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Neu zur Allergiediagnostik bei Atemwegs- und Nahrungsmittelallergie: Innovative Microchip-Analyse spezifischer IgE-Antikörper


 

Neuer Allergietest:

Immuno
Solid-phase
Allergen-
Chip (ISAC)

zur Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper gegen 103 Allergen-Komponenten

 


 

Entwickler der Innovation:

VBC
Genomics
Bioscience
Research GmbH


 

Allergie durch IgE-Antikörper


Allergischer Schnupfen, allergisches Asthma und Nahrungmittelallergien haben eine gemeinsame erbliche Grundlage. Diese Erkrankungen beruhen auf Antikörpern oder Immunglobulinen, abgekürzt Ig. Besonders die E-Klasse dieser Antikörper, kurz IgE, ist für allergische Reaktionen gegen zahlreiche Proteine verantwortlich. Diese kommen in vielen Allergenquellen vor: Pollen, Tierhaare, Milben, Schimmelpilze, aber auch Nahrungsmittel und Naturstoffe.

Neue Methode zur Untersuchung des Allergierisikos:
ImmunoCAP ISAC


Durch intensive Forschung sind die meisten allergieauslösenden Proteine – die verantwortlichen Allergene – identifiziert (www.allergome.com). Ein Teil steht für die Labordiagnostik zur Verfügung und eröffnet neue Möglichkeiten. Seit neuestem werden die Allergene auf kleinstem Raum mit Hilfe sogenannter Microchips zur IgE-Bestimmung eingesetzt: ImmunoCAP ISAC. Eine winzige Menge Blut reicht daher für die Laboruntersuchung von über 100 Allergenkomponenten aus.

Vorteile der Microchip-Untersuchung: Wertvolle Information


Heutzutage unterscheiden wir bestimmte, für einige Allergenquellen einzigartige Komponenten von anderen, in vielen Allergenquellen vorkommenden Proteinen, sog. Kreuzallergenen.
Gewisse Komponenten tragen ein höheres Risiko für bedrohliche Reaktionen, z.B. nach Genuss bestimmter Nahrungsmittel. Andere Komponenten reagieren nur durch ihre Ähnlichkeit. Sie sind Ursache der Kreuzallergie: Damit werden Reaktionen gegen neue Allergenquellen bezeichnet, gegen die der Körper ursprünglich keine Allergie entwickelt hat.
Fazit: Eine breite Diagnostik mit einzelnen Proteinen erfasst das Allergierisiko genauer und komplett. So bekommt die Beratung der betroffenen Allergiker eine solide Basis.

Konsequenzen bei Allergie gegen Allergenkomponenten


Die Beratung anhand der Mikrochip-Resultate ist anspruchsvoll und viel gründlicher als bisher. Dabei werden alle verdächtigen Allergenkomponenten betrachtet. Die Einsicht in Ihr inviduelles Allergenmuster in Verbindung mit Ihren persönlichen Symptomen ist die Basis für diese neuartige allergologische Beratung, die in dieser Form bisher nicht möglich war. Sie geht über die Bewertung von Hauttests oder herkömmlichen Allergietests hinaus und eröffnet ein völlig neues Verständis Ihres persönlichen Allergierisikos.

Für wen ist die neue Diagnostik interessant?


Betroffene mit allergischem Schnupfen und/oder allergischem Asthma

Betroffene mit Atemwegsbeschwerden durch zahlreiche Allergenquellen
(z.B. Pollen, Milben, felltragende Tiere, Schimmelpilze, Naturlatex)

Betroffene, die als Multiallergiker viele Reaktionen im Hauttest zeigen

Betroffene, die auf Nahrungsmittel allergisch reagieren

Betroffene, die andere Naturstoffe, z.B. Natur-Latex, nicht vertragen

Betroffene mit erhöhtem Allergierisiko (Verwandte 1. Grades mit Allergien)

Wie wird die neue Diagnostik durchgeführt?


Für den neuen Test auf Mikrochip-Basis genügt eine kleine Menge Blut (weniger als 1 ml). Die IgE-Antikörper werden in einem professionellen Allergie-Labor getestet. Es wird von der deutschen Tochter der schwedischen Firma Phadia betrieben (früher Pharmacia Diagnostics; www.phadia.com), die seit 30 Jahren Allergietests entwickelt und über die größte Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt:

Phadia GmbH
Laborservice ISAC Test
Munzinger Str. 7
79111 Freiburg

Wie werden ihre Ergebnisse beurteilt?


Die ermittelten Werte der IgE-Antikörper gegen die Allergenkomponenten werden gemeinsam mit Ihrer persönlichen Krankengeschichte (Anamnese) und anderen verfügbaren Testresultaten interpretiert.

So kann die Beratung wichtige Konsequenzen für den zukünftigen Umgang mit Ihrer Allergie aufzeigen, z.B.:

- Zusätzliche diagnostische Schritte zur endgültigen Abklärung,

- gezielte Allergenkarenz, z.B. die Vermeidung gewisser Nahrungsmittel,

- Empfehlung zu einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung)

oder andere konkrete Maßnahmen zur Bewältigung Ihrer allergischen Beschwerden und zum Umgang mit Ihrem Allergierisiko.

Näheres zur Allergiediagnostik (4.), zu den Labortests (4.3) und untauglichen Methoden (4.5) allgemeinverständlich im Info-Archiv und zur Kreuzallergie unter

Aktuelles

im vorletzten Beitrag.


 

Vorsicht bei nicht-evaluierten Tests zur Diagnose einer Nahrungsmittel-Allergie (NMA)


 

Nich

t zu empfehlen:
IgG-Tests auf Nahrungsmittel, zytotoxischer Test (ALCAT Test), Bioresonanz und Elektroakupunktur

 


hat das Thema bereits 2005 behandelt:

 


Das große Geschäft mit dubiosen Allergietests


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In jüngerer Zeit werden verstärkt nicht evaluierte Testmethoden für die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie oder –unverträglichkeit propagiert. Dazu gehören auch Bestimmungen von IgG-Antikörpern gegenüber zahlreichen Nahrungsmitteln (Testbezeichnungen: „Allergoscreen” auf IgG, “IgG-Nahrungs-Antikörpertest-100”, ”Imupro 300”, “Novo Test” (früher “NuTron-Test”) und “Select 181″.

Die Kritik betrifft nicht primär die Methodik der IgG-Bestimmung, sondern die unzulässige Interpretation, da eine IgG-Produktion gegenüber Nahrungsmittelproteinen zur normalen Immunantwort gehört und keinerlei Krankheitswert hat. Andere untaugliche Diagnoseverfahren mit Nahrungsmitteln sind Zytotoxizitätstests (ALCAT), Kinesiologie, Bioresonanz- und andere elektrische Verfahren (z.B. Elektroakupunktur).

Wiederholte Warnung: Vorsicht vor unsinnigen und kostenträchtigen Tests! In jüngerer Zeit werden verstärkt nicht evaluierte Testmethoden für die Diagnostik einer Nahrungsmittelallergie oder –unverträglichkeit propagiert. Dazu gehören auch Bestimmungen v NMA DiagnostikDAe2005.pdf

Artikel im Deutschen Ärzteblatt zu untauglichen bzw. bewährten Methoden bei der Nahrungsmittelallergie-Diagnostik:
Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit: Bewährte statt nicht evaluierter Diagnostik. Jörg Kleine-Tebbe, Ute Lepp, Bodo Niggemann, Thomas Werfel.
DÄ-Ausgabe vom 08.07.2005.

http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=47571

Aktuelle Diskussion und Schlusswort im Deutschen Ärzteblatt:
http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=49464

Der Artikel im Deutschen Ärtzeblatt (http://www.aerzteblatt.de) richtet sich auch an Kollegen ohne allergologischen Hintergrund. Bei fehlendem Wissen um die Tauglichkeit von Testmethoden gelingt es den Anbietern immer wieder, mit obskuren Theorien und ungeeigneten Methoden ärztliche Kollegen in die Vermarktung miteinzubeziehen und ahnungslose Kunden zu gewinnen.

Die Idee zu einer kritischen Übersicht entstand in der Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Thomas Werfel (Hannover) erarbeitet diese AG konstruktive Empfehlungen für die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI), die zusätzlich über die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) verbreitet werden.

Nutzen Sie verlässliche Informationen und Leitlinien der allergologischen Fachgesellschaften zum Thema Nahrungsmittelallergie. Zum Herunterladen der Datei klicken Sie auf die grünen Überschriften oder die benachbarten PDF-Symbole .

NMA Invitro-Diagnostik Leitlinie 2001.pdf Alles zur Labordiagnostik: Methoden, Indikation, Allergene u. Interpretation. Pflichtlektüre für klinische Allergologen.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-008.htm
NMA Diagnostik bei Neurodermitis Leitlinie 2002.pdf Anspruchsvolle Allergieaufklärung: Rolle von Nahrungsmitteln beim atopischen Ekzem. Sorgfältig ausgearbeitete Anleitung für Fortgeschrittene.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-010.htm
NMA Beratung u. Therapie Leitlinie 2002.pdf Allergenvermeidung, Umgang mit Diäten, Einsatz von Medikamenten und Info zur Notfallapotheke.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-011.htm
Allergie-Diagnostik invitro Leitlinie 2002.pdf Labordiagnostik bei Allergie allgemein: Gründliche Darstellung der Methoden und ihrer Anwendung.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-017.htm
NMA Kreuzreaktionen Leitlinie 2005.pdf Hochaktuelle Information und Basis der “Kreuzallergie”: Expertenwissen für Fortgeschrittene.
PINA Info Ungeeignetete Verfahren 2003.pdf Nochmal von anderer Seite (Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie/Asthma) einige kritische Worte zu untauglichen Verfahren bei Allergieverdacht.
http://www.allergie-asthma-online.de
Unproven Tests in Allergy 2004.pdf Klare Worte (in englisch) und Quellen in ALLERGY, dem Journal der Europäischen Akademie für Allergie und klinische Immunologie (EAACI), siehe www.eaaci.net
Vorgehen bei Verdacht auf eine pseudo-allergische Reaktion durch Nahrungsmittelinhaltsstoffe.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-005.htm
Standardisierung von oralen Provokationstests bei IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien.
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/061-003.htm

Zusammenfassung: Eine seriöse und rationale Abklärung von NMA und –unverträglichkeit beruht auf Anamnese, Hauttests, IgE-Bestimmungen und ggfs. spezialisierten Labortests. Positive Testergebnisse sind nur bei korrespondierenden Symptomen klinisch relevant. Bei unklarem Zusammenhang kann eine (kontrollierte) orale Provokation die Diagnose sichern. Dies gilt besonders für die seltenere, nicht-immunologisch vermittelte Nahrungsmittelintoleranz gegenüber kleinen Molekülen, die durch Allergietests nicht diagnostiziert werden kann.

Näheres zur Allergiediagnostik (4.), zu den Labortests (4.3) und untauglichen Methoden (4.5) allgemeinverständlich im Info-Archiv und zur Kreuzallergie unter

Aktuelles

im vorletzten Beitrag.


Neue Hilfen gegen Allergien??

Unklare Tauglichkeit bei Mitteln aus der Werbung

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend

Umfangreich beworbene Rotlichtgeräte zur direkten Bestrahlung der Nasenschleimhaut (Medinose®) haben gemäß einer 1997 publizierten israelischen Studie (Zusammenfassung unter http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=
pubmed&dopt=Abstract&list_uids=9109708
) einen positiven Effekt auf allergische Nasensymptome. Dabei ist zu bedenken: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer; weitere bestätigende kontrollierte Studien sind unbedingt zu fordern, bevor das Gerät zur Behandlung der „allergischen Rhinokonjunktivitis“ (so heißt der „Heuschnupfen“ im Medizinerlatein) von allergologischer Seite empfohlen werden kann.

In der Vergangenheit wurde bereits eine Nasensalbe (Simaroline®), die bestenfalls den Nasenvorhof erreicht, zur Vorbeugung der allergischen Rhinokonjunktivitis vermarktet. Ein Zellulose-haltiger Nasensprühpuder (Nasaleze®) soll ebenfalls (physikalischen) Schutz gegen Pollenallergene bieten; seine Tauglichkeit wurde nur in einer offenen Anwendungsbeobachtung konstatiert. Ein überzeugender Wirksamkeitsnachweis durch kontrollierte Studien steht für beide Mittel aus.

Ein ebenfalls über das Internet vermarkteter Anti-Allergie-Nasenfilter besteht aus 2 verbundenen Metallringen, die mit einem Filternetz versehen in die Nasenlöcher eingesetzt werden und Schutz vor kleinen Partikeln (z.B. Allergene) versprechen. Ein Wirksamkeitsnachweis bei allergischer Rhinitis steht aus.

Fazit:


Da bei Studien zur Behandlung allergischer Symptome der oberen Atemwege Plazebo-Effekte zwischen 25 und 40 Prozent beobachtet werden, ist unbedingt ein Wirksamkeitsnachweis durch überzeugende kontrollierte Studien zu fordern, bevor Strategien zur Behandlung der allergischen Rhinokonjunktivitis von ärztlicher Seite empfohlen werden können. Dies gilt ebenso für homöopathische Mittel, Akupunktur und andere alternative Verfahren, die vielfach ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis in Deutschland beworben und angewandt werden.

 


Erhebliches Medienecho bei Einführung eines neuen Testes

Was bringt ein neuer Allergietest auf allergenspezifische IgE-Antikörper aus dem Blut?

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend

Neue Allergietests mit Atemwegs- und Nahrungsmittelallergenen, die mit kleinen Blutproben auskommen, haben nach Ihrer Einführung im Herbst 2004 ein erhebliches Medienecho ausgelöst.

Testmethoden für allergenspezifisches Immunglobulin E (IgE) im Serum – darum handelt es sich bei den besagten Tests – wurden bereits nach der Entdeckung dieser Antikörper Ende der ´60er Jahre entwickelt. Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller (teil)-automatisierte, hoch entwickelte Labormethoden zur quantitativen Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper an (z.B. IgE gegen diverse Pollen-, Milben, Tier- oder Nahrungsmittelbestandteile, in der Regel Proteine). IgE kann bei Nahrungsmittelallergie, allergischem Schnupfen, allergischem Asthma und dem atopischen Ekzem (=Neurodermitis) erhöht sein und ist ein Hinweis für eine erhöhte Allergiebereitschaft (Näheres zur Diagnostik von Allergien unter Punkt 4., speziell zur Labordiagnostik unter 4.3 im

Info-Archiv

).

Nur wenn die nachgewiesenen Allergene auch für entsprechende Beschwerden verantwortlich sind, spricht der Arzt von einer relevanten Allergie. Das ist je nach Allergen häufig nur in 50% der Betroffenen der Fall, die eine erhöhte Allergiebereitschaft (auch Atopie genannt) zeigen. Insofern ist die richtige Interpretation der Ergebnisse der intellektuell anspruchsvollere Teil des Allergietests und kann am besten von einem allergologisch erfahrenen Arzt geleistet werden.

Während bisher wenige Milliliter einer Blutprobe genügten, um das IgE gegen fragliche Allergen zu bestimmen, genügen für den neuen Screeningtest (FastCheckPOC®) nur wenige Blutstropfen, die auch als Kapillarblut (wie beim Blutzuckertest) gewonnen werden können. Die Ergebnisse sind bei dem neuen Test rascher, d.h. nach ca. 30 Minuten anstatt wie bisher nach einigen Stunden bzw. einem halben Tag, verfügbar. Allerdings ist die Testempfindlichkeit (analytische Sensitivität) nicht so groß wie bei den herkömmlichen, quantitativen Methoden zur allergenspezifischen IgE-Bestimmung (sogenannte ImmunoAssays mit Standardkalibration), deren Ergebnisse zahlenmäßig genau angegeben und durch geeignete Kontrollseren geprüft werden können.

Der sinnvolle Einsatz der Screeningtests auf IgE wird sich in der Zukunft herausstellen:
Denkbar ist die Durchführung auch durch den nicht-spezialisierten Arzt, der bei einem positiven Ergebnis den Patienten zu einem allergologisch erfahrenen Kollegen empfehlen sollte.
Bei einer Direktvermarktung über das Internet könnten auch Betroffene den Test bestellen und einsetzen. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass durch unsachgemäße Durchführung abweichende (z.B. falsch positive oder falsch negative) Ergebnisse resultieren.
Bei positivem Ergebnis (d.h. Hinweis auf vorhandene allergenspefische IgE-Antikörper in der untersuchten Blutprobe) ist eine kompetente Interpretation durch einen allergologisch erfahrenen Arzt wünschenswert. Anderenfalls können positive Ergebnisse die Betroffenen verunsichern und fragwürdige Konsequenzen resultieren. Keinesfalls sind nur aufgrund der positiven Ergebnisse im Screening-Test eine spezifische Immuntherapie mit Allergenen (=Hyposensibilisierung) oder spezifische Diäten zu empfehlen.

Zusammenfassend sind die geringe Blutprobenmenge und die kürzere Durchführung des vorgestellten Screeningtests die einzigen Neuerungen gegenüber den herkömmlichen, quantitativen Bestimmungsmethoden für allergenspezifisches IgE. Der Screeningtest FastCheckPOC® besitzt eine geringere analytische Empfindlichkeit und kann daher eine quantitative IgE-Bestimmung nicht ersetzen (Berlin, 28.11.2004).

 

Die Hyposensibilisierung hilft langfristig bei Allergien (Pollen, Milben, Insektengift u.a.)

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend

Seit 90 Jahren werden Allergien mit der Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, abgekürzt SIT) erfolgreich behandelt: Regelmäßige Injektionen mit den verantwortlichen Allergenen mildern oder beseitigen die allergischen Symptome. Das Immunsystem wird langfristig tolerant gegenüber den Allergenen – auch nach Beendigung der Therapie, die ca. 3 Jahre dauert.


Wirkungsweise der SIT besser bekannt, aber nicht vollständig aufgeklärt

Die Forschungsergebnisse der Immunologie (Lehre vom Immunsystem) haben einige wichtige Erkenntnisse ermöglicht: Die beteiligten Immunzellen und Gewebe vertragen durch Verschiebung wichtiger Botenstoffe wieder größere Mengen der Allergene, ohne dass es zu lästigen Beschwerden oder nachhaltiger Entzündung (wie beim Asthma) kommt. Warum einige Patienten mehr als andere von der SIT profitieren, ist noch nicht bekannt.

Wirksamkeit der SIT mittlerweile gut belegt

Kontrollierte internationale Untersuchungen haben die Wirksamkeit der SIT mit Allergenextrakten gegenüber Scheinpräparaten gezeigt. Bei allergischem Schnupfen und allergischem Asthma profitieren Kinder und Erwachsene von der Behandlung: Die Symptome nehmen ab und der natürliche Verlauf der Erkrankung wird positiv beeinflusst. Bei Kindern kann bei rechtzeitiger SIT die Entstehung von allergischem Asthma aufgehalten werden. Wahrscheinlich lässt sich auch eine Allergiebereitschaft (sog. Sensibilisierung) gegen weitere potentielle Allergene verhindern.

Praller Sommer – pralle Allergenbelastung

Der Blick aus dem Fenster genügte: Das anhaltende schöne Wetter in diesem Sommer hat zahllosen Pollenallergikern erhebliche Beschwerden beschert. Aber auch feuchtes Wetter verursacht durch freigesetzte Schimmelpilzsporen Symptome. Im August und September schaffen dann die Pollen der Wildkräuter (vor allem Beifuß) den Rest. Im Info-Archiv sind detailierte Informationen zu den Allergenen der warmen Jahreszeit zu finden.

Ärztliche Untersuchung und Entscheidung zur SIT

Spätestens wenn die Beschwerden (z.B. durch Pollen) nachgelassen haben, kann der Arzt mit Erfahrung bei Allergien durch sorgfältige Befragung und Haut- oder Bluttests (siehe Info-Archiv Abschnitt 4.1 – 4.4) die verantwortlichen Allergene ermitteln. Im Zweifelsfall helfen Spezialtests (Provokationen mit den Allergenen an der Schleimhaut) oder ein Symptomtagebuch weiter. Sind die verantwortlichen Allergene zweifelsfrei identifiziert, werden die Weichen für die SIT gestellt, die Therapie erörtert und ein Rezept für eine Allergenlösung ausgestellt, deren Zusammensetzung den individuell verantwortlichen Allergenen entspricht. Häufig – besonders bei Pollenallergien – wird im Herbst mit der Behandlung begonnen.

Startschuss für die SIT nach der Pollensaison:
Im Herbst beginnt meist die Steigerungsphase

Nach einigen Wochen treffen die Extrakte (zwischen 2 und 4 Fläschchen mit unterschiedlich stark verdünnter Allergenlösung) in der Apotheke ein und werden kühl (im Kühlschrank, nicht im Eisfach) gelagert, da sonst die Allergene (=Proteine) abgebaut werden. Erneut beim Arzt, wird eine kleine Menge (z.B. 1/10 von einem Mililiter) der 1. Flasche ca. 10 cm oberhalb des Ellenbogens in das Fettgewebe eines Oberarmes injiziert – keine Angst, die kleinen Nadeln verursachen kaum Schmerzen. Anschließend bleibt der Patient 30 Min. in ärztlicher Beobachtung: So können selten, aber rasch auftretende allergische Nebenwirkungen sofort erkannt und behandelt werden. Die injizierte Menge wird anschließend wöchentlich gesteigert (z. B. verdoppelt), sodass sich der Organismus an die Allergene gewöhnen kann.

Tipps zur besseren Verträglichkeit der SIT

Nach den Injektionen verdient der Körper etwas Schonung: Übermäßige Anstrengungen am gleichen Tag oder unnötige Belastungen der Armkraft sind unangebracht. Bei Impfungen werden vorher und hinterher mindestens 1 Woche Pause eingehalten und bei akuten Erkältungsinfekten wird die Injektion verschoben. Sollten dennoch z. B. übermäßige Schwellungen auftreten, sind Kühlelemente an der Injektionsstelle hilfreich.

Selten, aber unberechenbar: Der allergologische Notfall

Die Allergene können nach Injektion in seltenen Fällen die typischen allergischen Beschwerden auslösen oder zu heftiger Reaktion führen. Darum ist unbedingt die Wartezeit von 30 Minuten nach der SIT-Injektion einzuhalten. Der Arzt wird dann rasch wirkende Gegenmittel aus der Notfallapotheke verabreichen und die weitere Behandlung anpassen. Offenbar sind diese unerwünschten Reaktionen auch bei äußerster Sorgfalt nicht immer zu vermeiden, kommen aber nur selten vor.

Erhaltungsphase mit Injektionen alle 4 Wochen

Sowie die empfohlene oder tolerierte Höchstdosis erreicht ist, werden die Injektionsabstände auf 4 Wochen ausgedehnt, um in der sogenannten Erhaltungsphase langfristigen Schutz vor überschießenden Allergiereaktionen aufzubauen. Auch nach Beendigung der Behandlung (i. d. R. nach 3 Jahren) hält der Schutz häufig viele Jahre an.

Wer kommt für die SIT in Frage?

Betroffene mit Symptomen einer Soforttyp-Allergie und Nachweis einer Allergiebereitschaft (Haut- oder Bluttest auf IgE)

Kinder i. d. R. ab dem Schulalter

Jugendliche und Erwachsene

Allergiker mit übersichtlichem Allergenspektrum sind besser geeignet als Multi-Allergiker mit zahllosen Allergien.

Welche Allergene kommen in Frage?

Pollenallergene
- Birkengewächse z. B. Hasel, Erle und Birke
- Gräser
- Wildkräuter z. B. Beifuß

Schimmelpilzsporen (im Hochsommer)
- Alternaria
- Cladosporium

Hausstaubmilbenallergene

Tierallergene nur in Ausnahmefällen (wenn z. B. kein eigenes Tier gehalten wird)

Grundsätzlich kommen nur solche Allergene in Frage, bei denen eine Vermeidung nicht oder nur schwer möglich ist

Welcher Arzt verordnet die SIT mit Allergenen?

Der ausgebildete Allergologe oder Arzt mit Erfahrung in der Allergologie. Die Allergologie ist eine Zusatzausbildung, die ein z. B. Hautarzt, HNO-Arzt, Internist, Kinderarzt oder Lungenarzt erwerben kann. In den neuen Bundesländern gibt es allerdings viele Ärzte ohne diese Zusatzbezeichnung, obwohl sie sich intensiv mit Allergien beschäftigt haben. Das “Etikett” ist also nicht immer ausschlaggebend.

Welcher Arzt kann die SIT weiterführen?

Sofern Ihr Arzt Erfahrung mit dieser Behandlung hat und die Praxis zur Behandlung von (allergischen) Notfällen ausgestattet ist, kann die SIT dort durchgeführt werden.

Wie wird der Erfolg der SIT ermittelt?

Da es bisher keine Tests gibt, die absolut zuverlässig den Erfolg der SIT anzeigen, bleibt nur die sorgfältige Beobachtung der (ausbleibenden) allergischen Beschwerden im Verlauf der Behandlung.

Ist eine lokale Therapie mit Allergenen (Tropfen unter der Zunge) gleichwertig?

Obwohl eine zunehmende Anzahl von Untersuchungen Hinweise für geringere Allergiebeschwerden und/oder geringeren Medikamentenverbrauch zeigen konnten, sind noch einige Fragen zur sogenannten sublingualen Immuntherapie (SLIT) unbeantwortet :

Welches ist die optimale Dosis und Behandlungsdauer? Sind sie identisch für alle Allergene, saisonale bzw. ganzjährige?

Welche Größenordnung der Symptomverbesserung besteht im direkten Vergleich mit der subkutanen SIT?

Wie wird dei Immunantwort durch die SLIT modifiziert? Wie lange? Welcher Verlauf ist nach Behandlung zu erwarten?

Ist die Compliance der täglichen Routineanwendung über 2 Jahre vergleichbar mit der Compliance in kontrollierten Studien?

Die SLIT hätte potenzielle Vorteile im Kindesalter, daher sind weitere Studien notwendig, zumal bisher noch nicht genügend Hinweise für die Wirksamkeit vorliegen.

Übersetzt aus Wilson DR, Torres Lima M, Durham SR. Sublingual immunotherapy for allergic rhinitis (Cochrane Review). In: The Cochrane Library, Issue 2 2003. Oxford: Update Software

Die sublinguale Immuntherapie sollte daher weiter kontrolliert untersucht werden, bevor sie auf breiter Basis zur Behandlung von Allergien der Atemwege eingesetzt werden kann.

 

Kombinierte Therapie bei ausgeprägten Allergiebeschwerden

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend

Leichte oder mittelschwere allergische Beschwerden lassen sich durch eine Reihe bewährter Medikamente mildern:

- lokal wirksame Augentropfen und Nasensprays
z.B. Cromone (2-4 x tgl)
z.B. lokal wirksame Antihistaminika (2 x tgl.)

oder

- moderne Antihistaminika zur oralen Anwendung (1 x tgl.)

oder bei Nasenverstopfung als Hauptsymptom eher

- lokal wirksame, kortisonhaltige Nasensprays (1-2 x tgl.)

Letztere werden regelmäßig, die anderen ggfs. bei Bedarf angewandt. Bei ausgeprägten Symptomen genügt ein einziges Medikament in der Regel nicht. Selbst die häufigere Anwendung (z.B. orale Antihistaminika 2 x tgl.) bringt nicht immer den gewünschten Erfolg. Mögliche unerwünschte Nebenwirkungen (z.B. Müdigkeit bei gewissen Antihistaminika) schränken eine Dosissteigerung nach dem Motto “viel hilft viel” ein.

Kombinationstherapie bei schwerer Allergie

Vorteilhaft ist es, verschiedene Therapien miteinander zu kombinieren. Unterschiedliche Ansatzpunkte sorgen für bessere Wirksamkeit und Verträglichkeit (gestreutes und dadurch verringertes Nebenwirkungspotential).

Dazu werden die gleichen Medikamente, wie oben erläutert, eingesetzt. Bei massiven Beschwerden kommt das komplette Arsenal zum Einsatz:

- lokal wirksame anti-allergische Augentropfen (bis 4 x tgl.)
- orale Antihistaminika (1-2 x tgl.)
- lokal wirksames, kortisonhaltiges Nasenspray (2 x tgl.)

Zugegeben, das ist ein Menge an Medikamenten. Allerdings hat sich diese Kombination bei schwerer Allergie in der Praxis bewährt und schont den Körper vor unerwünschten Medikamentenwirkungen. Ihr Allergologe kann Ihnen sicher weiterhelfen, sofern Sie keine befriedigende Antwort zu den Präparaten im Info-Archiv (Abschnitt 5.2 – 5.5) finden.

Die früher verabreichte Kortison-Depotspritze (z.B. alle 4 Wochen) ist dagegen “bequem”, aber keineswegs harmlos, sodass sie heute nicht mehr empfohlen werden kann.

Bei mittleren und schweren Allergiesymptomen sollten unbedingt weitere Optionen genutzt werden:

Hyposensibilisierung für langfristige Beschwerdefreiheit

Die spezifische Immuntherapie mit Allergenen (Hyposensibilisierung) hat sich zur kausalen Behandlung allergischer Beschwerden sehr gut bewährt (siehe Info-Archiv Abschnitt 5.6). Besonders bei klar definiertem Beschwerdezeitraum und Allergenspektrum kann langfristig Toleranz gegen die verantwortlichen Allergene erzielt werden.

Für schwere Allergiefälle mit Asthma gibt es neben den Medikamenten (siehe Info-Archiv, Abschnitt 5.5) neue Ansätze:

Anti-IgE bei schwerem allergischen Asthma

In den USA und in Australien ist eine innovative Behandlung (Anti-IgE, wissenschaftliche Bezeichnung: rekombinanter humanisierter monoklonaler Antikörper E25, Abkürzung: rhuMab-E25, Freiname: Omalizumab, Handelsname: Xolair) zugelassen: Die allergieauslösenden IgE-Antikörper werden durch regelmäßige Injektionen des Anti-IgE gebunden und auf diese Weise “unschädlich” gemacht. Die Wirksamkeit erstreckt sich auf alle Allergene, bleibt allerdings nur ca. 4 Wochen bestehen. Bisher ist der Einsatz dieser kostspieligen Behandlung ausgeprägten Formen allergischen Asthmas mit breitem Allergenspektrum vorbehalten. Auch in Deutschland kann zukünftig aufgrund der überzeugenden Wirksamkeit für ausgewählte Fälle das Präparat über die Auslandsapotheke bezogen werden. In Europa wird das Präparat sicher auch demnächst zur Verfügung stehen.

 

Fazit:

Schwere allergische Beschwerden erfordern eine kombinierte Strategie. Der allergologisch versierte Arzt wird zu diesem Zweck Vermeidungsoptionen berücksichtigen, diverse Medikamente geschickt kombinieren und eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) anstreben. Für ausgewählte Fälle mit extrem breiten Allergenspektrum und schwerem allergischen Asthma wird zukünftig zusätzlich das Anti-IgE-Präparat Xolair zur Verfügung stehen.

 

Verwirrung durch allergische Kreuzreaktionen

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend, Berlin

Was versteht man unter einer “allergischen Kreuzreaktion”?


Wenn der Körper z. B. eine Allergie gegen Pollenallergene enwickelt und anschließend auf diejenigen Nahrungsmittel reagiert, die ähnliche Proteine wie die Pollen enthalten.
Beispiele “kreuzreaktiver” Allergene

 

Hilfreiche Einteilung der Nahrungsmittelallergene (NA)


Durch die moderne Allergieforschung wächst unser Wissen von den Beziehungen zwischen verwandten Allergenen aufgrund ähnlicher Struktur.

 

Bei den Nahrungsmittelallergenen (NA) werden die „klassischen“ (Klasse-1) von den „pollenassoziierten“ (Klasse-2) NA unterschieden.

 

“Klassische”, stabile NA eher im Säuglingsalter


Eine Unverträglichkeit gegenüber den hitze- und säurestabilen Klasse-1-NA, z.B. Hühnerei, Kuhmilch und Fisch, entsteht durch eine Sensibilisierung (Beginn einer überschießenden Immunreaktion) im Magen-Darmtrakt. Sie findet sich vorwiegend im Säuglings- und Kleinkindalter.

 

Pollenassoziierte NA häufiger bei Jugendlichen und Erwachsenen


Im Erwachsenenalter dominieren allergische Reaktionen gegenüber den Klasse-2-NA, die auf einer primären Sensibilisierung auf Pollenallergene ähnlicher Struktur beruhen. Da viele dieser Proteine labil sind (z.B. bei Birken-Kern- und Steinobstallergie), bleiben die allergischen Symptome häufig lokal auf die Mundhöhle beschränkt (sogenanntes orales Allergiesyndrom, kurz OAS). Stabile Pflanzenallergene (z.B. im Sellerie) können allerdings auch systemische Reaktionen (allergische Symptome anderer Organe) provozieren.

 

Ähnliche Proteine in der Pflanzenwelt


Obwohl kreuzreaktive Antigene ähnliche Pflanzenproteine darstellen, kommen sie nicht nur in eng, sondern auch entfernt verwandten botanischen Familien vor:
a) bei Pollenpflanzen einer Familie (z.B. Hasel, Erle, Birke als Birkengewächse), b) bei Klasse-2-NA einer Familie (z.B. Apfel, Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich als Rosengewächse),
c) bei Pollenpflanzen diverser Familien (z.B. Birken-, Gräser- & Kräutergewächse),
d) bei Pollenpflanzen und Klasse-2-NA diverser Familien (Birke-Beifuß-Sellerie-Gewürz-Syndrom),
e) bei Latexsensibilisierung auf entfernt verwandte Pflanzenprodukte (Avokado, Banane, Eßkastanie, Feige, Kiwi, Papaya).

Bezeichnung der Allergene


Zahlreiche Einzelallergene sind mittlerweile identifiziert und mit WHO-Bezeichnungen versehen worden (z.B. Bet v 1 = Haupt- oder Majorallergen der Warzenbirke Betula verrucosa, Mal d 1 = Allergen des Apfels Malus domesticus, Hev b 6.02 = Hevein, ein wichtiges Allergen der Latexpflanze Hevea brasiliensis).

Stressproteine – die Abwehrwaffen der Pflanzen

Viele der pollenassoziierten Klasse-2-NA dienen höheren Pflanzen als stressinduzierte Proteine (= Pathogenese-assoziiert = pathogenesis-related = PR) der botanischen Abwehr von Infektionen und anderen Belastungen. Anhand ihrer Sequenz, der enzymatischen und biologischen Aktivität werden sie diversen PR-Familien zugeordnet (Englischsprachige wissenschaftliche Übersicht bei H Breiteneder, C Ebner; J Allergy Clin Immunol 2000; 106:27-36):

PR-2 Proteine (Glukanasen) kommen in Banane, Kartoffel, Tomate und Latex (Hev b 2) vor;

zur PR-3-Familie (Chitinasen) gehören das Latexallergen Hevein (Hev b 6.02) und Proteine in Avokado, Banane und Eßkastanie;

PR-4 Proteine (Chitinasen) sind z. B. Prohevein (Hev b 6.01) mit ähnlichem Molekül in der Kartoffel;

PR-5 Proteine (Thaumatin-ähnlich) kommen in Apfel, Paprika und Tomate vor;

die PR-10-Familie vereinigt die allergologisch wichtige Gruppe der Bet v 1-homologen Proteine (Proteine mit Verwandschaft zum Birkenpollen-Hauptallergen Bet v 1), die durch ihre ähnliche Struktur für die Kreuzreaktionen auf zahlreiche Obst- (Apfel, Aprikose, Birne, Kirsche, Pfirsich) und Gemüsesorten (Karotte, Sellerie) verantwortlich sind;

die PR-14-Familie (Lipidtransfer-Proteine) besitzt hitzestabile Vertreter in Apfel, Pfirsich, Soja und vielen anderen Pflanzen, aber kaum in den Pollen, und ist offenbar in Südeuropa besonders relevant.

Die dargestellte Klassifizierung erlaubt eine bessere Zuordnung der verwandten Proteine und Allergene, deren Liste beständig länger wird. Selbst Soja gilt mittlerweile nicht nur als ein Klasse-1-NA, sondern ist durch einen Proteinvertreter der PR-10-Familie (SAM22) kreuzreaktiv zum Birkenpollenallergen Bet v 1 (aktuelle englischsprachige Veröffentlichung).

 

Noch kein Einsatz von Einzelallergenen in der Praxis


Eine Allergie-Diagnostik mit rekombinanten, gentechnisch hergestellten Einzelallergenen (siehe WHO-Bezeichnungen) besitzt zur Zeit noch keine Vorteile gegenüber der Verwendung von Gesamtallergenextrakten. Auch wenn typische Vertreter der PR-Familien verwendet würden, wäre eine sichere Voraussage zur Verträglichkeit oder Reaktionswahrscheinlichkeit potentieller NA derzeit nicht möglich.

 

Verwirrung durch positive Tests, die nichts bedeuten müssen

Testungen auf NA sind bei Pollenallergikern wegen der dargestellten Allergenverwandtschaften häufig positiv, ohne das die Resultate klinisch bedeutsam sind, und können die Betroffenen und unerfahrene Ärzte verunsichern. Am besten keine ungezielten Tests bei fehlenden Beschwerden.

 

Welche Testungen empfohlen werden


Die diagnostische Reihenfolge sollte auch bei den kreureaktiven Klasse-2-NA eingehalten werden (Anamnese, Hauttest, Labor-Diagnostik). Bei (instabilen) Klasse-2-NA hat sich die Verwendung frischer Extrakte
(z.B. im sog. Prick-zu-Prick) bewährt. Voraussetzungen und Bedingungen für eine (vorgezogene) IgE-Bestimmung sind (Kleine-Tebbe et al, Allergo J 2001; 10:333-9):

- Begründeter Verdacht einer Nahrungsmittelallergie, die mit anderen Mitteln (z.B. Hauttest) nicht zu belegen ist

- Gezielter Ausschluß einer Nahrungsmittelallergie

- Verdacht der Sensibilisierung auf Hauttest-ungeeignete Nahrungsmittel

- Bedrohliche Reaktionen auf Nahrungsmittelallergene
(Schockfragmente oder Schockreaktionen in der Anamnese)

- Bedingungen, die eine Hauttestung bzw. seine Auswertung nicht zulassen
(z.B. Urtikaria factitia, generalisierte Hauterkrankung, Gabe von Medikamenten, die das Hauttestergebnis beeinträchtigen, Säuglinge und Kleinkinder)

 

Meidung der Allergene nur bei Beschwerden


Kenntnis der häufigsten kreuzreaktiven Allergene erleichtert die Zuordnung von allergischen Reaktionen durch NA. Empfehlungen zur Allergenkarenz sind sorgfältig zu prüfen, denn nachgewiesene Sensibilisierungen (auf NA) sind nur bei zugehörigen Symptomen klinisch bedeutsam, d. h. wichtig für den Betroffenen.

Der Beitrag beruht auf einem Vortrag beim Göttinger Allergie-Symposium am 25.01.03. Auszüge der zugehörigen PowerPoint-Präsentation finden sich unter Downloads

 


Asthma und Sport: Vom Patienten zum Leistungssportler

Jörg Kleine-Tebbe, Allergie- & Asthma-Zentrum Westend, Berlin

Das Thema Asthma und Sport zählt zu den medienwirksamen Dauerbrennern – das öffentliche Interesse entzündet sich immer wieder an kontroversen Fragen: Sport und Medallien trotz Asthma? Asthma ausgelöst durch Leistungssport? Doping mit Asthmamedikamenten? Vorteile durch Asthmamittel auch ohne Asthma?

 

Unterschiedliche Asthmaformen


Medizinisch wird das allerigsche vom nicht-allergischen (Intrinsic) Asthma unterschieden. Letzteres verschlechtert sich häufig bei (viralen) Infekten oder durch unspezifische Reize. Während bei Kindern das allergische Asthma dominiert, haben die meisten Erwachsenen ein gemischtförmiges Asthma (allergisch und intrinsisch). Der wechselhafte und langwierige Verlauf beruht auf einer chronischen Entzündung der Atemwege. Nur eine dauerhafte Behandlung kann die Asthma-typische allgemeine Überempfindlichkeit der Bronchien (unspezifische bronchiale Hyperreaktivität) mindern.

Anstrengung als Auslöser


Das Anstrengungs-induzierte Asthma (Exercise Induced Asthma = EIA) bezeichnet eine Asthma-Variante, bei der körperliche Belastungen nach 6 – 8 Minuten die Atemwegsbeschwerden auslösen; den meisten Asthmatikern nicht unbekannt. Häufig erst nach der Anstrengung beginnend, klingen die Symptome nach 30 bis 60 Minuten wieder ab. Bei gesunden Leistungssportlern können bei Extrembelastungen ebenfalls eine Verengung der Bronchien und Asthma-ähnliche Symptome auftreten (Exercise incuced Bronchoconstriction = EIB).

Warum Asthma durch Anstrengung?

Die Mehratmung (Hyperventilation) trocknet die Schleimhaut der Bronchien aus. Die aus den tieferen Gewebeschichten nachströmende Flüssigkeit reizt wahrscheinlich Entzündungs- und Schleimhautzellen Botenstoffe auszuschütten, die Asthmabeschwerden verursachen (Husten, Schleimproduktion, Engegefühl). Zusätzliche kann bei Mundatmung und kalten Temperaturen die ungenügende Erwärmung der Atemluft die Reizung der Bronchien verstärken.

Auswirkungen des Anstrengungsasthma

EIA und EIB sind häufig für die eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, besonders bei Kindern, Heranwachsenden und jungen Erwachsenen, veranwortlich. Bei chronischem Asthma haben 90% auch ein EIA. In der Bevölkerung sind wahrscheinlich 5 bis 10 % betroffen. Bei Spitzensportlern kann je nach Sportart bei 10 bis 50% das Phänomen EIB auftreten. Eine gründliche ärztliche Befragung und Untersuchung kann helfen, selbst leichte Formen von EIA/EIB zu identifizieren, die sich indirekt als Leistungsschwäche oder gemessen am Training als unzureichende körperliche Leistungsfähigkeit äußern können. Lungenfunktionstests sind hilfreich, um den Schweregrad und Ausgangswerte für die zukünftige Behandlung zu ermitteln.

Strategien und Vorbeugung bei EIA und EIB

Sportarten mit extremer Mehratmung (Langstreckenlauf, Fahrradfahren, Fußball) oder zusätzlichen Kältereizen (Skilanglauf, Eisschnelllauf) tragen ein größeres Risiko für EIA und EIB. Spezielle Aufwärmphasen mit kurzen Hochbelastungen in Intervallen und eine gleichmäßige, ausgedehnte Abkühlphase können Beschwerden verhindern. Aufwärmen der Atemluft (Mundschutz, Schal) wird ebenfalls empfohlen.

Hilfreiche Medikamente

Verschiedene bewährte Medikamente und Kombinationen stellen einen effektiven Schutz vor Symptomen des EIA dar und helfen den Betroffenen, auf körperliches Training und sportliche Aktivitäten nicht verzichten zu müssen. Allerdings sind bronchialerweiternd wirksame Medikamente – entgegen den hartnäckig kursierenden Gerüchten – nicht in der Lage, die körperliche Leistungsfähigkeit von gesunden Probanden wirklich zu steigern.

Bronchialerweiternde Mittel (Beta2-Symphatikomimetika), ca. 15 Minuten vor der Belastungen inhaliert, haben sich bei EIA und EIB sehr bewährt. Cromone und Leukotrien-Antagonisten können ebenfalls erfolgreich und gezielt bei EIA und EIB eingesetzt werden. Eine kontinuierliche Behandlung mit antienzündlichen Kortisonpräparaten zur Inhalation senkt wirksam die Asthma-Symptome durch Anstrengungen. Bei Wettkämpfen sind nur einige inhalierbare Beta2-Symphatomimetika wie Formoterol, Salbutamol (< 100 ng/ml Urin), Salmeterol oder Terbutalin unter Vorlage von ärztlichen Untersuchungsbefunden erlaubt; die Einnahme der Substanzen in Tablettenform (wegen anaboler Begleitwirkungen) allerdings untersagt (Liste der verbotenen Substanzen und Methoden: www.wada-ama.org; deutsche Übesetzung: www.bisp.de/Aktuelles/index.htm).

Sport bei Asthmas? Unbedingt!

Sport und körperliches Training gelten als wichtige Komponenten eines modernen Patienten-Managements bei Asthma bronchiale: Empfehlungen in einem Fachartikel der Deutschen Atemwegsliga stellen detailiert dar, wie Asthmatiker an körperliche und sportliche Belastungen herangeführt werden können. (Worth H et al, Pneumologie 2000, 54:61-67) (www). Die früher übliche „Sportbefreiung“ von heranwachsenden Asthmatikern ist heute überholt. Die günstigen Effekte von kontrollierter körperlicher Belastung für die Lebensqualität und den Umgang mit der Krankheit Asthma sind unbestritten.
Die asthmatischen Symptome bei Spitzensportlern unter Extrembelastungen, auch ohne die manifeste Erkrankung Asthma, lassen sich mit ärztlicher Unterstützung gut kontrollieren und gestatten damit Höchstleistungen in der Wettkampfsituation.

Allgemeine Literatur

Lecheler J, Biberger A, Pfannebecker B. Asthma und Sport. 2. Auflage, INA-Verlag, Berchtesgarden 2001.
Allgemeinverständlicher, informativer Ratgeber, der anschaulich alle wichtigen Aspekte besonders bei Kindern mit Asthma aufgreift.

Worth H, Meyer A, Folgering H, Kirsten d, Lecheler J, Magnussen H, Pleyer K, Schmidt S, Schmitz M, Taube K, Wettengel R. Empfehlungen der Deutschen Atemwegsliga zum Sport und körperlichen Training bei Patienten mit obstruktiven Atemwegserkrankungen. Pneumologie 2000;54:61-67.
Umfangreiche Expertenempfehlung für Ärzte mit vielen wertvollen Tipps.

Spezielle Literatur

Anderson SD, Holzer K. Exercise-induced asthma: is it the right diagnosis in elite athlets? J Allergy Clin Immunol 2000;106(3):419-28.

Anderson SD, Argyros GJ, Magnussen H, Holzer K. Provocation by eucapnic voluntary hyperpnoea to identify exercise induced bronchoconstriction. Br J Sports Med 2001;35(5):344-7.

Helenius I, Rytila P, Sarna S, Lumme A, Helenius M, Remes V, Haahtela T. Effect of continuing or finishing high-level sports on airway inflammation, bronchial hyperresponsiveness, and asthma: a 5-year prospective follow-up study of 42 highly trained swimmers. J Allergy Clin Immunol 2002;109(6):962-8.

Rundell KW, Jenkinson DM. Exercise-induced bronchospasm in the elite athlete. Sports Med 2002;32(9):583-600.

Stewart IB, Labreche JM, McKenzie DC. Acute formoterol administration has no ergogenic effect in nonasthmatic athletes. Med Sci Sports Exerc 2002;34(2):213-7

 

Der Beitrag beruht auf einem Vortrag zum 1. Internationalen Ausdauer- und Sportmedizin-Kongress vom 26. bis 28.09.02 in Berlin. Die zugehörige PowerPoint-Präsentation findet sich unter Downloads.