Birkenexplosion in Berlin? Kein Grund zur Panik im April 2018!

Birkenpollen Berlin 2017Vor-der-Birkensaion_Große-Birken-4-2018Vor-der-Birkenpollensaion-Unreife_Birkenpollenstände_4-2018

(li.: Birke in voller Blüte 4-2017, Mitte: Birken mit  vielen unreifen Pollenständen u. re.: Unreife Pollenstände, Berlin, 07-04-2018, Fotos: J. Kleine-Tebbe)

10 Fakten zur Baumpollen-Allergie

  1. Hasel- u. Erlenpollen waren 2018 bereits vereinzelt im Januar, Februar u. März unterwegs (die schönsten Pollenkurven im Netz bei Dr. Wachter: http://www.pollenflug-nord.de). Augenjucken (!), Niesen, Naselaufen und verstopfte Nase sind typische Allergiesymptome; nicht selten auch trockener Husten und Schweratmigkeit, z. B. bei körperlichen Anstrengungen.
  2. Birkenpollen – wie üblich zwischen Anfang u. Mitte April am Start – werden jetzt durch das warme, fast sommerliche Wetter sehr rasch reif. Weitere milde Tage zum Beginn des Aprils ohne Regen können hohe Belastungen bringen. Allerdings kein Grund zu Panik – im Osten und Norden Deutschlands und in Berlin (07.04.18, siehe Foto re.) sind die Pollen offenbar noch längst nicht so weit wie im Westen und im Süden! Fazit: Auf die Region kommt es an und das örtliche Klima.
  3. Ihr wichtigstes Hauptallergen – Majorallergen Bet v 1 (von Betula verrucosa) – ist seit 30 Jahren bekannt (Dank an die dänischen Wissenschaftler Henrik Ipsen und Henning Løwenstein)
  4. Die Bet v 1-Familie beherbergt viele strukturähnliche Proteine (Allergene), Stressproteine zum Schutz von Pflanzen und ihren Bestandteilen:
  5. Darin liegt die Ursache sogenannter Kreuzreaktionen
    a) gegen Hasel-, Erlen-, Buchen- und Eichenpollen mit (struktur)ähnlichen Major-Allergenen
    b) gegen pflanzliche Nahrungsmittel (=häufigste Form der Nahrungsmittelallergie im Jugendlichen- und Erwachsenenalter) mit Bet v 1-homologen Allergenen, z. B. in Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsichen, Nektarinen, Kiwis, Feigen, Haselnüssen, Walnüsse, Karotten, Sellerie, Soja u.a.
    TIPP für Betroffene: Nur das meiden, was nicht vertragen wird!
  6. Bet v 1-homologe Allergene sind a) thermo- und b) säurelabil:
    a) daher machen nur die rohen Nahrungsmittel Probleme;
    b) häufig  bleiben die Reaktionen auf Mundhöhle und Rachen beschränkt.
  7. Manchmal reagieren Birkenpollen-Allergiker auch heftig: z.B. auf Haselnüsse, Karotten, Sellerie oder Soja (nur auf rohes, ungegartes Protein!)
  8. Inzwischen gilt die Bet v 1-assoziierte Soja-Allergie (bei Birkenpollen-Allergikern) als häufigste Form einer Soja-Allergie in Nord- und Mitteleuropa.
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und moderne, nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. Leider haben sich die gesetzlichen Krankenkassen weitgehend einer Kostenübernahme für Anti-Allergika entzogen (d.h. Pollenallergiker bekommen KEINE Antihistaminika oder Kortison-Nasensprays mehr auf Rezept) – eigentlich ein Skandal und eine Zumutung für Millionen von Betroffenen. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Baumpollen-Saison lindern und außerdem Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann.

Berlin, 07.04.2018 – Weitere Informationen für Medienfachleute über Prof. Dr. J. Kleine-Tebbe, DGAKI-Medien-/Presse-Kontakt

“Alternaria, der Gewitterpilz” – hochsommerliche Allergenschleuder

Bei Allergiebeschwerden im Sommer assoziieren die meisten Betroffenen Pollen und ihre Allergene als Ursache. Allerdings gibt es noch weitere Allergenquellen im Juli und August: Sporen des saisonal vorkommenden Schimmelpilzes Alternaria. Sie wachsen auf verrottenden Pflanzenteilen und fliegen ebenso wie Pollen viele Kilometer weit. Hohe Sporenkonzentrationen können auch nach Gewittern und bei feuchtem Wetter auftreten. Nicht selten sind diese Allergene auch Auslöser asthmatischer Beschwerden mit Atemnot, pfeifenden Atemgeräusche und Husten.

Alternaria-Sporten_2009-16

Alternaria-Belastungen (gemittelt von 2009 – 2016) in verschiedenen Regionen Deutschlands (Abb. aus http://www.pollenflug-nord.de)

Asthmaepidemien durch Alternaria?
Schon lange ist Alternaria als Allergen bekannt. In England wurden Asthmaepidemien nach Gewitterstürmen beobachtet, die mit hohen Schimmelpilzbelastungen in der Luft assoziiert waren (J Allergy Clin Immunol. 2007 Sep;120(3):610-7). Das schwüle Klima in den USA begünstigt ebenfalls das Wachstum und die Verbreitung von Alternaria-Sporen nicht nur zur warmen Jahreszeit. Schimmelpilzsporen in der Außenluft wurden aktuell auch in Montreal mit vermehrten Klinikeinweisungen von asthmatischen Kindern assoziiert (J Allergy Clin Immunol. 2017 Apr;139(4):1140-1147). 

In unseren Breiten sind die Pollen die häufigeren Auslöser für sommerliche Beschwerden. Eine Minderheit von ca. 10 Prozent der saisonalen Allergiker reagiert durchaus auch auf Alternaria. Manche Betroffene registrieren die Symptome mit Niesanfällen, laufender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden auch bei feuchtem Wetter. Besonders wechselhaftes Wetter mit heißen Temperaturen und Regengüssen treibt die Sporenkonzentrationen in die Höhe.

Das Majorallergen von Alternaria alternata, Alt a 1, besitzt offenbar eine einzigartige Struktur (Abb. oben: “Schmetterlingsform” des Doppel-Proteins, Abb. unten: “Gummiband-Darstellung” von Alt a 1). Sie ist charakteristisch für Schimmelpilz-Proteine und nur dort zu finden (J Allergy Clin Immunol. 2012 Jul;130(1):241-247). Daneben wurden viele andere Alternaria-Allergene bereits identifiziert und das Genom beschrieben.

Alternaria gehört heutzutage zum Standardtestprogramm bei sommerlichen allergischen Symptomen. Eine wissenschaftliche Studie mit Alternaria-senisibilisierten Kindern (J Allergy Clin Immunol. 2011 Feb;127(2):502-508.e1-6) bestätigt, dass auch diese Allergieform sich erfolgreich mit einer klassischen, spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durch regelmäßige Injektionen eines Alternaria-Allergenextraktes erfolgreich behandeln lässt. Lassen Sie sich von Ihrem Allergologen beraten.

Gegen die Symptome durch Alternativ-Allergene helfen handelsübliche Anti-Allergika: Kortison-Nasensprays, bei leichten Beschwerden nicht-sedierende Antihistaminika, niedrigdosierte lokal wirksame Kortisonpräparate zum Inhalieren bei Atempromblemen (z.B. Husten, Schweratmigkeit, pfeifenden Atemgeräuschen) und bronchialerweiternde Bedarfsmedikamente. Weitere Informationen über die Allergie-Experten.