“Alternaria” – Schimmelpilz und sommerliche Allergenschleuder

Bei Allergiebeschwerden im Sommer assoziieren die meisten Betroffenen Pollen und ihre Allergene als Ursache. Allerdings gibt es noch weitere Allergenquellen im Juli und August: Sporen des saisonal vorkommenden Schimmelpilzes Alternaria. Sie wachsen auf verrottenden Pflanzenteilen und fliegen ebenso wie Pollen viele Kilometer weit. Hohe Sporenkonzentrationen können auch nach Gewittern und bei feuchtem Wetter auftreten. Nicht selten sind diese Allergene auch Auslöser asthmatischer Beschwerden mit Atemnot, pfeifenden Atemgeräusche und Husten.

Alternaria-Sporenbelastung 7-2015

Beginnende sommerliche Alternaria-Belastungen im Raum Brandenburg, Berlin, Hessen und Sachsen (Abb. aus http://www.pollenflug-nord.de)

Asthmaepidemien durch Alternaria?
Schon lange ist Alternaria als Allergen bekannt. In England wurden Asthmaepidemien nach Gewitterstürmen beobachtet, die mit hohen Schimmelpilzbelastungen in der Luft assoziiert waren (J Allergy Clin Immunol. 2007 Sep;120(3):610-7). Das schwüle Klima in den USA begünstigt ebenfalls das Wachstum und die Verbreitung von Alternaria-Sporen nicht nur zur warmen Jahreszeit.

In unseren Breiten sind die Pollen die häufigeren Auslöser für sommerliche Beschwerden. Eine Minderheit von ca. 10 Prozent der saisonalen Allergiker reagiert durchaus auch auf Alternaria. Manche Betroffene registrieren die Symptome mit Niesanfällen, laufender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden auch bei feuchtem Wetter. Besonders wechselhaftes Wetter mit heißen Temperaturen und Regengüssen treibt die Sporenkonzentrationen in die Höhe.

Das Majorallergen von Alternaria alternata, Alt a 1, besitzt offenbar eine einzigartige Struktur (Abb. oben: “Schmetterlingsform” des Doppel-Proteins, Abb. unten: “Gummiband-Darstellung” von Alt a 1). Sie ist charakteristisch für Schimmelpilz-Proteine und nur dort zu finden (J Allergy Clin Immunol. 2012 Jul;130(1):241-247). Daneben wurden viele andere Alternaria-Allergene bereits identifiziert und das Genom beschrieben.

Alternaria gehört heutzutage zum Standardtestprogramm bei sommerlichen allergischen Symptomen. Eine wissenschaftliche Studie mit Alternaria-senisibilisierten Kindern (J Allergy Clin Immunol. 2011 Feb;127(2):502-508.e1-6) bestätigt, dass auch diese Allergieform sich erfolgreich mit einer klassischen, spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durch regelmäßige Injektionen eines Alternaria-Allergenextraktes erfolgreich behandeln lässt. Lassen Sie sich von Ihrem Allergologen beraten.

Gegen die Symptome durch Alternativ-Allergene helfen handelsübliche Anti-Allergika: Kortison-Nasensprays, bei leichten Beschwerden nicht-sedierende Antihistaminika, niedrigdosierte lokal wirksame Kortisonpräparate zum Inhalieren bei Atempromblemen (z.B. Husten, Schweratmigkeit, pfeifenden Atemgeräuschen) und bronchialerweiternde Bedarfsmedikamente.

 

Aktuelle Wetterlage begünstigt Gräserpollenbelastung

10 Fakten zur Gräserpollen-Allergie

IMG_0492 Foto (J. Kleine-Tebbe, Mai 2014):
Blühende Süßgräser, Pollenproduzenten und Allergenschleudern im Frühsommer

  1. Gräser blühen in Mitteleuropa von (Mitte) Mai bis August mit Maximum im Juni/Juli, 2014 je nach Region allerdings deutlich früher; eine verlässliche Pollenflug-Vorhersage funktioniert bestenfalls für wenige Tage.
  2. Gräserpollen transportieren eine Reihe von Proteinen (Eiweißstoffe); einige wurden als wichtige Allergene identifiziert (z.B. in Pollen vom Lieschgras Phleum pratense; detaillierte Information unter www.allergome.org)
  3. Bei erhöhter Allergiebereitschaft (Atopie) bildet das Immunsystem gegen diese Fremdproteine Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E, kurz IgE), das anschließend fest auf Mastzellen im Gewebe und in der Schleimhaut haftet
  4. Bei erneutem Allergenkontakt provozieren eine Reihe von Botenstoffen (z.B. Histamin) aus Mastzellen und anderen Immunzellen eine allergische Entzündung und Symptome wie Augenjucken, Niesen, Naselaufen, verstopfte Nase, ggfs. Husten, erschwerte Atmung und Auswurf (Asthmasymptome)
  5. Wegen erheblicher Allergenmengen im Frühsommer sind die Gräserpollen neben den Baumpollen die häufigste Quelle für allergische Beschwerden (im Volksmund “Heuschnupfen”) in der warmen Jahreszeit
    …und nicht etwa die „weißen Flusen“, eigentlich Flugsamen von Bäumen, die zur gleichen Zeit bei klarem Wetter unterwegs sind
  6. Bei Beginn der Pollensaison leiden die Betroffenen häufig mehr als durch später auftretende, höhere Allergenbelastungen  – wahrscheinlich das Ergebnis „natürlicher Toleranzentwicklung“, ein Gewöhnungseffekt des Immunsystems
  7. Die verantwortlichen Hauptallergene (z.B. Majorallergene der Gruppe 1 u. Gruppe 5) zeigen bei allen Süßgräsern eine ähnliche Struktur, sodass das IgE-Repertoire des Gräserpollen-Allergikers sie kaum unterscheiden kann: Es besteht daher ausgeprägte Kreuzallergie zwischen sämtlichen Gräserpollen-Allergenen. Fazit: Wer auf ein Gras eine Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) entwickelt, wird auf sämtliche Gräser reagieren
  8. Die Diagnose beruht auf einer typischen Vorgeschichte (Anamnese) und positiven Ergebnissen in sogenannten Sensibilisierungstests (Prickhauttest oder spezifischer IgE-Test gegen Gräserpollenallergene)
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Gräserpollen-Saison lindern und wahrscheinlich Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann. Unterschiedliche Verfahren haben sich zu diesem Zweck bewährt:
    a)    „Klassische“ Immuntherapie mit regelmäßigen Injektionen während des gesamten Jahres für 3 Jahre
    b)    Kurzzeit-Behandlung mit einigen Injektionen vor der Pollensaison (3 Zyklen empfehlenswert, d. h. 3 Jahre)
    c)    Sublinguale Immuntherapie mit täglicher Anwendung von Tabletten- oder Tropfenpräparaten unter der Zunge (=sublingual), entweder ganzjährig oder 4 Monate und während der Pollensaison für 3 Jahre

Berlin, 22.05.2015

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Alle Jahre wieder – kommen die Pollen nieder!

10 Fakten zur Baumpollen-Allergie

Birkenbluete Berlin 2014

Birke in voller Blüte, Berlin, 4-2014, (Foto: J. Kleine-Tebbe)

  1. Hasel- u. Erlenpollen waren 2015 bereits im Februar u. März unterwegs, sowohl im Osten als auch im Westen (die schönsten Pollenkurven im Netz bei Dr. Wachter: http://www.pollenflug-nord.de).
  2. Birkenpollen – meist im April am Start – waren erst in der 2. Aprilhälfte richtig reif (zunächst im Westen bei milden Temperaturen); warme Tage ab Mitte April bedeuten zunehmende Belastungen!
  3. Ihr wichtigstes Hauptallergen – Majorallergen Bet v 1 (von Betula verrucosa) – ist seit >30 Jahren bekannt (dank dänischer Wissenschaftler: Henrik Ipsen und Henning Løwenstein)
  4. Die Bet v 1-Familie beherbergt viele strukturähnliche Proteine (Allergene)
  5. Darin liegt die Ursache sogenannter Kreuzreaktionen
    a) gegen Hasel-, Erlen-, Hainbuchen-, Buchen- und Eichenpollen mit ähnlichen Major-Allergenen
    b) gegen pflanzliche Nahrungsmittel (=häufigste Form der Nahrungsmittelallergie im Jugendlichen- und Erwachsenenalter) mit Bet v 1-homologen Allergenen, z. B. gegen Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Nektarinen, Kiwi, Feigen, Haselnüsse, Walnüsse, Karotten, Sellerie, Soja u.a.
    TIPP für Betroffene: Nur das meiden, was nicht vertragen wird!
  6. Bet v 1-homologe Allergene sind a) thermo- und b) säurelabil:
    a) daher machen nur die rohen Nahrungsmittel Probleme;
    b) häufig  bleiben die Reaktionen auf die Mundhöhle und den Rachen beschränkt.
  7. Manchmal reagieren Birkenpollen-Allergiker auch heftig: z.B. auf Haselnüsse, Karotten, Sellerie oder Soja (nur auf rohes, ungegartes Protein!)
  8. Inzwischen gilt die Bet v 1-assoziierte Soja-Allergie (bei Birkenpollen-Allergikern) als häufigste Form einer Soja-Allergie in Nord- und Mitteleuropa.
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Baumpollen-Saison lindern und außerdem Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann.

Berlin, 21.04.2015