gemildert. Das Verfallsdatum der
Augentropfen wird, wie üblich, mit ungefähr vier Wochen angegeben, um zu
vermeiden, daß es durch im Laufe der Zeit eingetretenen Verunreinigungen zu einer
Entzündung am Auge kommt. Beide Substanzen, DNCG und
Nedocromil, sind praktisch nebenwirkungsfrei. Das DNCG ist als seit langem bewährtes
Medikament rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

2. Die Substanzen Levocabastin und Azelastin gehören zur Gruppe der sogenannten
Antihistaminika, die die Wirkung des Allergiestoffes Histamin an seinen Rezeptoren
(Bindungsstellen) blockieren. Sie stehen ebenfalls als Augentropfen und Nasensprays
zur Verfügung. Da ihre Wirkung sehr rasch einsetzt, können sie wirklich so verwendet
werden, wie es Ihre persönlichen Beschwerden erforderlich machen. Sie beseitigen
rasch und zuverlässig Juckreiz, Augentränen und den allergischen Schnupfen, da diese
Symptome in erster Linie durch das im Allergieschub freigesetzte Histamin verursacht
werden. Sollte Ihre Nase dagegen nach dem Allergenkontakt vorwiegend mit
Verstopfung reagieren, empfiehlt sich eher ein anderes Präparat zur Lokalbehandlung,
nämlich

3. ein kortisonhaltiges Nasenspray. Aufgrund seines Stellenwertes und der
kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit ist dem Kortison ein Extrakapitel in
diesem Ratgeber gewidmet. Dennoch soll hier schon die Möglichkeit der regelmäßigen
Lokalbehandlung bei allergischen Beschwerden der Nase erwähnt werden, da die
Wirksamkeit ausgezeichnet ist und sich auch für hartnäckige Fälle eines
Heuschnupfens hervorragend eignet. Da bei dieser Form der Lokalbehandlung das
Kortison nur die Schleimhaut benetzt und kaum in den Körper eindringt, sind die
Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch als gering anzusehen.

Kortisonhaltiges Spray für die Schleimhaut belastet den Körper kaum


Es wirkt allerdings nicht sofort, sondern ausschließlich vorbeugend und sollte daher
bereits zwei bis drei Tage vor der erwarteten Allergenbelastung angewandt werden,
um einen vollständigen Schutz zu ermöglichen. Bei regelmäßiger, zweimal täglicher
Anwendung wird die allergische Entzündung derart gebremst, daß Sie sich
möglicherweise völlig beschwerdefrei fühlen.

Alle aufgeführten Formen der Lokalbehandlung haben ein ausgezeichnetes Verhältnis
von gewünschter Wirkung und geringer Nebenwirkung. Sie stellen daher einen ganz
wichtigen Pfeiler bei der Vorbeugung und lindernden Behandlung von allergischen
Beschwerden der Augen und Nase dar.

Vorsicht bei „abschwellenden“ Nasentropfen


Vermeiden sollten Sie „abschwellende“ Nasentropfen oder -sprays, da sich die
Schleimhaut nach kurzer Zeit an diese Präparate „gewöhnt“ und anschließend Ihre
Nase möglicherweise nicht mehr ohne ihren Einsatz frei wird. Sie sollten nur bei ganz
starker Nasenverstopfung und nur für wenige Tage angewandt werden.

5.3 Histaminblocker bei saisonalen allergischen Beschwerden


Die Gruppe der Antihistaminika steht in Form von Tabletten schon lange zur
Behandlung von allergischen Beschwerden zur Verfügung. Der Entzündungsstoff
Histamin, bei allergischen Reaktionen aus den Mastzellen freigesetzt, ist bekanntlich
für viele der Beschwerden verantwortlich.

Tabletten zur raschen und bequemen Allergiebehandlung


Durch Blockierung seiner Wirkung können die Antihistaminika zahlreiche Symptome
lindern. Dazu gehören der typische Juckreiz an Augen, Nase, manchmal auch Gaumen
oder Ohren und der Haut. Bei gebremstem Juckreiz treten seltener Niesanfälle auf und
die Allergie wird nicht durch das häufige Reiben der Augen und Nase verschlimmert.
Außerdem nimmt die Sekretabsonderung der Augen und der Nase ab. Weniger Tränen
und weniger Schnupfen sind die Folge. Die durch das Histamin geweiteten Blutgefäße
normalisieren sich wieder und die Schleimhaut schwillt ab.

Früher hatten sämtliche Antihistaminika lästige Nebenwirkungen, die sich als
Müdigkeit, Einschränkung der Reaktionsbereitschaft und auch als Mundtrockenheit
geäußert haben.

Kaum noch Müdigkeit durch neue Präparate


Seit einigen Jahren ist eine neue Generation von Präparaten auf dem Markt, bei denen
besonders die müdemachende Wirkung so gering ist, daß sie für die meisten Patienten
nicht spürbar ist. Daher haben sich diese Substanzen schnell zur Behandlung des
Heuschnupfens durchgesetzt. Azelastin, Cetirizin, Ebastin, Desloratadin, Fexofenadin,
Levocetirizin, Loratadin und Terfenadin heißen diese Substanzen. Bei sämtlichen
Präparaten ist eine Wirkung bereits nach ein bis zwei Stunden feststellbar und sie
brauchen täglich – bis auf Terfenadin – nur einmal eingenommen werden.

Seltene Nebenwirkungen


Bei Terfenadin, das als erstes Präparat der neueren Generation auf dem Markt kam,
sind in seltenen Fällen unerwünschte Begleitreaktionen am Herzen und an der Leber
aufgetreten. Manche Ärzte sind daher zurückhaltender mit der Verschreibung dieses
Präparates geworden. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, daß auch die anderen,
durchweg neueren Präparate in Zukunft, wenn sie von vielen Millionen Patienten
angewandt worden sind, mit seltenen Nebenwirkungen aufwarten können, die uns
z.Zt. noch nicht bekannt sind. Sicherlich sind die neueren Antihistaminika eine gute
Alternative für jemandem, der bei möglichst geringem Aufwand
rasche Hilfe zur Behandlung seiner Allergien benötigt und dem die oben beschriebene
Lokalbehandlung zu aufwendig und lästig erscheint.

5.4 Wissenswertes zum Kortison


Kortison ist ein lebenswichtiges Hormon, das wichtige Aufgaben in unserem Körper
erfüllt und besonders dazu dient, mit außergewöhnlichem Streß fertig zu werden.
Damit ist nicht nur der Alltagsstreß gemeint, sondern Situationen, die für unseren
ganzen Organismus, den Körper und die Seele, eine extreme Belastung darstellen, wie
z.B. Verletzungen, Unfälle, Operationen und schwere lebensbedrohliche Erkrankungen.

Seine Funktion in unserem Körper


Das Kortison soll den Körper bei extremen Belastungen schützen und dadurch helfen,
diese Krisen besser meistern zu können. Um diese Aufgabe zu erfüllen, greift es auf
vielfältige Weise in die Stoffwechselvorgänge und das Immunsystem des Körpers ein.
Durch seine Eigenschaften vermag es erfolgreich Entzündungen unterschiedlichster Art
im Körper zu mildern und niedrig zu halten.

Es handelt sich bei Allergien im ausgeprägten Fall auch um eine Entzündung, die durch
eine überschießende Reaktion und Überempfindlichkeit des Immunsystems gestartet
worden ist. Insofern ist es naheliegend, auch diese Form der überschießenden
Entzündung mit dem Kortison wirksam zu behandeln, was ganz ausgezeichnet
funktioniert.

Die gefürchteten Nebenwirkungen des Kortisons


Allerdings haben diese Präparate aufgrund ihrer zahlreichen Wirkungen im Körper
eine Reihe unerwünschter Begleitreaktionen, die ein sorgfältiges Abwägen notwendig
machen. Zu den gefürchteten Begleiteffekten des Kortisons gehören: Vollmondgesicht,
Verlagerung des Fettgewebes von Armen und Beinen zum Leib, Knochenentkalkung,
Magengeschwüre, Abnahme der Hautdicke, vermehrte Verletzlichkeit der Gefäße,
Zuckerkrankheit.

Die Verabreichungsform bestimmt die Nebenwirkungsrate


Diese Nebenwirkungen treten allerdings nur bei sehr hoch dosierter Kortisontherapie
über einen Zeitraum von vielen Monaten und Jahren auf. Außerdem ist ganz
entscheidend, wie das Kortison dem Körper zugeführt wird, weil sich daraus wichtige
Unterschiede ergeben, die Sie unbedingt kennen sollten. Wie schädlich das zugeführte
Kortison Ihrem Körper sein kann, hängt also nicht nur von der Stärke des jeweiligen
Präparates ab, sondern auch davon, wie es angewendet wird (Tabletten, Spritzen,
Salben, Schleimhautsprays).

Kortisonspritzen in die Vene – rasch wirksam ohne Dauereffekte


Kortison, das über die Venen in den Körper injiziert wird, wirkt nur vorübergehend und
wird sehr rasch abgebaut. Da Kortison prinzipiell erst nach längerem Zeitraum seine
unerwünschten Wirkungen entfaltet, ist solch eine einmalige Kortisonspritze in die
Vene unbedenklich.

Kortisonspritzen in den Muskel – nicht zu empfehlen


Anders sieht es bei den Kortisonspritzen aus, die als sogenanntes Depotpräparat in
den Gesäßmuskel gespritzt werden. Hier wird das Kortison über einen Zeitraum von
immerhin zwei bis vier Wochen langsam freigesetzt und ist tatsächlich in der Lage, die
eigene Hormonproduktion negativ zu beeinflussen. Außerdem wird das Kortison aus
der Injektionsstelle nicht „natürlich“ freigesetzt; denn unser Körper produziert die
Hauptmenge des benötigten Kortisons in den frühen Morgenstunden, wodurch es zu
täglichen rhythmischen Schwankungen kommt, einem charakteristischem Kortison-
Biorhythmus. Außerdem kann sich die Fettschicht an der Injektionsstelle vollständig
zurückbilden und kosmetisch unattraktive Kuhlen im Gewebe entstehen lassen, die
dauerhaft bestehen bleiben.

Schluss mit der „Heuschnupfenspritze“ (Kortison-Depot ins Gesäß)


Aus diesen Gründen ist die Behandlung mit einem Depotkortisonpräparat, das in den
Muskel gespritzt wird, heutzutage überholt. Es gibt immer noch Patienten, die dennoch
auf ihre „Heuschnupfenspritze“ (so wird die Kortison-Depotspritze häufig
verharmlosend bezeichnet) nicht verzichten wollen, da sie zugegebenermaßen einige
Wochen absolute Beschwerdefreiheit verschaffen kann.

Kortisontabletten: Bei kurzer Anwendung gut verträglich


Sollte eine Behandlung des Körpers mit Kortison erforderlich sein, haben sich
Tabletten wesentlich besser bewährt. Durch morgendliche Einnahme läßt sich der
Kortison-Biorhythmus gut imitieren, außerdem kann durch eine individuelle Dosierung
und verschiedene Stärken des Kortisons die Behandlung viel besser gesteuert werden.
Die kurzfristige Behandlung mit Kortison, häufig als Kortisonstoß bezeichnet, fängt
meistens mit einer hohen Dosis an und wird dann über einige Tage oder wenige
Wochen rasch reduziert. Durch dieses Schema werden die schädlichen
Begleitreaktionen der Kortisongabe wesentlich reduziert und sind daher bei
verantwortlichem Einsatz aus ärztlicher Sicht vertretbar.

Längere Anwendung unter strenger ärztlicher Kontrolle


Das Präparat, die Dosis und die Art der Anwendung spielen eine prinzipiell
entscheidende Rolle, welche Wirkungen und unerwünschte Effekte zu erwarten sind.

Kortison zur äußerlichen Anwendung an der Haut


Bei vielen entzündlichen Hauterkrankungen werden kortisonhaltige Salben oder
Cremes eingesetzt. Abhängig von dem Kortisonpräparat – es gibt eine Vielzahl
chemischer Varianten -, sind diese Mittel unterschiedlich stark. Die sinnvolle
Anwendung von Kortison an der Haut erfordert vom Arzt viel Erfahrung und
Verantwortungsbewußtsein. Neben den erwünschten antientzündlichen Wirkungen
können bei dauerhaftem unsachgemäßem Gebrauch auch unerwünschte
Begleitwirkungen an der Haut entstehen. Sie wird dünner, kann eine pergamentartige
Beschaffenheit entwickeln und störende Dehnungsfalten bekommen.

Längerfristige Anwendung nur auf Empfehlung eines Hautarztes


Jede Kortisonanwendung an der Haut sollte daher ausführlich mit dem Arzt
besprochen werden, um diese Schäden zu verhindern. Dennoch stellt das Kortison
aufgrund seiner zuverlässigen Wirksamkeit ein wichtiges Handwerkszeug bei vielen
Hauterkrankungen dar, die mit einer Entzündung einhergehen.

Kortison zur lokalen Schleimhautbehandlung


Im Gegensatz zur Haut bleiben bei der Anwendung von Kortison an der Schleimhaut
die geschilderten Begleitreaktionen aus. Selbst bei regelmäßiger und langfristiger
Anwendung von Kortison an der Schleimhaut (Nase und Bronchien) treten keine
derartigen Veränderungen auf, wie sie an der normalen Haut beobachtet werden. Die
unerwünschten Kortisonnebenwirkungen an der Haut (Abnahme der Dicke,
Dehnungsfalten und brüchige Blutgefäße) hat man, selbst bei langfristiger Anwendung
an der Schleimhaut, nicht feststellen können. Hier wird die Anwendung des Kortisons
also erheblich weniger durch derartige Begleitreaktionen eingeschränkt. Das ist der
Grund, warum sich das Kortison in den letzten Jahren bestens zur Behandlung von
entzündlichen Schleimhauterkrankungen der Nase oder der Bronchien bewährt hat.
Das gilt natürlich nur bei bestimmungsgemäßem Gebrauch.

mit guter Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen


Das hervorragende Verhältnis zwischen Wirkung und unerwünschten Effekten bei
Kortisonanwendung an der Schleimhaut können Sie auch daran ablesen, daß z.B.
entsprechende Nasen- und Asthmasprays bereits bei Kindern angewandt werden
können.

auch für Kinder geeignet


Normalerweise ist man bei Kindern mit einer langfristigen Kortisonbehandlung
zurückhaltend; allerdings hat diese Form der lokalen Schleimhautbehandlung mit dem
Kortison nicht die gefürchteten, oben beschriebenen Nebenwirkungen, wenn es richtig
angewendet wird. Besonders für die asthmatischen Beschwerden, auf die im nächsten
Kapitel näher eingegangen wird, ist die lokale Behandlung der Schleimhaut mit
Kortison ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie geworden.

Das schlechte Image vom Kortison


Bei Ihrem persönlichen Urteil, das Sie über Kortison fällen, sollten Sie also immer die
behandelnde Krankheit, die Stärke des Präparates und besonders die
Darreichungsform des Kortisons mitberücksichtigen. In der Presse werden diese Dinge
oft vermischt oder grob vereinfacht dargestellt. Dadurch stößt mittlerweile die
Anwendung von Kortison bei vielen Menschen auf Unbehagen oder Ablehnung. Dieses
kann sich bis zu einer übertriebenen Abneigung (Kortisonphobie) steigern, die den
nutzbringenden Einsatz von kortisonhaltigen Präparaten bei diesen Personen völlig
unmöglich machen.

5.5 Die moderne Kombinationstherapie zur Behandlung von allergischen
Erkrankungen



Warum mehrere Medikamente?


Bei ausgeprägten allergischen Beschwerden kann es vorkommen, daß die Anwendung
von nur einem Medikament nicht genügt, um die Allergie erfolgreich zu behandeln. In
der Regel ist es dann sinnlos, die Dosis des Präparates zu steigern. Besser ist es,
verschiedene Medikamente vernünftig miteinander zu kombinieren. Meistens haben
aber Medikamente nicht nur verschiedene Wirkungen, sondern auch unterschiedliche
Nebenwirkungen. Bei geschicktem Einsatz der Medikamente kann jedoch auf diese
Weise versucht werden, daß sich die Nebenwirkungen gleichmäßig im Körper
„verteilen“ und nicht addieren und ihm Schaden zufügen.Dies ist ein wichtiges Prinzip
in der heutigen Medizin und dient dazu, die Verträglichkeit einer Behandlung
zuverbessern und Schäden zu verhindern.

Weniger unerwünschte Begleiteffekte durch geschicktes Kombinieren


Auch beim Heuschnupfen mit besonders ausgeprägten Beschwerden macht man sich
diese Möglichkeit zu Nutze. Während Sie vielleicht bei leichten Beschwerden mit einer
Kombination von Augentropfen und Nasenspray (DNCG, Nedocromil) auskommen, ist
bei unzureichender Linderung der Beschwerden ein zusätzlich eingenommenes
Antihistaminikum (eine oder maximal zwei Tabletten pro Tag) eine gute Möglichkeit,
um Ihre Beschwerden zu lindern. Sollten Sie dann immer noch unangemessen unter
Ihrer Allergie leiden, kann das lokale Mittel für die Nasenschleimhaut durch ein
kortisonhaltiges Nasenspray ausgetauscht werden. Mit dieser Kombination, DNCG-
oder Nedocromil und Antihistaminika-Tabletten und Kortison-Nasenspray, lassen sich
auch ausgeprägte allergische Beschwerden gut und sicher, d.h. nebenwirkungsarm
behandeln. Selbst bei einer durchgehenden, vierwöchigen Behandlungszeit würden Sie
mit dieser Kombination Ihrem Körper weniger Schaden zufügen als mit einer einzigen
Kortison-Depotspritze.

Neue Erkenntnisse für die Asthmatherapie


Auch in der Asthmatherapie haben sich die Möglichkeiten durch den Fortschritt der
letzten Jahre entscheidend gebessert. Mit einer gezielten Kombination wirksamer
Substanzen, die Ihrem persönlichen Krankheitsbild gerecht wird, läßt sich bei den
meisten Asthmatikern die Krankheit so gut unter Kontrolle bringen, daß kaum
Einschränkungen im alltäglichen Leben in Kauf genommen werden müssen.

Heilung durch Asthmamittel?


Allerdings kennen wir bisher kein Medikament, das eine „komplette Heilung“ der
chronischen Erkrankung verspricht. Daher ist es in der Regel notwendig, daß
vorbeugende Medikamente, deren Verträglichkeit sichergestellt sein muß, dauerhaft
angewendet werden.

Asthma lindern durch Entzündungsvorbeugung


Die Erkenntnis, daß Bronchialasthma auf einer chronischen, sich selbst erhaltenden
Entzündung beruht, hat die Behandlungsempfehlungen verändert. Während früher die
Verkrampfung der Bronchien häufig isoliert behandelt wurde, steht heute die
Beeinflussung der zugrundeliegenden Entzündung im Mittelpunkt. Allerdings ist eine
dauerhafte und möglicherweise lebenslange Fortsetzung der sogenannten
antientzündlichen Behandlung notwendig, da sonst die Asthmaperioden wieder
aufflackern können.

Die kombinierte Behandlung schont den Körper


Insofern ist es das Ziel des Arztes, nach dem Motto: so wenig wie möglich und nur so
viel wie nötig, Medikamente zu verschreiben, die Ihnen weitestgehende
Beschwerdefreiheit verschaffen. Um dauerhafte Schäden durch übermäßigen Einsatz
einer Substanz auszuschließen, kommen meistens mehrere wirksame Medikamente
zum Einsatz, die durch geschickte Kombination den Körper schonen. Die moderne
Kombinationsbehandlung des Bronchialasthmas ist ein Schritt in eine
vielversprechende Richtung und hat mittlerweile Millionen von Asthmatikern in aller
Welt wirksam helfen können.

Inhaliertes Kortison verhindert die asthmatische Entzündung


Den wichtigsten Stellenwert zur Kontrolle der asthmatischen Entzündung haben
heutzutage Kortisonpräparate (Kortikosteroide oder kurz Steroide), die in Form eines
Sprays oder als Pulver regelmäßig inhaliert werden. Selbst bei leichten Asthmaformen
werden sie mittlerweile erfolgreich eingesetzt, um vorbeugend die asthmatypischen
Atemnotanfälle zu verhindern. Sie haben keine direkt spürbare Wirkung, helfen also
nicht bei akuter Atemnot. Sie werden regelmäßig vorbeugend und dauerhaft
angewandt. Nur so kann die Entzündung langfristig kontrolliert werden, die ansonsten
unweigerlich zu verstärktem Asthma führen würde.

regelmäßig anwenden


Ein Nachteil ist, daß die Wirkung der inhalierten Kortisonpräparate an der Schleimhaut
relativ schnell nachläßt, so daß sie regelmäßig zwei- bis viermal am Tag inhaliert
werden müssen. Andererseits ist bei dieser Form der Lokalbehandlung die Zahl der
unerwünschten Nebenwirkungen gering. In Einzelfällen kann eine vorübergehende
Heiserkeit auftreten oder bei allgemeiner Immunschwäche eine begrenzte
Pilzbesiedlung im Mund oder Rachenraum entstehen, da selbst bei guter
Inhalationstechnik (Farbabb. 5a, b, c) ein großer Teil der Substanz an der
Mundschleimhaut hängen bleibt und verschluckt wird.



Farbabb. 5a/b/c: Die richtige Inhalation verbessert die Wirkung der Asthmamedikatmente
Zur Behandlung des Asthmas haben sich Sprays oder inhalierbare Pulver rasch
durchgesetzt, da sie fast nur lokal an der Schleihaut der Atemwege wirken. Der Körper
wird dadurch vor unerwünschten Begleitreaktionen geschützt. Vorraussetzung ist eine
gute Inhalationstechnik, die gewährleistet, daß das eingeatmete Medikament an den
Ort seiner Bestimmung, nämlich die Bronchien, gelangt:
– Nachdem die Kappe von dem Spray entfernt worden ist, ganz entspannt ausatmen (links)
– Die Öffnung der Spraydose an die Lippen nehmen (Mitte)
– Die Dose herunterdrücken und gleichzeitig einen tiefen Atemzug nehmen (rechts)
Die Luft sollte anschließend 10 Sekunden (wenn es geht) angehalten werden. Bei
kortisonhaltigen Sprays sollte hinterher der Mund ausgespült werden, um Reste von
der Mundschleimhaut zu entfernen.

richtig inhalieren


Daher hat sich bei diesen Präparaten die Anwendung einer sogenannten
Inhalationshilfe (Spacer) bewährt (Farbabb. 6), durch die der verschluckte Anteil
geringer wird und die Partikel besser eingeatmet werden können. Lassen Sie sich von
Ihrem Arzt unbedingt die richtige Anwendung der Inhalationshilfe erklären, um die
Wirkung der Behandlung zu verbessern und die Nebenwirkungen zu reduzieren.
Zusätzlich sollten Sie nach der Anwendung den Mund ausspülen, um verbleibende
Partikel aus der Mundhöhle zu entfernen.

…mit Inhalationshilfe




Farbabb. 6: Eine Inhalationshilfe verbessert die Aufnahme und die Wirkung von
Asthmamedikamenten

Ein Teil der Tröpfchen setzt sich nach einem Sprühstoß sehr schnell ab. Bei
Verwendung einer kolbenförmigen Inhalierhilfe kann das Medikament gleichmäßiger
inhaliert werden und es verbleibt nur ein geringer Teil in der Mundhöhle. Diese
Atemhilfen haben sich besonders bei kortisonhaltigen Asthmasprays bewährt, da bei
ihrer Verwendung weniger Kortison in die Mundhöhle und den Körper gelangt

Als Alternative zur Spray-Inhalation gibt es spezielle Taschen-Inhalatoren, mit denen
das Medikament als Pulver inhaliert wird. Lassen Sie sich auch bei dieser Form der
Inhalation, die ohne FCKW-haltige Treibgase auskommt, die richtige Atemtechnik von
Ihrem Arzt erklären.

Inhalierbares Kortison – ein Hauptpfeiler der modernen Asthmatherapie


Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind selbst nach vielen Jahren keine
gravierenden Begleiterscheinungen zu erwarten. Daher ist diese Form der
Lokalbehandlung mit Kortison eine (fast) ideale Basistherapie zur Behandlung des
Asthmas. Bei dieser Art der Behandlung gelangt nur ein Bruchteil der Kortisonmenge –
verglichen mit einer Tabletteneinnahme oder Spritzenbehandlung – in die Blutbahn.
Dadurch wird der Organismus des Patienten geschont und er profitiert gleichzeitig von
den vorbeugenden Wirkungen des Kortisons auf das Asthma.

Der „Kortisonstoß“


Bei einem besonders schweren Ausbruch des Asthmaleidens kann es vorübergehend
erforderlich sein, eine Stoßbehandlung mit Kortisontabletten über einen Zeitraum von
ungefähr ein bis zwei Wochen durchzuführen. Wie in Kapitel 5.4 gezeigt, stellt auch
diese hochdosierte, kurzfristige Behandlung mit Kortison für Ihren Körper keine Gefahr
dar. Nur in extrem schweren Fällen wird neben der Inhalationsbehandlung eine
dauerhafte Therapie mit Kortisontabletten erforderlich.

Andere antientzündliche Asthmamittel


Als Alternative zu den inhalierbaren Kortisonpräparaten kommen bei leichtem Asthma
andere vorbeugende Präparate zur regelmäßigen Inhalation in Frage. Sie werden
ebenfalls in Spray- (DNCG, Nedocromil) oder Pulverform (DNCG) angeboten. Da sie
nahezu frei von unerwünschten Begleiterscheinungen sind, werden sie häufig bei
Kindern zur vorbeugenden Asthmabehandlung eingesetzt. Sie müssen ebenfalls
regelmäßig inhaliert werden und haben keine Wirkung auf einen akuten Asthmaanfall.

Asthmamedikamente, die die Luftnot beseitigen…


Hierfür – plötzliche Atemnot – kommen die seit 30 Jahren gebräuchlichen Asthma-
Sprays oder -pulver mit Beta2-Symphatomimetika (kurz Beta2-Mimetika, Präparate, die
den Symphatikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, aktivieren) in Frage, die zu
einer raschen Erweiterung der Bronchien führen. Ihre Wirkung hält jedoch nur wenige
Stunden an und hat keinerlei Einfluß auf die zugrundeliegende asthmatische
Entzündung. Sie sollten daher isoliert nur bei außerordentlich leichtem Asthma
(weniger als einmal wöchentlicher Schweratmigkeit) angewandt werden. Treten
häufiger als einmal pro Woche Asthmasymptome auf, ist eine anti-entzündliche
Basisbehandlung mit den oben besprochenen Medikamenten notwendig, so daß die
rasch wirkenden Asthmasprays (Beta2-Mimetika) nur bei sporadisch auftretender
Atemnot angewandt werden müssen. Sollte dieses Spray öfter als z.B. viermal pro Tag
benutzt werden, ist das Asthma nicht stabil und bedarf einer besseren Einstellung.

…dürfen nicht zu oft angewendet werden


Sind die Möglichkeiten der vorbeugenden, lokalen Behandlung mit Kortison oder eines
seiner Alternativen ausgeschöpft, gibt es lang wirksame, bronchialerweiterende Mittel,
die entweder in Tablettenform (sogenannte Theophyllin-Präparate) ein- bis zweimal
täglich eingenommen werden oder neuartige Beta2-Mimetika zum Inhalieren, die
aufgrund ihrer längeren Wirksamkeit zur Dauerbehandlung von mittelschwerem
Asthma geeignet sind.

Mit Asthma leben lernen


Bei erfolgreicher Einstellung des Asthmas mit Hilfe von Allergenkarenz und geeigneten
Medikamenten ist es möglich, Einschränkungen durch diese chronische Krankheit im
Alltag auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Das Ziel der geschilderten Maßnahmen ist es,
dem Patienten ein Leben mit der Krankheit ohne beeinträchtigende Einschränkungen
zu ermöglichen. Gespräche mit dem Arzt, Informationen durch andere
Patientenratgeber oder Kontakte zu Selbsthilfegruppen und Teilnahme an deren
Aktivitäten können außerordentlich hilfreich sein, eine positive Einstellung gegenüber
der Behandlung zu entwickeln.

Hilfsmittel zur Selbstkontrolle


Wenn Sie schon länger an Asthma leiden, können Sie Ihren Krankheitszustand und Ihre
allgemeine Befindlichkeit am besten einschätzen. Sollten Sie damit Schwierigkeiten
haben, gibt es einfache Hilfsmittel zur Kontrolle der eigenen Atemfunktion
(sogenannte Peakflowmeter), mit denen Sie selbst den wechselnden Zustand Ihres
Asthmas messen können. Auf diese Weise werden Sie schnell ein Gespür entwickeln,
wann es um Ihr Asthma gut oder schlecht steht. Dadurch werden Sie zu einem
kompetenten Partner Ihres behandelnden Arztes und die gemeinsamen Bemühungen
zur langfristigen Behandlung Ihrer Krankheit können wirksam werden.

Unerwünschte Effekte bei der Behandlung mit Beta2-Mimetika


Das Beta2-Mimetikum sollten Sie zur raschen Behandlung einer akut auftretenden
Atemnot immer bei sich tragen. Bei richtiger Inhalation setzt seine Wirkung innerhalb
von wenigen Minuten ein: Die Bronchien erweitern sich, die Schleimhaut schwillt ab
und die Atemnot läßt nach. Als Begleiterscheinungen können Herzklopfen, ein leichtes
Zittern der Hände und innere Unruhe auftreten. Bei übermäßigem Gebrauch nehmen
die unerwünschten Begleitreaktionen zu; daher wird vor einer ausschließlichenBehandlung des Asthmas mit diesem Präparat als einzigem Medikament gewarnt. Ein
häufiger Gebrauch signalisiert sozusagen, daß die Asthmaentzündung auf dem
Vormarsch ist und nach vorbeugender Behandlung verlangt. Theophyllin-Präparate,
die seit vielen Jahrzehnten zur Asthmabehandlung eingesetzt werden, haben ähnliche
Begleiterscheinungen wie die Beta2-Mimetika. Dazu können sich Übelkeit,
Kopfschmerzen und eingeschränkte Schlafqualität einstellen. Berichten Sie Ihrem Arzt
davon, damit er die Dosis entsprechend korrigieren kann und die Nebenwirkungen
zurückgehen.

Stellenwert der Kombinationstherapie


Insgesamt haben sämtliche Präparate der vorgestellten Kombinationstherapie eine
gute Verträglichkeit, die es sogar erlaubt, schwangere oder stillende Frauen und auch
Kinder nach dem gleichen Schema mit geringfügigen Anpassungen zu behandeln. Da
fast alle aufgeführten Medikamente nur lokal an der Schleimhaut angewandt werden,
können viele Nebenwirkungen umgangen werden, die bei Tabletten- oder
Spritzenbehandlung auftreten würden.

5.6 Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen



Was ist das eigentlich?


Als besondere Möglichkeit zur Behandlung allergischen Beschwerden kommt die
Immuntherapie mit den verantwortlichen Allergenen in Frage. Sie wird auch als Hypo-
oder Desensibilisierung, Allergie-Impfung, Spritzenkur mit Allergenen oder ähnlich
bezeichnet.

Fakten zur Immuntherapie mit Allergenen


Bei dieser Behandlung werden die verursachenden Allergene in steigender Dosis bis zu
einer individuell verträglichen Höchstdosis unter die Haut gespritzt, die anschließend
regelmäßig alle vier Wochen gegeben wird. Nach einiger Zeit läßt die allergische
Unverträglichkeit spürbar nach, allerdings nur auf die Allergene, mit denen behandelt
worden ist. Während die bereits besprochenen Medikamente nur die Beschwerden
lindern können und keine Heilung versprechen, ist die Immuntherapie immerhin in
der Lage, eine längerfristige Besserung der Beschwerden zu ermöglichen. Um jedoch
den Behandlungserfolg sicherzustellen, sind bestimmte Dinge vor Beginn und während
der Behandlung zu berücksichtigen. Diese Therapie kommt nicht für alle Patienten und
auch nicht für sämtliche Allergene in Frage; es ist daher wichtig zu wissen, wo die
Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung liegen.

Neu erforschter Wirkungsmechanismus


Auf die Wirksamkeit der Immuntherapie mit Allergenen ist man vor mehr als 90 Jahren
weniger durch gezieltes Forschen, sondern eher durch genaues Beobachten gestoßen.
Der eigentliche Grund, warum diese Behandlung hilft, war früher nicht bekannt; heute
hat sich daran einiges geändert: Durch intensive Forschungsbemühungen zeichnet sich
ein für den Erfolg der Behandlung verantwortlicher Wirkungsmechanismus ab;
darüberhinaus hat man viele Veränderungen im menschlichen Immunsystem im Laufe
der Immuntherapie feststellen können, die unser Verständnis der allergischen
Erkrankungen wesentlich gebessert haben.
Nachgewiesene Wirksamkeit


Auch wenn der Wirkungsmechanismus noch nicht in allen Einzelheiten verstanden ist,
konnte in zahlreichen Untersuchungen geprüft und gezeigt werden, daß diese
Behandlung bei Allergien tatsächlich hilft. Bei der überwiegenden Anzahl der
Patienten, deren allergische Beschwerden auf diese Art und Weise behandelt werden,
kommt es zu einer anhaltenden Besserung, manchmal auch zu vollständiger
Beschwerdefreiheit.

Immuntherapie bei Pollenallergie


Bei einer Allergie gegen Pollenbestandteile sollten die Beschwerden ausgeprägt und
länger als zwei bis drei Wochen im Jahr bestehen, da sonst der nicht unerhebliche
Aufwand der Behandlung nicht gerechtfertigt erscheint. Bestehen auf der anderen
Seite von Frühjahr bis Herbst ganz ausgeprägte Allergien, ist der Patient vermutlich
gegen eine große Anzahl von Allergenen sensibilisiert. In diesen Fällen sollten die
Erwartungen an die Immuntherapie nicht zu hoch angesetzt werden, da sie
erfahrungsgemäß besser bei einer überschaubaren Anzahl von Allergenen hilft. Die
Aufgabe Ihres Arztes wird es sein, die tatsächlich verantwortlichen Allergene
herauszufinden, da nicht gegen alle Allergene behandelt wird, die im Hauttest positiv
waren, sondern nur gegen diejenigen, auf die in der warmen Jahreszeit mit
Beschwerden reagiert wird.

Der persönliche Beschwerdezeitraum ist entscheidend für die Allergenauswahl


Für manche Patienten ist es gar nicht so einfach, den Beschwerdezeitraum relativ
genau anzugeben. In diesen Fällen ist es hilfreich, ein weiteres Jahr abzuwarten und
durch tägliche Eintragungen (z.B. je nach Beschwerden Bewertungen von 1 bis 3) in
einem sogenannten Symptomtagebuch Klarheit zu bekommen. Der Arzt wird
anschließend die persönlichen Eintragungen mit denen der gemessenen
Pollenflugdaten vergleichen und erhält dadurch eine genaue Vorstellung von dem
persönlichen Allergenspektrum.Pollenbedingte, allergische Symptome an Augen, Nase
und Bronchien sprechen erfahrungsgemäß recht gut auf die Behandlung mit einer
Immuntherapie an, so daß Millionen von Pollenallergikern auf der ganzen Welt bereits
von dieser Therapie profitiert haben.

Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie


Etwas anders sieht es bei den ganzjährigen Allergenen, den Hausstaubmilben aus.
Bevor eine Immuntherapie mit diesen Allergenen begonnen wird, sollte der
Schlafbereich saniert und möglichst milbenarm gestaltet werden (siehe Kapitel 3.4). Ist
die Milbenbelastung tatsächlich auf ein Mindestmaß reduziert, ohne daß vollständige
Beschwerdefreiheit eingesetzt hat, könnte eine Immuntherapie mit den
Hausstaubmilbenallergenen begonnen werden.

Milbenprophylaxe nicht versäumen


Da die Allergie durch diese Form der Behandlung nicht völlig „geheilt“ wird, aber
deutlich abnehmen und in reduzierter Form weiterbestehen kann, gehören die beiden
Maßnahmen Allergenkarenz und Immuntherapie unbedingt zusammen.

Verzicht auf Tiere – keine Immuntherapie bei Tierhaltern


Als Faustregel gilt, je besser der Patient sich von den Allergenen fernhalten kann, desto
weniger kommt eine Immuntherapie in Frage. Daher ist die Hyposensibilisierung auch
für Tier-Allergiker nicht geeignet, da hier die ideale Lösung ist, langfristig auf
Tierhaltung zu verzichten. Die einzige Ausnahme und Voraussetzung, unter der die
Immuntherapie bei Tierallergien helfen kann, besteht darin, daß zu Hause keine Tiere
gehalten werden und auch am Arbeitsplatz kein dauernder Tierkontakt besteht.
Warum all diese Einschränkungen im Zusammenhang mit der Immuntherapie?
Einerseits um sicherzustellen, daß sie Ihnen wirklich nutzt; andererseits ist die
Behandlung recht kostspielig und nicht völlig risikolos (s.u.). Ihre Planung und
Durchführung erfordert ein hohes Maß an Verantwortlichkeit von Ihnen und von
Ihrem Arzt, die nicht unterschätzt werden sollte.

So funktioniert die Immuntherapie mit Allergenen


Die Immuntherapie mit Allergenen läuft folgendermaßen ab: Wenn kein Zweifel mehr
besteht, welche Allergene für die individuelle Allergie und die Immuntherapie in Frage
kommen, wird der Arzt per Rezept die persönliche Allergenlösung verschreiben, die
über eine Apotheke bestellt und nach einigen Wochen abgeholt werden kann. Die
Packung enthält zwei bis vier Fläschchen, die unterschiedliche Mengen an Allergenen
enthalten.

Spritzen in das Oberarmfettpolster


Mit der winzigsten Menge beginnend, wird der Arzt das Allergen mit einer speziellen
Spritze mit kleiner Nadel oberhalb des Ellenbogens in den Oberarm unter die Haut
spritzen (Farbabb. 7). Allerdings nur, wenn der Patient keine Allergiebeschwerden hat,
keinen Infekt und sich darüber hinaus rundherum wohl fühlt. Im Anschluß an die
Spritze sollte, um eine mögliche Unverträglichkeit rasch behandeln zu können, der
Patient für wenigstens eine halbe Stunde in den Räumen des Arztes bleiben.
Außerdem sollte der Arm für den Rest des Tages geschont werden (kein Gewichtheben
oder ähnliches!), körperliche Anstrengungen und Hitzebelastung (Sauna, heißes Bad)
sollten zwei Stunden lang vermieden werden, um das Immunsystem nicht
überzustrapazieren.



Farbabb. 7: Die Immuntherapie mit Allergenen wird häufig zur Behandlung von
allergischen Beschwerden eingesetzt

Bei der Hyposensibilisierung, wie sie auch genannt wird, werden zunehmende
Portionen einer Allergenlösung unter die Haut in das Fettgewebe gespritzt. Die höchste
Dosis wird bei guter Verträglichkeit alle 4 Wochen in regelmäßigen Abständen
gegeben. Die Behandlung dauert meistens 3 Jahre. Nach jeder Spritze muß der Patient
eine halbe Stunde in den Praxisräumen warten, falls eine unerwünschte allergische
Reaktion auftritt und der Arzt gerufen werden muß.

Die Allergendosis wird gesteigert


Nach einer Woche wird der Arzt bei guter Verträglichkeit der letzten Spritze eine
geringfügig erhöhte Dosis der Allergenlösung spritzen. In wöchentlichem Rhythmus
wird die Steigerung der Allergiebehandlung fortgesetzt, bis schließlich die empfohlene
oder persönliche Höchstdosis erreicht ist. Man sagt, daß sie für den Erfolg der
Behandlung möglichst hoch, andererseits aber gut verträglich sein soll. Ist die
Höchstdosis einmal erreicht, wird sie nur noch alle vier Wochen gespritzt. Die
klassische Behandlungsform der Immuntherapie dauert mindestens drei Jahre.
Spätestens nach dem ersten Jahr sollte sich eine spürbare Besserung eingestellt haben,
die nach dreijähriger Behandlung in vielen Fällen langfristig bestehen bleibt. Es ist
jedoch außerordentlich schwer vorherzusagen, wie ausgeprägt und wie lang anhaltend
der Erfolg individuell sein wird.

Wie misst man den Erfolg?


Die Beschwerden können nach einigen Jahren, wenn auch in abgeschwächter Form,
wieder aufflackern. Mit etwas Glück lassen Allergiebeschwerden im Alter (> 40 Jahre)
ohnehin etwas nach. Der Behandlungserfolg spiegelt sich in erster Linie im Rückgang
der allergischen Beschwerden wieder. Darüber hinaus gibt es keinen zuverlässigen
Test, der verrät, wie der Behandlungserfolg einzuschätzen ist, denn die entscheidende
Veränderung im Körper, die dem Erfolg der Immuntherapie zugrundeliegt, ist noch
unbekannt. Möglicherweise ist es eine Summe von Veränderungen im Immunsystem,
die den Patienten schließlich die Allergene besser vertragen lassen und so bei ihm zur
Allergentoleranz führen.

Neue Formen der Immuntherapie mit Allergenen


Die meisten Erfahrungen gibt es bei der klassischen Behandlungsweise mit Spritzen in
das Unterhautfettgewebe, die über drei Jahre durchgeführt wird. Seit einigen Jahren
gibt es auch eine Kurzzeit-Immuntherapie mit Allergenen, die nur einige Wochen oder
Monate vor der eigentlichen Pollenflugsaison durchgeführt wird. Dies ist eine sinnvolle
Variante, besonders wenn die Zeit vor der nächsten Pollensaison zu knapp ist, um die
dreijährige Behandlung zu beginnen. Allerdings gibt es zur klassischen
Hyposensibilisierung zahlreichere Untersuchungen, in denen bei vielen Patienten
überzeugend gezeigt worden ist, daß die Behandlung wirklich dauerhaft hilft.

Offene Fragen zur Behandlung mit Allergentropfen


Bei der sublingualen Hyposensibilisierung (durch Aufnahme der Allergentropfen unter
der Zunge) sind die Untersuchungsdaten nicht einheitlich. Verschieden, kleinere
Studien belegen eine Wirksamkeit. Dennoch kann aus Expertensicht die sublinguale
Behandlung mit Allergenen aufgrund der z. Zt. noch ungeklärten Fragen zum
Wirkungsmechanismus, zur optimalen Dosis, zum notwendigen Behandlungszeitraum,
zur vorbeugenden Wirkung und zur Dauer des Therapieerfolges (noch) nicht für die
uneingeschränkte Routinanwendung empfohlen werden.

Ab wann kann begonnen werden?


Häufig stellt sich die Frage, ab wann Kinder hyposensibilisiert werden können. Meines
Erachtes ist es nicht angebracht, vor dem Schulalter mit der Immuntherapie zu
beginnen. Eine abwartende Haltung des Arztes, um die weitere Allergieentwicklung des
Kindes zu beobachten und das Allergenspektrum besser kennenzulernen, ist ein
sinnvolleres Vorgehen. Schließlich sind die meisten der gut verträglichen
Allergiemedikamente zur Lokalbehandlung auch für Kinder geeignet, so daß ein
überstürzter Beginn der Immuntherapie mit Allergenen nicht gerechtfertigt erscheint.

Schützt die Behandlung vor Asthma?


Aus klinischer Erfahrung wissen wir, daß beginnende asthmatische Beschwerden im
Rahmen der Allergiebehandlung mit einer Hyposensibilisierung wieder zurückgehen
können. Die Frage, ob eine Immuntherapie mit Allergenen vorbeugend zur
Verhinderung eines allergischen Asthmas eingesetzt werden kann, wurde durch eine
große Untersuchung, geklärt: Tatsächlich entwickeln Kinder mit allergischem
Schnupfen seltener ein allergisches Asthma, wenn sie durch eine Immuntherapie mit
Allergenen behandelt werden. So konnten die lange vermuteten vorbeugenden
Wirkungen der Immuntherapie überzeugend bestätigt werden.

Keine Behandlung bei klassischer Nahrungsmittelallergie


Eine Allergie gegen Nahrungsmittel sollte nicht mit einer Immuntherapie behandelt
werden. Bei ausgeprägter Nahrungsmittelallergie (Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Nüsse,
Samen, Soja u.a.) ist die Empfindlichkeit so groß, daß die Risiken einer unerwünschten
Reaktion nicht zu vertreten wären.

Teilweise Besserung bei pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie


Anders sieht es bei den pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien aus: Wenn eine
ohnehin geplante Immuntherapie mit Pollenallergenen durchgeführt wird, zeigen
ungefähr die Hälfte der Betroffenen auch geringere Beschwerden auf die zugehörigen,
kreuzreaktiven Nahrungsmittel (bei Birke z. B. Kern- und Steinobst).

Unerwünschte Begleiteffekte


Als Begleitreaktionen bei der Immuntherapie können im Anschluß an die Spritze oder
zeitlich verzögert Juckreiz und Schwellung im Bereich des Oberarmes auftreten. In
seltenen Fällen reagieren auch andere Körperstellen mit. Beschwerden wie bei der
Allergie, Augenjucken und Niesen, können einsetzen oder die Haut am Körper mit
Quaddelbildung reagieren. Im schlimmsten Fall, der allerdings äußerst selten auftritt,
reagiert der Körper nach der Spritze rasch mit einer heftigen allergischen Reaktion
(Asthma, niedriger Blutdruck), die sofort vom Arzt behandelt werden muß.

Immuntherapie bei allergischem Asthma geeignet?


Besteht ein allergisches Asthma schon eine lange Zeit (mehrere Jahre), wird es
zunehmend schwieriger, die chronisch werdenden Beschwerden mit einer
Immuntherapie erfolgreich zu behandeln. Sind durch unzureichende
Asthmabehandlung in der Vergangenheit bereits Dauerschäden eingetreten, sollte
keine Hyposensibilisierung mehr durchgeführt werden, da häufig auch ein erhöhtes
Risiko für anschließende, unerwünschte Begleitreaktionen besteht. Aus
Sicherheitsgründen sollte während der Schwangerschaft keine Hyposensibilisierung
begonnen werden.

Die richtige Wahl bei der Behandlung von Allergien


Bei der Entscheidung für die jeweilige Behandlungsmethode sind viele Faktoren zu
berücksichtigen; versuchen Sie sich auf alle Fälle eine eigene persönliche Meinung
zu bilden. Beide Alternativen – Beschwerden-lindernde Medikamente oder die
Immuntherapie mit Allergenen – haben Vor- und Nachteile, die sorgfältig
gegeneinander abgewogen werden sollten. Aus ärztlicher Sicht sind beide Strategien
bei Allergien wirksam und kommen bei besonders hartnäckigen Fällen auch ergänzend
zur Behandlung allergischer Beschwerden in Frage.

5.7 Alternative Therapieverfahren und damit zusammenhängende Fragen


Seit einigen Jahren erfreuen sich Behandlungskonzepte aus der alternativen Medizin
zunehmender Beliebtheit. Auch zur Behandlung von Allergien werden neben den
gesicherten Therapiekonzepten, die bereits dargestellt wurden, zahlreiche alternative
Therapien angeboten.

Altenative Therapiekonzepte nehmen zu


Es ist durchaus verständlich, daß sich der Allergiker, unzufrieden mit dem chronischen
Verlauf seiner Erkrankung, Methoden zuwendet, die ihm versprechen, ohne „Chemie“
die Beschwerden komplett heilen zu können. Die meisten exotischen
Therapiekonzepte halten jedoch einer gewissenhaften Überprüfung nicht stand.

Empfohlen werden kann nur, was zur Behandlung nachweislich taugt


Solange der Nachweis über die erfolgreiche Behandlung von allergischen
Erkrankungen mittels einer bestimmten Therapieform nicht erbracht ist, kann aus
ärztlicher, allergologischer Sicht eine derartige Behandlung nicht empfohlen werden.
Zum Schutz des Patienten ist zu fordern, daß jede Behandlungsart mit ihrem Nutzen
und ihren Risiken so intensiv und objektiv wie möglich untersucht wird. Diese Regel
sollte für naturwissenschaftlich begründete Verfahren genauso wie für alternative
Methoden angewandt werden. Das gilt auch für die Homöopathie, Akupunktur,
Eigenbluttherapie, Bioresonanz-Therapie, Elektroakupunktur nach Voll, Kinesiologie,
Ozontherapie, Enzymtherapie und viele andere.

Einzelerfolge durch alternative Therapien?


Immer wieder werden von Patienten, die sich diesen Methoden anvertraut haben,
erstaunliche Behandlungserfolge gemeldet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein
individueller Behandlungserfolg von vielen Variablen abhängig ist. Da Allergien (durch
IgE-Antikörper) im Alter eher abnehmen und es nicht möglich ist, den individuellen
Verlauf der Beschwerden vorherzusagen, bestimmt zunächst der von Person zu Person
unterschiedliche Verlauf das Ausmaß der Beschwerden.

Oder Plazebowirkung?


Jede Behandlung einer Krankheit verfügt über eine sogenannte Plazebowirkung, die
unabhängig von der jeweiligen Methode ist. In diesem Plazeboeffekt sind sämtliche
Phänomene enthalten, die unabhängig von der spezifischen Wirkung einer Behandlung
schließlich zur Abnahme der empfundenen Beschwerden führen.

Ein Drittel Plazeboeffekt bei jeder Allergiebehandlung!


Spontane Besserungen, eine veränderte Wahrnehmung der Symptome, Besserung
durch Autosuggestion, der feste Glaube an das Therapiekonzept und Vertrauen zu dem
Therapeuten sind Komponenten des Plazeboeffektes, der bei ungefähr 30% der
Allergiker (!), unabhängig von der Behandlung, zu einer Besserung führt.

Muss die Wirkungsweise einer Therapie unbedingt erforscht sein?


Eine Behandlung, die nachgewiesenermaßen wirkungsvoll und schließlich
empfehlenswert zur Therapie von Allergien sein soll, muß also deutlich besser als die
Plazeborate von 30% abschneiden. Aus diesem Grund werden die Patienten in
seriösen Untersuchungen neben der zu überprüfenden Therapie auch mit einem
vergleichbaren Plazebo (Scheinmedikament) behandelt. Dabei ist es unerheblich, auf
welchem Mechanismus die zu prüfende Therapie beruht. Es ist also nicht erforderlich,
die Wirkungsweise im Detail verstanden zu haben und naturwissenschaftlich
begründen zu können. Ein rein empirischer Erfolg (durch vergleichende
Untersuchung ohne Wissen der zugrundeliegenden Mechanismen) ist aus medizinischer Sicht
hinreichend, um den Erfolg der Behandlung nachzuweisen. Insofern ist es durchaus
möglich, die meisten alternativen Behandlungsverfahren auf ihre Tauglichkeit hin zu
überprüfen, selbst wenn wir ihre Wirkungsweisen im menschlichen Körper (noch) nicht
kennen.

Zu wenig kontrollierte Untersuchungen


Derartige kontrollierte Untersuchungen mit alternativen Verfahren sind leider die
Ausnahme. Auch die häufig angeführten Einzelerfolge ersetzen eine solche Prüfung
nicht, denn letztlich ist nicht zu beurteilen, welcher Faktor maßgeblich die Besserung
verursacht hat (Spezifische Wirksamkeit der durchgeführten Therapie? Plazeboeffekt?
Spontane Besserung? Natürliche Abnahme der Erkrankung im Alter?). Aus den
genannten Gründen müssen derartige Einzelbeobachtungen, mit denen die Erfolge der
alternativen Methoden nachgewiesen werden sollen, äußerst kritisch betrachtet
werden.

Mehr Informationen zu alternativen Behandlungsweisen?


Sollten Sie trotzdem Interesse haben, sich über alternative Behandlungsverfahren in
der Medizin zu informieren, bietet das Buch „Die andere Medizin. Handbuch und
Risiken sanfter Heilmethoden“ (3. Auflage 1994, 4. Auflage 1996, Stiftung Warentest,
Econ Verlag, Düsseldorf) einen umfassenden Überblick und eine sorgfältige Bewertung.
Aus naturwissenschaftlich begründeter medizinischer Sicht wäre es allerdings fatal,
wenn Sie wirksame Behandlungsmöglichkeiten versäumen würden auf der Suche nach
Alternativen, deren Effekte fraglich sind. Informieren Sie sich in jedem Fall gut, bevor
Sie sich schließlich für einen persönlichen Weg zur Behandlung Ihrer Allergien
entscheiden.

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Die AeDA-Regionalgruppe Berlin trifft sich meist am 1. Do. des Monats zum allergologischen Qualitätszirkel; NEU: ab 2-2019 in der KV Berlin (Moderation: Dr. Zeise u. Dr. Chaoui)

AeDA-Regionaltagung 2017

AeDA-Regionaltagung 2017
Am Sa. 14.10.17 findet im Westend die allergologische Jahrestagung der Berliner Regionalgruppe des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (AeDA) statt; dieses Jahr unter dem Hauptthema "!Leitlinien in der Allergologie: Handlungsbasis für Klinik und Praxis"

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Wissenschaftliche Veröffentlichung des EAACI MAUG frei verfügbar: Pediatr Allergy Immunol 2016;27 Suppl 23:1-250 (Free Access, PDF-Datei 18,5 MB, dazu auf das Cover klicken)