Kapitel 4

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Pollen, Milben und Co. – Was tun bei Allergien?
Ratschläge für Patienten und Betroffene

4. Ärztliches Vorgehen bei allergischen Erkrankungen


4.1 Die persönliche Krankengeschichte – Schlüssel zur Allergieerkennung
4.2 Hauttestverfahren – wichtiges Handwerkszeug in der Allergiediagnostik
4.3 Labortests – zusätzliche Hilfsmittel für die Allergiediagnostik
4.4 Provokationstests – beweisführende Verfahren in der Praxis
4.5 Alternative Testverfahren


4 Ärztliches Vorgehen bei allergischen Erkrankungen

4.1 Die persönliche Krankengeschichte — Schlüssel zur Allergieerkennung

Was der Arzt wissen will

Sollten Sie wegen allergischer Beschwerden zum Arzt gehen, wird dieser zunächst im Gespräch versuchen, die Ursachen durch gezieltes Fragen einzugrenzen. Bedeutsam ist z.B., ob in Ihrer Familie, bei den Geschwistern, den Eltern oder den Großeltern Allergien bekannt sind.

Allergien in der Familie?

Das wäre ein Hinweis, daß Sie möglicherweise eine erhöhte Allergiebereitschaft (Atopie) geerbt haben. Außerdem werden Sie nach der Art Ihrer Beschwerden gefragt, z.B. nach Augenjucken und -tränen, wäßrigem Schnupfen, häufigem Niesen und blockierter Nase.

Was für Beschwerden?

Bei Verdacht eines Bronchialasthmas interessiert sich Ihr Arzt auch für anhaltenden Husten, Schweratmigkeit mit Enge in der Brust und Anfälle von Atemnot. Je vollständiger Sie Ihrem Arzt die Beschwerden schildern können, umso einfacher ist es für ihn, diese einzuordnen und zu entscheiden, ob es sich tatsächlich um eine Allergie handelt. Dabei ist es bedeutsam, wenn Sie Zeitpunkte und Orte kennen, an denen Ihre Beschwerden aufgetreten sind.

Wann und wo?

Für den Arzt stellt es eine große Hilfe dar, wenn Sie sich selbst über ein Muster, dem Ihre Beschwerden folgen, klar geworden sind. Dieses Muster kann nämlich wegweisend sein, ob es sich um ein verantwortliches Allergen aus der Natur oder um eine Ursache aus dem häuslichen bzw. Arbeitsbereich handelt.

Wie Sie Ihrem Arzt helfen können?

Bestimmte Beschwerden, die einer Allergie durchaus ähnlich sein können, aber gleichförmig keinem Muster folgen, wären ein Hinweis darauf, daß es sich ursächlich nicht um eine “echte” Allergie handelt. Beschwerden ohne jede zeitliche oder örtliche Zuordnungsmöglichkeit sprechen gegen eine Allergie. Eiweißstoffe, die als echte Allergene in Frage kommen, haben eine unterschiedliche Verbreitung. Wir sind ihnen niemals so gleichmäßig ausgesetzt, daß ständige Krankheitszeichen die Folge wären.

Chronische Beschwerden wie bei einer Allergie

Dauerhafte Beschwerden ohne jedes Muster können dagegen Ausdruck einer allgemeinen, nicht-allergischen Schleimhautüberempfindlichkeit sein. Die Symptome werden häufig durch Umweltreize, die nichts mit einer Allergie zu tun haben, verstärkt. Dazu gehören Rauch, starke Gerüche, Temperaturwechsel, Staub (z.B. auf der Straße) und andere Belastungen. Diese erhöhte Reizbarkeit unserer Schleimhäute, die einer Allergie zum Verwechseln ähneln kann, scheint ebenso wie die Allergien in den letzten Jahren zugenommen zu haben. Die zunehmende Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle.

Sind Sie ein “Schleimhautschwächling”?

Die zugrunde liegenden Ursachen und Krankheitsvorgänge bei dieser Form der allgemeinen Schleimhautüberempfindlichkeit sind bislang weniger erforscht als die echten Allergien. Es ist daher für die Betroffenen mit einer nicht-allergischen Bindehautentzündung der Augen, einem nicht-allergischen Schnupfen oder einem nicht-allergischen Asthma oft trotz gutem Willen nicht möglich, dem Leiden auf den Grund zu gehen; selbst die behandelnden Ärzte sind in diesen Fällen häufig ratlos.

Wenn keine Allergie zu finden ist

Da eine greifbare und möglicherweise vermeidbare Ursache, wie sie bei einer Allergie vorliegen kann, in der Regel nicht aufzuspüren ist, fällt es den Betroffenen meist schwer, mit solchen chronischen, nicht-allergischen Beschwerden leben zu lernen.

4.2 Hauttestverfahren — wichtiges Handwerkszeug in der Allergiediagnostik

Bei einem Hauttest werden die allergische Reaktion auf verschiedene häufige Allergene in der Haut ausgelöst und die positiven Reaktionen nach 15 Minuten registriert. Häufig wird zu diesem Zweck ein sogenannter Pricktest durchgeführt.

Der Prickhauttest mit Allergenen – schnell und zuverlässig

Eine geringe Menge der flüssigen Allergenlösung wird auf die Haut der Beugeseite des Unterarms getropft und anschließend mit einer Nadel durch diesen Tropfen in die Haut “gepiekt” (Farbabb. 1).

Farbabb. 1: Der Hauttest zum Nachweis von Soforttypallergien
Nachdem von jeder Allergenlösung ein Tropfen auf den Unterarm gebracht worden ist, wird mit einer Nadel oder Speziallanzette durch die Tropfen oberflächlich in die Haut gepiekt. Winzige Mengen der Allergenlösung dringen in die Haut ein und lösen dort nach kurzer Zeit die allergische Reaktion aus.

Die Allergene dringen durch diese winzige Einstichstelle in den Körper ein und reagieren mit den IgE-Antikörpern auf Mastzellen der Haut. Innerhalb weniger Minuten (darum: Soforttyp-Allergie) setzen die Zellen ihre Entzündungsstoffe, vor allem das Histamin, frei und es entsteht nach fünf bis zehn Minuten eine juckende Quaddel (Farbabb. 2). Je nach Reaktion kann diese schwächer oder stärker ausfallen; sie ist allerdings nur flüchtig und spätestens nach zwei Stunden verschwunden.

Farbabb. 2: Positive Reaktion auf einen Gräser- bzw. Roggenpollenextrakt
Bei einer positiven Hauttestreaktion zum Nachweis einer Soforttypallergie beginnt es nach ca. 5-10 Minuten zu jucken und es entsteht eine Quaddel mit gerötetem Hof (wie nach Brennesselkontakt). Spätestens nach 2 Stunden ist die Reaktion wieder vollständig abgeklungen. Nur in seltenen Fällen kann sie nach ca. 6 Stunden an der gleichen Stelle in Form einer Schwellung und Rötung erneut aufflackern.

Andere Hauttests mit Allergenen

Bei den sogenannten Intrakutantests wird das Allergen in stark verdünnter Form mit einer winzigen Nadel unter die Oberhaut gespritzt und die Reaktion ebenfalls nach 15 bis 20 Minuten bewertet. Ein weiterer Test, der Kratz- oder Scratchtest ist geeignet, mitgebrachte Materialien zu testen. Die Haut wird zunächst durch vorsichtiges Kratzen (Sratch) aufgerauht, bevor die verdächtigen und befeuchteten Stoffe (z.B. Tierhaare) auf diese Fläche gelegt werden. Bei ordnungsgemäßer Durchführung und den üblichen Allergenen sind diese Tests ausgesprochen sicher und stellen keine Gefährdung dar. Allerdings ist bei Verwendung frischer Nahrungsmittel oder seltener, exotischer Allergene durchaus Vorsicht geboten, besonders wenn Sie als Betroffener bereits eine heftige allergische Reaktion erlitten haben.

Der Pflastertest zeigt verzögerte Allergien – ein ganz anderes Kapitel

Im Gegensatz zu den besprochenen Hauttestverfahren dient der sogenannte Pflastertest (Patchtest), bei dem zahlreiche Substanzen in kleinen Kammern auf dem Rücken geklebt werden und dort für zwei Tage verbleiben, der Aufklärung einer verzögerten Allergie, die sich als akute oder chronische Entzündung der Haut äußern kann (z.B. Nickelallergie). Die verantwortlichen Allergene sind in der Regel winzige chemische Baustoffe und haben mit den hier besprochenen Allergien der Atemwege durch Eiweißstoffe nichts zu tun. Es gelten daher auch völlig andere Regeln für die Auswertung und Durchführung dieses Testverfahrens. Der Pflastertest wird ausschließlich von Hautärzten durchgeführt, während die anderen Allergietests für Atemwegs- und andere Sofortallergien auch von &uumlrzten anderer Fachrichtungen angeboten werden.

Positive Hauttestreaktion ist nicht gleich krankmachende Allergie

Das Auftreten einer Vielzahl von positiven Reaktionen muß nicht gleichbedeutend mit einer krankmachenden Allergie sein. Erst wenn das Auftreten Ihrer persönlichen Beschwerden und der positive Hauttest einen Zusammenhang ergeben, ist das Allergen konkret benennbar und kommt als Auslöser Ihrer Allergie in Frage.

4.3 Labortests — zusätzliche Hilfsmittel für die Allergiediagnostik

IgE-Bestimmung im Labor – hilfreich bei manchen Allergenen

In bestimmten Fällen wird Sie Ihr behandelnder Arzt um eine Blutentnahme bitten, um die quantitative Menge an allergieauslösenden IgE-Antikörper im Labor bestimmen zu lassen. Sie sind bei Personen mit erhöhtem Allergierisiko nachweisbar und der Beleg, daß das Immunsystem überschießend auf bestimmte Allergene reagiert hat. Ähnlich wie bei den Hauttests heißt das allerdings noch lange nicht, daß Sie bei positivem Ergebnis durch das betreffende Allergen auch krank geworden sind. Nur bei Übereinstimmung zwischen Laborergebnis und Ihren persönlichen Beschwerden ist ein Zusammenhang wahrscheinlich. Dieser IgE-Antikörpertest, seit den 70´er Jahren eine fester Bestandteil im Allergielabor, eignet sich sehr gut für Sie oder Ihre Kinder, falls aus irgendeinem Grund kein Hauttest durchgeführt werden kann (z.B. aus psychologischen Gründen bei Kindern, die noch nicht zur Schule gehen, z.B. bei Hauterkrankungen, die keinen Hauttest zulassen, z.B. bei Einnahme von Medikamenten, die eine Bewertung des Hauttestes verfälschen, z.B. bei Allergenen, die im Hauttest nicht zuverlässig getestet werden können, z.B. bei schwersten Allergiereaktionen, bei denen der Hauttest mit den verdächtigen Auslösern eine Gefährdung für den Patienten darstellen könnte). Aus Kostengründen wird der Test auf allergenspezifisches IgE allerdings gezielt verwendet und kommt besonders für seltene und “schwierige” Allergene zum Einsatz, bei denen der Hauttest nicht so zuverlässig ist.

4.4 Provokationstests — beweisführende Verfahren in der Praxis

Nicht immer bringt ein Haut- oder IgE-Antikörpertest ein Ergebnis, das hundertprozentig mit den persönlichen Beschwerden zusammenpaßt. Hier gilt es zu klären, ob das positive Testergebnis für die eigenen allergischen Symptome in Frage kommt.

Wenn eine Allergie bewiesen werden soll

Zu diesem Zweck werden sogenannte Provokationstests (Allergietests an der Schleimhaut von Augen, Nase oder Bronchien) durchgeführt. Solche Provokationen macht insbesondere der Arzt, der allergologisch geschult ist. Bei positivem Ergebnis kann mit großer Sicherheit davon ausgegangen werden, daß das verwendete Allergen bedeutsam ist, d.h. für die eigenen allergischen Beschwerden in Frage kommt. Zweckmäßigerweise werden die Provokationen in einem Zeitraum durchgeführt, in dem keine Beschwerden bestehen (z.B. nach der Pollenflugsaison). Außerdem sollten Sie als betroffener Patient nicht gerade einen Infekt haben oder Medikamente einnehmen, die das Ergebnis verfälschen könnten.

Allergietest an der Nasenschleimhaut

Bei der Provokation der Nasenschleimhaut wird eine verdünnte Allergenlösung mit Hilfe eines kleinen Zerstäubers in eines der Nasenlöcher gesprüht. Nachdem die Schleimhaut benetzt worden ist, startet die allergische Reaktion, so daß man nach wenigen Minuten zu niesen beginnt, die Nase läuft oder schließlich zuschwillt. In besonders ausgeprägten Fällen können auch Juckreiz in den Augen, am Gaumen oder in den Ohren hinzukommen. Der Grad der Nasenverstopfung kann der Arzt mit einem dafür geeigneten Meßgerät aufzeichnen. Zu diesem Zweck atmet der Patient durch eine Mund- und Nasenmaske; ein Nasenloch wird mit einem olivenförmigen Stöpsel verstopft (Farbabb. 3).

Farbabb. 3: Der Nasentest zur Provokation mit Allergenen
Um sicherzustellen, ob ein verdächtiges Allergen wirklich bedeutsam für die eigenen allergischen Beschwerden ist, kann eine Provokation an der Nasenschleimhaut durchgeführt werden. Dazu wird eine kleine Menge des verdünnten Allergens in flüssiger Form in die Nase gesprüht. Vorher und hinterher wird die Nasenatmung mit einem Gerät aufgezeichnet. Dazu wird eine Maske für Nase und Mund aufgesetzt und ein flexibler oder olivenförmiger Nasenstöpsel in eines der Nasenlöcher gesteckt. Ist die Atmung durch die Nase nach Einwirken des Allergens deutlich vermindert, ist die Provokation positiv und das Allergen vermutlich für die persönlichen allergischen Beschwerden bedeutsam.

War die Provokation negativ, d.h., ist eine Reaktion ausgeblieben, kommt das verwendete Allergen als Krankheitsursache vermutlich nicht in Frage. In diesem Fall wäre ein weiterer Test mit einem anderen Allergen in der Nase möglich. War die Reaktion heftig, erfolgt eine weitere Provokation an einem anderen Tag. Die Provokationen sind zeitaufwendig und kommen daher nur bei bestimmten Allergenen und gezielten Fragen zum Einsatz.

Allergietest am Auge

Ein vergleichbarer Test kann auch direkt an der Bindehaut der Augen durchgeführt werden. Dieses Verfahren ist allerdings aufwendiger, da eine frische und keimfreie Allergenlösung verwendet werden muß, die darüber hinaus in verschiedenen Verdünnungen benötigt wird. Die Provokation mit einem Allergen am Auge wird in mehreren Schritten durchgeführt, der Zeitaufwand ist entsprechend größer. Der Arzt kontrolliert anschließend die gleichen Symptome am Auge, die auch während einer allergischen Reaktion verspürt werden, nämlich Augenjucken und -tränen, Rötung und Schwellung der Bindehaut.

Allergieprovokation an den Bronchien – aufwendig und nur für besondere Fragen

In seltenen Fällen kann die Provokation an der Schleimhaut der Bronchien durchgeführt werden. Auch hier wird das Allergen in verschiedenen Schritten und Verdünnungen eingeatmet und nach entsprechender Wartezeit die Funktion der Atmung mit einem empfindlichen Meßgerät überprüft (Farbabb. 4). Um eine heftige Reaktion, einen akuten Asthmaanfall, zu vermeiden, muß sehr sorgfältig und umsichtig vorgegangen werden. Solch ein Test kann sich über mehrere Stunden hinziehen und bleibt daher eher die Ausnahme (z.B. bei Berufsallergien).

Farbabb.4: Der Lungenfunktionstest bei Erkrankungen der Bronchien
Beim Verdacht eines Bronchialasthmas kann die Atemleistung mit empfindlichen Meßgeräten aufgezeichnet werden. Sind die Werte normal, werden die Bronchien mit einer Substanz gereizt, um eine allgemeine Überempfindlichkeit nachzuweisen. Löst das Einatmen der Substanz eine Verengung der Bronchien aus, reagieren die Bronchien meistens auch auf andere Reize überempfindlich. Diese übersteigerte Reaktion der Atemwege findet man häufig bei Menschen mit Bronchialasthma.

Unspezifische Provokation – einfacher und wichtiger Test beim Verdacht auf Bronchialasthma

Ein wesentlich einfacherer Test ist die Prüfung der allgemeinen Überempfindlichkeit der Bronchien, bei der eine harmlose Reizstubstanz (körpereigene Überträgerstoffe wie z.B. Histamin oder Acetylcholin) eingeatmet wird (Farbabb. 4). Vorher und hinterher läßt der Arzt die Atemfunktion messen, um zu sehen, ob eine überschießende Reizung der Atemwege eingetreten ist, die sich als geringfügige, aber meßbare Schweratmigkeit äußern kann und häufig beim Bronchialasthma gefunden wird.

Der Vorteil der Provokationstestungen ist, daß sie gewissermaßen den Beweis ermöglichen, ob das verdächtige Allergen für die eigenen allergischen Beschwerden in Frage kommt. Allerdings sind sie nicht immer einfach durchzuführen und mit größerem Zeitaufwand verbunden.

 

Abb. [4.4b]: Der Lungenfunktionstest bei Erkrankungen der Bronchien (z.B. Bronchialasthma)
Beim Verdacht eines Bronchialasthmas kann die Atemleistung mit empfindlichen Meßgeräten aufgezeichnet werden. Sind die Werte normal, werden die Bronchien mit einer Substanz gereizt, um eine allgemeine Überempfindlichkeit nachzuweisen. Löst das Einatmen der Substanz eine Verengung der Bronchien aus, reagieren die Bronchien meistens auch auf andere Reize überempfindlich. Diese übersteigerte Reaktion der Atemwege findet man häufig bei Menschen mit Bronchialasthma.

4.5 Alternative Testverfahren

Der Allergiebegriff wird unterschiedlich verwendet

Allergien sind im medizinischen Sinne eine Überempfindlichkeit aufgrund einer unverhältnismäßig gesteigerten Immunreaktion. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird das Wort sehr viel leichtfertiger und auch im übertragenen Sinne verwendet (allergisch reagieren auf eine bestimmte Situation oder gegenüber einer bestimmten Person). Der Arzt und Allergologe muß den Begriff “Allergie” möglichst präzise verwenden, damit keine Mißverständnisse auftreten können. In diesem Sinne ist der Ausdruck “Allergie” den Beschwerden vorbehalten, die auf einer Überreaktion des Immunsystems beruhen.

In den vergangenen Jahren wurden von verschiedenen Herstellern Apparate auf den Markt gebracht, die den Arzt bei der medizinischen Diagnostik unterstützen sollten. Sie laufen unter der Bezeichnung Bioresonanz-Methode; ein anderes Verfahren nennt sich Elektroakupunktur nach Voll (EAV). Die theoretische Grundlage steht in keiner Beziehung zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaften.

Bioresonanz und Elektroakupunktur taugen nicht zur Diagnostik

Letztendlich werden bei beiden Methoden elektrische Phänomene am menschlichen Körper mit Hilfe von Meßinstrumenten erfaßt. Bei einer Überprüfung, inwieweit diese Methoden auch zur Erkennung von Atemwegs- oder Nahrungsmittelallergien dienen können, erwiesen sich beide als untauglich. Auf der einen Seite wurden bereits vorhandene Allergien und Allergene von betroffenen Patienten nicht aufgedeckt, auf der anderen Seite wurden gesunde Personen ohne Allergien als Allergiker mit einer langen Liste auslösender Stoffe ausgewiesen. Aus fachlicher, allergologischer Sicht sind daher beide Verfahren nicht zur Allergie-Diagnostik zu gebrauchen und daher nicht empfehlenswert.

Bei allen ungeprüften Untersuchungsverfahren ist Skepsis angebracht

Andere Theorien oder Werkzeuge zur Diagnostik sind beispielsweise die Kinesiologie, das Pendeln und die Irisdiagnostik. Es gibt bisher keine Untersuchungen, die den Stellenwert dieser Methoden für das Erkennen von Allergien überzeugend darlegen.

Nahrungsmittel-IgG-Bestimmungen oder zytotoxischer Lebensmitteltest sind unbrauchbar

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeit sollen zwei Laborverfahren die Diagnose erleichtern, der zytotoxische Test (auch als ALCAT-Test bezeichnet) und die Bestimmung von IgG-Antikörper auf Nahrungsmittel (unter der Bezeichnung Yorktest, Select 181, Imupro u.a.). Bei einer gewissenhaften Überprüfung wurden vom Allergologen eindeutig diagnostizierte Nahrungsmittelallergien durch den zytotoxischen Test nicht erkannt. Allerdings wurden bei zahlreichen Nicht-Allergikern umfangreiche Listen der angeblichen Allergene, die in Zukunft zu meiden seien, erstellt. Die Bestimmung der IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel ist insofern sinnlos, da die normale Immunreaktion in der Produktion dieser Blutbestandteile besteht. IgG-Antikörper gegen Nahrungsmittel haben also nichts mit einer überschießenden Immunreaktion, einer Unverträglichkeit oder einer Allergie zu tun, sondern sind Ausdruck eines gesunden, intakten Immunsystems.

Keine Tests mit fraglicher Tauglichkeit zur Allergiediagnostik

Die Liste weiterer Testmethoden ließe sich fortsetzen, solange sie jedoch ihre Tauglichkeit zur Erkennung von Allergien nicht demonstriert haben, können sie von ärztlicher und allergologischer Seite nicht empfohlen werden. Zur Allergie-Erkennung sollten keine Testverfahren oder Instrumente eingesetzt werden, deren Tauglichkeit in Frage steht. Werden dennoch Vertrauen oder sogar Geld in eine Außenseiter-Methode investiert, sollten Sie keinesfalls zu große Hoffnungen in den Behandlungserfolg setzen.

 
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