Kapitel 5

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Pollen, Milben und Co. – Was tun bei Allergien?
Ratschläge für Patienten und Betroffene

5. Behandlung von allergischen Atemwegserkrankungen


5.1 Allergenkarenz – die optimale Therapie bei Allergien
5.2 Lokalbehandlung für Augen und Nase
5.3 Histaminblocker bei saisonalen allergischen Beschwerden
5.4 Wissenswertes über Kortison
5.5 Die moderne Kombinationstherapie zur Behandlung des Bronchialasthmas
5.6 Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen
5.7 Alternative Therapieverfahren und damit zusammenhängende Fragen


5 Behandlung von allergischen Atemwegserkrankungen

Für die erfolgreiche Behandlung von allergischen Erkrankungen kommen verschiedene Möglichkeiten in Betracht. Da es sich bei der Entstehung und dem Ablauf von Allergien um ein komplexes Geschehen handelt, gibt es unterschiedliche Angriffspunkte, die von der jeweiligen Behandlungsmethode angesteuert und beeinflußt werden.

Behandlungsansätze bei Allergien

Abb. 7 zeigt eine Übersicht zur Entstehung allergischer Beschwerden bzw. die Möglichkeiten und Angriffspunkte zu ihrer erfolgreichen Behandlung. In den folgenden Abschnitten werden die einzelnen Verfahren und Medikamente abgehandelt. Häufig ist es nur durch Kombinieren möglich, eine wirksame und weitgehend nebenwirkungsfreie Behandlung von Allergien zu gewährleisten.

Abb. 7: Angriffspunkte für die Behandlung von Allergien
In dem Schema sind der Prozeß der Allergenaufnahme durch Freßzellen, die Aktivierung von T-Zellen, die IgE-Antikörperbildung durch B-Zellen, die Sensibilisierung der Mastzellen, die allergische Reaktion und die Entstehung der allergischen Entzündung von unten nach oben dargestellt (linke Bildhälfte).
Die Pfeile symbolisieren die Angriffspunkte für verschiedene Behandlungsmöglichkeiten und Medikamente bei allergischen Erkrankungen (rechte Bildhälfte).
Absolute Allergenkarenz (Meiden des Allergenkontaktes, durchgezogener Pfeil) kann theoretisch den Sensibilisierungsprozeß und damit eine Allergie verhindern. Da allerdings kleinste Mengen der atopischen Allergene (Pollen-, Tier- und Hausstaubmilbenallergene) genügen, um diesen Prozeß einzuleiten, reicht machmal schon sporadischer Kontakt aus (z.B. Pferdeallergie durch Zirkusbesuch) und die Allergenkarenz ist durchbrochen. Konsequente Allergenkarenz kann auf der anderen Seite allergische Beschwerden nach stattgefundener Sensibilisierung verhindern, indem ein erneuter Allergenkontakt ausbleibt (unterbrochener Pfeil).
Die Immuntherapie mit Allergenen (= Hyposensibilisierung) greift vielfältig in das Immungeschehen ein; der exakte Wirkungsmechanismus ist noch unklar. Bei erfolgreicher Behandlung werden die Allergene anschließend besser vertragen.
Verschiedene Medikamente hemmen möglicherweise die Aktivierung der Mastzellen, so daß weniger Mediatoren freigesetzt werden. Dazu gehören die Cromoglicinsäure (DNCG) und das Nedocromil, die bei lokaler Anwendung ausgezeichnet vertragen werden.
Andere Medikamente verhindern die Wirkung des Mediators Histamin, der im Verlauf der allergischen Reaktion freigesetzt wird. Diese sog. Antihistaminika blockieren die zahlreichen Rezeptoren (Bindungsstellen) für den Botenstoff Histamin und verhindern dadurch die Folgen der allergischen Reaktion.
Präparate mit Kortison verhindern wirksam die allergische Entzündung, die durch fortgesetzte allergische Reaktionen und eine zunehmende Chronifizierung des gesamten Ablaufs gekennzeichnet ist. Bei Allergien der Schleimhäute (Nasen, Bronchien) werden sie häufig lokal als Spray oder Pulver eingesetzt und verursachen dadurch bei sachgerechter Anwendung kaum unerwünschte Begleitreaktionen im Körper. Durch ihre gute Wirksamkeit und die ausgezeichnete Verträglichkeit ist die lokale Schleimhautbehandlung mit Kortison heute weit verbreitet.

5.1 Allergenvermeidung – die optimale Therapie bei Allergien

Da die allergische Reaktion nur nach Kontakt mit dem verantwortlichen Allergen auftreten kann, ist die Vermeidung dieser Auslöser (Allergenkarenz), sofern möglich, sicherlich die ideale Therapie. Bei hundertprozentig erfolgreicher Allergenkarenz können Sie beschwerdefrei leben, ohne andere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht ziehen zu müssen.

Möglichkeiten zur Allergenkarenz

Abhängig von ihrem Vorkommen und ihrer Verbreitung funktioniert die Allergenkarenz allerdings bei einigen Allergenen besser als bei anderen. So wird es wahrscheinlich niemandem gelingen, sich völlig einer Belastung durch Pollenallergene zu entziehen. Durch geeignete Maßnahmen können jedoch übermäßige Beschwerden vermieden und vorbeugende Medikamente gezielter eingesetzt werden.

Wie kann man Pollenbelastung niedrig halten?

Pollenfluginformationen und -vorhersagen erhalten Sie nicht nur durch die Tagespresse und die Radionachrichten, sondern auch durch einen Service der Telekom (Telefonnummern im Anhang). Ihre Zuverlässigkeit ist nicht ganz so überzeugend wie die Wettervorhersage, da neben dem Wetter noch andere Faktoren bei der Pollenfreisetzung berücksichtigt werden müssen. Dennoch können diese Angaben Ihnen dazu dienen, Ihre Freizeit und geplanten Aktivitäten danach auszurichten und Medikamente gezielt anzuwenden. So können Sie bei einer Woche Dauerregen auf bestimmte, kurz wirksame Medikamente verzichten, da in dieser Zeit nur mit äußerst geringer Pollenbelastung zu rechnen wäre.

Weniger Pollen im Haus

Sorgen Sie für eine pollenarme Umgebung in Ihrem Haus und am Arbeitsplatz:

- Legen Sie Ihre draußen getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer ab.

- Spülen Sie, wenn Sie viel Zeit im Freien verbracht haben, Ihre Haare vor dem Zubettgehen aus.

- Schlafen Sie möglichst bei geschlossenem Fenster.

- Lüften Sie nur kurz und möglichst am späten Vormittag bei geringer Pollenbelastung.

- Überlegen Sie, ob Sie Ihren Urlaub in der pollenarmen Zeit an einem Ort mit geringerer Allergenbelastung verbringen können.

Allergenkarenz bei Tierallergie

Bei einer Allergie gegen Tiere ist die mit Abstand beste Lösung, sich von dem Tier zu trennen, falls es bisher zu Hause gehalten wurde. Mit einer gewissen Verzögerung, die unter Umständen durch einen gründlichen Hausputz verkürzt werden kann, verschwinden die Allergene aus dem Wohnbereich. Ist das Auftreten einer Allergie wahrscheinlich, sollten Sie sich erst gar keine Tiere anschaffen, um dem schmerzlichen Trennungsprozeß bei eingetretener Allergie vorzubeugen. Alle anderen Lösungen, die Tierhaltung im Garten, Tierverbot im Schlafbereich oder regelmäßiges feuchtes Abreiben des Felles oder Waschen der Tiere, sind Notlösungen, die nur eine mäßige Allergenverringerung versprechen.

Beschwerden durch indirekten Tierkontakt?

Sollten Sie kein eigenes Tier (mehr) besitzen, achten Sie darauf, ob Beschwerden häufig auch indirekt durch Kontakt mit Personen, die zu Hause ein Tier halten, verursacht werden. Ist dies der Fall, sollten Sie darüber sprechen und gemeinsam Möglichkeiten zur Vermeidung der Tierallergenbelastung finden (z.B. Wechseln der Kleidung des Tierhalters, bevor Sie sich treffen).

Maßnahmen zur Hausstaubprophylaxe

Bei einer Allergie gegen Hausstaubmilben gibt es heute wirksame Möglichkeiten, den Allergenkontakt gering zu halten. Spezialbezüge für Ihre Bettwäsche (Matratze, Kopfkissen, Bettdecke) verhindern wirksam den Kontakt mit den Milbenallergenen während der Nachtruhe. Selbst wenn Ihre Krankenkasse diese Anschaffung nicht komplett übernimmt, lohnt sich diese Investition, wenn Sie eindeutig und stark auf die Milbe reagieren.

Milbenbeseitigung mit Pulver oder Schaum?

Die Wirksamkeit von milbenabtötenden Mitteln (Akarazide), die als Teppichschaum oder Trockenpulver zur Reinigung der Matratzen, Teppiche und Polstermöbel angeboten werden, ist nur unzureichend belegt. Sie können daher nicht vorbehaltlos empfohlen werden. Maßnahmen, wie z.B. glatter Fußbodenbelag und möglichst wenig Staubfänger im Schlafbereich kommen zur Reduzierung der Milbenallergene in Frage. Sollten Sie gegen ein anderes, in der Wohnung vorkommendes, seltenes Allergen reagieren, ist Allergenkarenz durch Beseitigung oder Sanierung der auslösenden Ursache immer die beste Behandlung (z.B. Beseitigung von Schädlings- oder Schimmelpilzbefall in der Wohnung).

5.2 Lokalbehandlung für Augen und Nase bei Allergien

Bislang gibt es keine Medikamente, die eine allergische Erkrankung komplett und für den Rest des Lebens heilen können.

Keine Wundermittel zur kompletten Heilung

Daher sind sämtliche Medikamente, die zur Behandlung von Allergien angeboten werden, nur für die Vorbeugung oder Linderung geeignet. Das bedeutet, daß diese Art von Medikamenten natürlich solange angewandt werden muß, wie die allergischen Beschwerden bestehen. Medikamente mit einer möglichst guten Wirkung bei vergleichsweise geringer Nebenwirkung sind zu bevorzugen. Diese Forderung erfüllen die Medikamente zur Lokalbehandlung von Allergien besonders gut. Je nachdem, welche Beschwerden Sie haben, können Sie für Augen und Nase getrennt oder kombiniert angewandt werden. Dabei werden drei Wirkstoffgruppen zur Lokalbehandlung unterschieden:

1. Die Cromoglycinsäure (häufig DNCG abgekürzt) und das Nedocromil haben eine vorbeugende Wirkung auf die Freisetzung von Allergiestoffen aus den Mastzellen in der Schleimhaut.

Schutz durch vorbeugende Anwendung

Das DNCG sollte allerdings, um die volle Wirksamkeit zu erreichen, schon einige Tage vor dem Einsetzen der Allergiebeschwerden angewandt werden. Außerdem muß es sehr häufig – bis zu viermal pro Tag – verwendet werden, da die Wirkung an der Schleimhaut nicht lange anhält. Demgegenüber tritt die Wirkung bei Nedocromil rascher ein und hält länger vor als die des DNCG.

Außerdem wird die häufig bei Allergien auftretende allgemeine Irritation der Augenschleimhäute durch Nedocromil besser gemildert. Das Verfallsdatum der Augentropfen wird, wie üblich, mit ungefähr vier Wochen angegeben, um zu vermeiden, daß es durch im Laufe der Zeit eingetretenen Verunreinigungen zu einer Entzündung am Auge kommt. Beide Substanzen, DNCG und
Nedocromil, sind praktisch nebenwirkungsfrei. Das DNCG ist als seit langem bewährtes Medikament rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

2. Die Substanzen Levocabastin und Azelastin gehören zur Gruppe der sogenannten Antihistaminika, die die Wirkung des Allergiestoffes Histamin an seinen Rezeptoren (Bindungsstellen) blockieren. Sie stehen ebenfalls als Augentropfen und Nasensprays zur Verfügung. Da ihre Wirkung sehr rasch einsetzt, können sie wirklich so verwendet werden, wie es Ihre persönlichen Beschwerden erforderlich machen. Sie beseitigen rasch und zuverlässig Juckreiz, Augentränen und den allergischen Schnupfen, da diese Symptome in erster Linie durch das im Allergieschub freigesetzte Histamin verursacht werden. Sollte Ihre Nase dagegen nach dem Allergenkontakt vorwiegend mit Verstopfung reagieren, empfiehlt sich eher ein anderes Präparat zur Lokalbehandlung, nämlich

3. ein kortisonhaltiges Nasenspray. Aufgrund seines Stellenwertes und der kontroversen Diskussion in der Öffentlichkeit ist dem Kortison ein Extrakapitel in diesem Ratgeber gewidmet. Dennoch soll hier schon die Möglichkeit der regelmäßigen Lokalbehandlung bei allergischen Beschwerden der Nase erwähnt werden, da die Wirksamkeit ausgezeichnet ist und sich auch für hartnäckige Fälle eines Heuschnupfens hervorragend eignet. Da bei dieser Form der Lokalbehandlung das Kortison nur die Schleimhaut benetzt und kaum in den Körper eindringt, sind die Nebenwirkungen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch als gering anzusehen.

Kortisonhaltiges Spray für die Schleimhaut belastet den Körper kaum

Es wirkt allerdings nicht sofort, sondern ausschließlich vorbeugend und sollte daher bereits zwei bis drei Tage vor der erwarteten Allergenbelastung angewandt werden, um einen vollständigen Schutz zu ermöglichen. Bei regelmäßiger, zweimal täglicher Anwendung wird die allergische Entzündung derart gebremst, daß Sie sich möglicherweise völlig beschwerdefrei fühlen.

Alle aufgeführten Formen der Lokalbehandlung haben ein ausgezeichnetes Verhältnis von gewünschter Wirkung und geringer Nebenwirkung. Sie stellen daher einen ganz wichtigen Pfeiler bei der Vorbeugung und lindernden Behandlung von allergischen Beschwerden der Augen und Nase dar.

Vorsicht bei “abschwellenden” Nasentropfen

Vermeiden sollten Sie “abschwellende” Nasentropfen oder -sprays, da sich die Schleimhaut nach kurzer Zeit an diese Präparate “gewöhnt” und anschließend Ihre Nase möglicherweise nicht mehr ohne ihren Einsatz frei wird. Sie sollten nur bei ganz starker Nasenverstopfung und nur für wenige Tage angewandt werden.

5.3 Histaminblocker bei saisonalen allergischen Beschwerden

Die Gruppe der Antihistaminika steht in Form von Tabletten schon lange zur Behandlung von allergischen Beschwerden zur Verfügung. Der Entzündungsstoff Histamin, bei allergischen Reaktionen aus den Mastzellen freigesetzt, ist bekanntlich für viele der Beschwerden verantwortlich.

Tabletten zur raschen und bequemen Allergiebehandlung

Durch Blockierung seiner Wirkung können die Antihistaminika zahlreiche Symptome lindern. Dazu gehören der typische Juckreiz an Augen, Nase, manchmal auch Gaumen oder Ohren und der Haut. Bei gebremstem Juckreiz treten seltener Niesanfälle auf und die Allergie wird nicht durch das häufige Reiben der Augen und Nase verschlimmert. Außerdem nimmt die Sekretabsonderung der Augen und der Nase ab. Weniger Tränen und weniger Schnupfen sind die Folge. Die durch das Histamin geweiteten Blutgefäße normalisieren sich wieder und die Schleimhaut schwillt ab.

Früher hatten sämtliche Antihistaminika lästige Nebenwirkungen, die sich als Müdigkeit, Einschränkung der Reaktionsbereitschaft und auch als Mundtrockenheit geäußert haben.

Kaum noch Müdigkeit durch neue Präparate

Seit einigen Jahren ist eine neue Generation von Präparaten auf dem Markt, bei denen besonders die müdemachende Wirkung so gering ist, daß sie für die meisten Patienten nicht spürbar ist. Daher haben sich diese Substanzen schnell zur Behandlung des Heuschnupfens durchgesetzt. Azelastin, Cetirizin, Ebastin, Desloratadin, Fexofenadin, Levocetirizin, Loratadin und Terfenadin heißen diese Substanzen. Bei sämtlichen Präparaten ist eine Wirkung bereits nach ein bis zwei Stunden feststellbar und sie brauchen täglich – bis auf Terfenadin – nur einmal eingenommen werden.

Seltene Nebenwirkungen

Bei Terfenadin, das als erstes Präparat der neueren Generation auf dem Markt kam, sind in seltenen Fällen unerwünschte Begleitreaktionen am Herzen und an der Leber aufgetreten. Manche Ärzte sind daher zurückhaltender mit der Verschreibung dieses Präparates geworden. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, daß auch die anderen, durchweg neueren Präparate in Zukunft, wenn sie von vielen Millionen Patienten angewandt worden sind, mit seltenen Nebenwirkungen aufwarten können, die uns z.Zt. noch nicht bekannt sind. Sicherlich sind die neueren Antihistaminika eine gute Alternative für jemandem, der bei möglichst geringem Aufwand
rasche Hilfe zur Behandlung seiner Allergien benötigt und dem die oben beschriebene Lokalbehandlung zu aufwendig und lästig erscheint.

5.4 Wissenswertes zum Kortison

Kortison ist ein lebenswichtiges Hormon, das wichtige Aufgaben in unserem Körper erfüllt und besonders dazu dient, mit außergewöhnlichem Streß fertig zu werden. Damit ist nicht nur der Alltagsstreß gemeint, sondern Situationen, die für unseren ganzen Organismus, den Körper und die Seele, eine extreme Belastung darstellen, wie z.B. Verletzungen, Unfälle, Operationen und schwere lebensbedrohliche Erkrankungen.

Seine Funktion in unserem Körper

Das Kortison soll den Körper bei extremen Belastungen schützen und dadurch helfen, diese Krisen besser meistern zu können. Um diese Aufgabe zu erfüllen, greift es auf vielfältige Weise in die Stoffwechselvorgänge und das Immunsystem des Körpers ein. Durch seine Eigenschaften vermag es erfolgreich Entzündungen unterschiedlichster Art im Körper zu mildern und niedrig zu halten.

Es handelt sich bei Allergien im ausgeprägten Fall auch um eine Entzündung, die durch eine überschießende Reaktion und Überempfindlichkeit des Immunsystems gestartet worden ist. Insofern ist es naheliegend, auch diese Form der überschießenden Entzündung mit dem Kortison wirksam zu behandeln, was ganz ausgezeichnet funktioniert.

Die gefürchteten Nebenwirkungen des Kortisons

Allerdings haben diese Präparate aufgrund ihrer zahlreichen Wirkungen im Körper eine Reihe unerwünschter Begleitreaktionen, die ein sorgfältiges Abwägen notwendig machen. Zu den gefürchteten Begleiteffekten des Kortisons gehören: Vollmondgesicht, Verlagerung des Fettgewebes von Armen und Beinen zum Leib, Knochenentkalkung, Magengeschwüre, Abnahme der Hautdicke, vermehrte Verletzlichkeit der Gefäße, Zuckerkrankheit.

Die Verabreichungsform bestimmt die Nebenwirkungsrate

Diese Nebenwirkungen treten allerdings nur bei sehr hoch dosierter Kortisontherapie über einen Zeitraum von vielen Monaten und Jahren auf. Außerdem ist ganz entscheidend, wie das Kortison dem Körper zugeführt wird, weil sich daraus wichtige Unterschiede ergeben, die Sie unbedingt kennen sollten. Wie schädlich das zugeführte Kortison Ihrem Körper sein kann, hängt also nicht nur von der Stärke des jeweiligen Präparates ab, sondern auch davon, wie es angewendet wird (Tabletten, Spritzen, Salben, Schleimhautsprays).

Kortisonspritzen in die Vene – rasch wirksam ohne Dauereffekte

Kortison, das über die Venen in den Körper injiziert wird, wirkt nur vorübergehend und wird sehr rasch abgebaut. Da Kortison prinzipiell erst nach längerem Zeitraum seine unerwünschten Wirkungen entfaltet, ist solch eine einmalige Kortisonspritze in die Vene unbedenklich.

Kortisonspritzen in den Muskel – nicht zu empfehlen

Anders sieht es bei den Kortisonspritzen aus, die als sogenanntes Depotpräparat in den Gesäßmuskel gespritzt werden. Hier wird das Kortison über einen Zeitraum von immerhin zwei bis vier Wochen langsam freigesetzt und ist tatsächlich in der Lage, die eigene Hormonproduktion negativ zu beeinflussen. Außerdem wird das Kortison aus der Injektionsstelle nicht “natürlich” freigesetzt; denn unser Körper produziert die Hauptmenge des benötigten Kortisons in den frühen Morgenstunden, wodurch es zu täglichen rhythmischen Schwankungen kommt, einem charakteristischem Kortison-Biorhythmus. Außerdem kann sich die Fettschicht an der Injektionsstelle vollständig zurückbilden und kosmetisch unattraktive Kuhlen im Gewebe entstehen lassen, die dauerhaft bestehen bleiben.

Schluss mit der “Heuschnupfenspritze” (Kortison-Depot ins Gesäß)

Aus diesen Gründen ist die Behandlung mit einem Depotkortisonpräparat, das in den Muskel gespritzt wird, heutzutage überholt. Es gibt immer noch Patienten, die dennoch auf ihre “Heuschnupfenspritze” (so wird die Kortison-Depotspritze häufig verharmlosend bezeichnet) nicht verzichten wollen, da sie zugegebenermaßen einige Wochen absolute Beschwerdefreiheit verschaffen kann.

Kortisontabletten: Bei kurzer Anwendung gut verträglich

Sollte eine Behandlung des Körpers mit Kortison erforderlich sein, haben sich Tabletten wesentlich besser bewährt. Durch morgendliche Einnahme läßt sich der Kortison-Biorhythmus gut imitieren, außerdem kann durch eine individuelle Dosierung und verschiedene Stärken des Kortisons die Behandlung viel besser gesteuert werden. Die kurzfristige Behandlung mit Kortison, häufig als Kortisonstoß bezeichnet, fängt meistens mit einer hohen Dosis an und wird dann über einige Tage oder wenige Wochen rasch reduziert. Durch dieses Schema werden die schädlichen Begleitreaktionen der Kortisongabe wesentlich reduziert und sind daher bei verantwortlichem Einsatz aus ärztlicher Sicht vertretbar.

Längere Anwendung unter strenger ärztlicher Kontrolle

Das Präparat, die Dosis und die Art der Anwendung spielen eine prinzipiell entscheidende Rolle, welche Wirkungen und unerwünschte Effekte zu erwarten sind.

Kortison zur äußerlichen Anwendung an der Haut

Bei vielen entzündlichen Hauterkrankungen werden kortisonhaltige Salben oder Cremes eingesetzt. Abhängig von dem Kortisonpräparat – es gibt eine Vielzahl chemischer Varianten -, sind diese Mittel unterschiedlich stark. Die sinnvolle Anwendung von Kortison an der Haut erfordert vom Arzt viel Erfahrung und Verantwortungsbewußtsein. Neben den erwünschten antientzündlichen Wirkungen können bei dauerhaftem unsachgemäßem Gebrauch auch unerwünschte Begleitwirkungen an der Haut entstehen. Sie wird dünner, kann eine pergamentartige Beschaffenheit entwickeln und störende Dehnungsfalten bekommen.

Längerfristige Anwendung nur auf Empfehlung eines Hautarztes

Jede Kortisonanwendung an der Haut sollte daher ausführlich mit dem Arzt besprochen werden, um diese Schäden zu verhindern. Dennoch stellt das Kortison aufgrund seiner zuverlässigen Wirksamkeit ein wichtiges Handwerkszeug bei vielen Hauterkrankungen dar, die mit einer Entzündung einhergehen.

Kortison zur lokalen Schleimhautbehandlung

Im Gegensatz zur Haut bleiben bei der Anwendung von Kortison an der Schleimhaut die geschilderten Begleitreaktionen aus. Selbst bei regelmäßiger und langfristiger Anwendung von Kortison an der Schleimhaut (Nase und Bronchien) treten keine derartigen Veränderungen auf, wie sie an der normalen Haut beobachtet werden. Die unerwünschten Kortisonnebenwirkungen an der Haut (Abnahme der Dicke, Dehnungsfalten und brüchige Blutgefäße) hat man, selbst bei langfristiger Anwendung an der Schleimhaut, nicht feststellen können. Hier wird die Anwendung des Kortisons also erheblich weniger durch derartige Begleitreaktionen eingeschränkt. Das ist der Grund, warum sich das Kortison in den letzten Jahren bestens zur Behandlung von entzündlichen Schleimhauterkrankungen der Nase oder der Bronchien bewährt hat. Das gilt natürlich nur bei bestimmungsgemäßem Gebrauch.

mit guter Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen

Das hervorragende Verhältnis zwischen Wirkung und unerwünschten Effekten bei Kortisonanwendung an der Schleimhaut können Sie auch daran ablesen, daß z.B. entsprechende Nasen- und Asthmasprays bereits bei Kindern angewandt werden können.

auch für Kinder geeignet

Normalerweise ist man bei Kindern mit einer langfristigen Kortisonbehandlung zurückhaltend; allerdings hat diese Form der lokalen Schleimhautbehandlung mit dem Kortison nicht die gefürchteten, oben beschriebenen Nebenwirkungen, wenn es richtig angewendet wird. Besonders für die asthmatischen Beschwerden, auf die im nächsten Kapitel näher eingegangen wird, ist die lokale Behandlung der Schleimhaut mit Kortison ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie geworden.

Das schlechte Image vom Kortison

Bei Ihrem persönlichen Urteil, das Sie über Kortison fällen, sollten Sie also immer die behandelnde Krankheit, die Stärke des Präparates und besonders die Darreichungsform des Kortisons mitberücksichtigen. In der Presse werden diese Dinge oft vermischt oder grob vereinfacht dargestellt. Dadurch stößt mittlerweile die Anwendung von Kortison bei vielen Menschen auf Unbehagen oder Ablehnung. Dieses kann sich bis zu einer übertriebenen Abneigung (Kortisonphobie) steigern, die den nutzbringenden Einsatz von kortisonhaltigen Präparaten bei diesen Personen völlig unmöglich machen.

5.5 Die moderne Kombinationstherapie zur Behandlung von allergischen Erkrankungen

Warum mehrere Medikamente?

Bei ausgeprägten allergischen Beschwerden kann es vorkommen, daß die Anwendung von nur einem Medikament nicht genügt, um die Allergie erfolgreich zu behandeln. In der Regel ist es dann sinnlos, die Dosis des Präparates zu steigern. Besser ist es, verschiedene Medikamente vernünftig miteinander zu kombinieren. Meistens haben aber Medikamente nicht nur verschiedene Wirkungen, sondern auch unterschiedliche Nebenwirkungen. Bei geschicktem Einsatz der Medikamente kann jedoch auf diese Weise versucht werden, daß sich die Nebenwirkungen gleichmäßig im Körper “verteilen” und nicht addieren und ihm Schaden zufügen.Dies ist ein wichtiges Prinzip in der heutigen Medizin und dient dazu, die Verträglichkeit einer Behandlung zuverbessern und Schäden zu verhindern.

Weniger unerwünschte Begleiteffekte durch geschicktes Kombinieren

Auch beim Heuschnupfen mit besonders ausgeprägten Beschwerden macht man sich diese Möglichkeit zu Nutze. Während Sie vielleicht bei leichten Beschwerden mit einer Kombination von Augentropfen und Nasenspray (DNCG, Nedocromil) auskommen, ist bei unzureichender Linderung der Beschwerden ein zusätzlich eingenommenes Antihistaminikum (eine oder maximal zwei Tabletten pro Tag) eine gute Möglichkeit, um Ihre Beschwerden zu lindern. Sollten Sie dann immer noch unangemessen unter Ihrer Allergie leiden, kann das lokale Mittel für die Nasenschleimhaut durch ein kortisonhaltiges Nasenspray ausgetauscht werden. Mit dieser Kombination, DNCG- oder Nedocromil und Antihistaminika-Tabletten und Kortison-Nasenspray, lassen sich auch ausgeprägte allergische Beschwerden gut und sicher, d.h. nebenwirkungsarm behandeln. Selbst bei einer durchgehenden, vierwöchigen Behandlungszeit würden Sie mit dieser Kombination Ihrem Körper weniger Schaden zufügen als mit einer einzigen Kortison-Depotspritze.

Neue Erkenntnisse für die Asthmatherapie

Auch in der Asthmatherapie haben sich die Möglichkeiten durch den Fortschritt der letzten Jahre entscheidend gebessert. Mit einer gezielten Kombination wirksamer Substanzen, die Ihrem persönlichen Krankheitsbild gerecht wird, läßt sich bei den meisten Asthmatikern die Krankheit so gut unter Kontrolle bringen, daß kaum Einschränkungen im alltäglichen Leben in Kauf genommen werden müssen.

Heilung durch Asthmamittel?

Allerdings kennen wir bisher kein Medikament, das eine “komplette Heilung” der chronischen Erkrankung verspricht. Daher ist es in der Regel notwendig, daß vorbeugende Medikamente, deren Verträglichkeit sichergestellt sein muß, dauerhaft angewendet werden.

Asthma lindern durch Entzündungsvorbeugung

Die Erkenntnis, daß Bronchialasthma auf einer chronischen, sich selbst erhaltenden Entzündung beruht, hat die Behandlungsempfehlungen verändert. Während früher die Verkrampfung der Bronchien häufig isoliert behandelt wurde, steht heute die Beeinflussung der zugrundeliegenden Entzündung im Mittelpunkt. Allerdings ist eine dauerhafte und möglicherweise lebenslange Fortsetzung der sogenannten antientzündlichen Behandlung notwendig, da sonst die Asthmaperioden wieder aufflackern können.

Die kombinierte Behandlung schont den Körper

Insofern ist es das Ziel des Arztes, nach dem Motto: so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig, Medikamente zu verschreiben, die Ihnen weitestgehende Beschwerdefreiheit verschaffen. Um dauerhafte Schäden durch übermäßigen Einsatz einer Substanz auszuschließen, kommen meistens mehrere wirksame Medikamente zum Einsatz, die durch geschickte Kombination den Körper schonen. Die moderne Kombinationsbehandlung des Bronchialasthmas ist ein Schritt in eine vielversprechende Richtung und hat mittlerweile Millionen von Asthmatikern in aller Welt wirksam helfen können.

Inhaliertes Kortison verhindert die asthmatische Entzündung

Den wichtigsten Stellenwert zur Kontrolle der asthmatischen Entzündung haben heutzutage Kortisonpräparate (Kortikosteroide oder kurz Steroide), die in Form eines Sprays oder als Pulver regelmäßig inhaliert werden. Selbst bei leichten Asthmaformen werden sie mittlerweile erfolgreich eingesetzt, um vorbeugend die asthmatypischen Atemnotanfälle zu verhindern. Sie haben keine direkt spürbare Wirkung, helfen also nicht bei akuter Atemnot. Sie werden regelmäßig vorbeugend und dauerhaft angewandt. Nur so kann die Entzündung langfristig kontrolliert werden, die ansonsten unweigerlich zu verstärktem Asthma führen würde.

regelmäßig anwenden

Ein Nachteil ist, daß die Wirkung der inhalierten Kortisonpräparate an der Schleimhaut relativ schnell nachläßt, so daß sie regelmäßig zwei- bis viermal am Tag inhaliert werden müssen. Andererseits ist bei dieser Form der Lokalbehandlung die Zahl der unerwünschten Nebenwirkungen gering. In Einzelfällen kann eine vorübergehende Heiserkeit auftreten oder bei allgemeiner Immunschwäche eine begrenzte Pilzbesiedlung im Mund oder Rachenraum entstehen, da selbst bei guter Inhalationstechnik (Farbabb. 5a, b, c) ein großer Teil der Substanz an der Mundschleimhaut hängen bleibt und verschluckt wird.

Farbabb. 5a/b/c: Die richtige Inhalation verbessert die Wirkung der Asthmamedikatmente
Zur Behandlung des Asthmas haben sich Sprays oder inhalierbare Pulver rasch durchgesetzt, da sie fast nur lokal an der Schleihaut der Atemwege wirken. Der Körper wird dadurch vor unerwünschten Begleitreaktionen geschützt. Vorraussetzung ist eine gute Inhalationstechnik, die gewährleistet, daß das eingeatmete Medikament an den Ort seiner Bestimmung, nämlich die Bronchien, gelangt:
- Nachdem die Kappe von dem Spray entfernt worden ist, ganz entspannt ausatmen (links)
- Die Öffnung der Spraydose an die Lippen nehmen (Mitte)
- Die Dose herunterdrücken und gleichzeitig einen tiefen Atemzug nehmen (rechts)
Die Luft sollte anschließend 10 Sekunden (wenn es geht) angehalten werden. Bei kortisonhaltigen Sprays sollte hinterher der Mund ausgespült werden, um Reste von der Mundschleimhaut zu entfernen.

richtig inhalieren

Daher hat sich bei diesen Präparaten die Anwendung einer sogenannten Inhalationshilfe (Spacer) bewährt (Farbabb. 6), durch die der verschluckte Anteil geringer wird und die Partikel besser eingeatmet werden können. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt unbedingt die richtige Anwendung der Inhalationshilfe erklären, um die Wirkung der Behandlung zu verbessern und die Nebenwirkungen zu reduzieren. Zusätzlich sollten Sie nach der Anwendung den Mund ausspülen, um verbleibende Partikel aus der Mundhöhle zu entfernen.

…mit Inhalationshilfe

Farbabb. 6: Eine Inhalationshilfe verbessert die Aufnahme und die Wirkung von Asthmamedikamenten
Ein Teil der Tröpfchen setzt sich nach einem Sprühstoß sehr schnell ab. Bei Verwendung einer kolbenförmigen Inhalierhilfe kann das Medikament gleichmäßiger inhaliert werden und es verbleibt nur ein geringer Teil in der Mundhöhle. Diese Atemhilfen haben sich besonders bei kortisonhaltigen Asthmasprays bewährt, da bei ihrer Verwendung weniger Kortison in die Mundhöhle und den Körper gelangt

Als Alternative zur Spray-Inhalation gibt es spezielle Taschen-Inhalatoren, mit denen das Medikament als Pulver inhaliert wird. Lassen Sie sich auch bei dieser Form der Inhalation, die ohne FCKW-haltige Treibgase auskommt, die richtige Atemtechnik von Ihrem Arzt erklären.

Inhalierbares Kortison – ein Hauptpfeiler der modernen Asthmatherapie

Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch sind selbst nach vielen Jahren keine gravierenden Begleiterscheinungen zu erwarten. Daher ist diese Form der Lokalbehandlung mit Kortison eine (fast) ideale Basistherapie zur Behandlung des Asthmas. Bei dieser Art der Behandlung gelangt nur ein Bruchteil der Kortisonmenge – verglichen mit einer Tabletteneinnahme oder Spritzenbehandlung – in die Blutbahn. Dadurch wird der Organismus des Patienten geschont und er profitiert gleichzeitig von den vorbeugenden Wirkungen des Kortisons auf das Asthma.

Der “Kortisonstoß”

Bei einem besonders schweren Ausbruch des Asthmaleidens kann es vorübergehend erforderlich sein, eine Stoßbehandlung mit Kortisontabletten über einen Zeitraum von ungefähr ein bis zwei Wochen durchzuführen. Wie in Kapitel 5.4 gezeigt, stellt auch diese hochdosierte, kurzfristige Behandlung mit Kortison für Ihren Körper keine Gefahr dar. Nur in extrem schweren Fällen wird neben der Inhalationsbehandlung eine dauerhafte Therapie mit Kortisontabletten erforderlich.

Andere antientzündliche Asthmamittel

Als Alternative zu den inhalierbaren Kortisonpräparaten kommen bei leichtem Asthma andere vorbeugende Präparate zur regelmäßigen Inhalation in Frage. Sie werden ebenfalls in Spray- (DNCG, Nedocromil) oder Pulverform (DNCG) angeboten. Da sie nahezu frei von unerwünschten Begleiterscheinungen sind, werden sie häufig bei Kindern zur vorbeugenden Asthmabehandlung eingesetzt. Sie müssen ebenfalls regelmäßig inhaliert werden und haben keine Wirkung auf einen akuten Asthmaanfall.

Asthmamedikamente, die die Luftnot beseitigen…

Hierfür – plötzliche Atemnot – kommen die seit 30 Jahren gebräuchlichen Asthma-Sprays oder -pulver mit Beta2-Symphatomimetika (kurz Beta2-Mimetika, Präparate, die den Symphatikus, einen Teil des vegetativen Nervensystems, aktivieren) in Frage, die zu einer raschen Erweiterung der Bronchien führen. Ihre Wirkung hält jedoch nur wenige Stunden an und hat keinerlei Einfluß auf die zugrundeliegende asthmatische Entzündung. Sie sollten daher isoliert nur bei außerordentlich leichtem Asthma (weniger als einmal wöchentlicher Schweratmigkeit) angewandt werden. Treten häufiger als einmal pro Woche Asthmasymptome auf, ist eine anti-entzündliche Basisbehandlung mit den oben besprochenen Medikamenten notwendig, so daß die rasch wirkenden Asthmasprays (Beta2-Mimetika) nur bei sporadisch auftretender Atemnot angewandt werden müssen. Sollte dieses Spray öfter als z.B. viermal pro Tag benutzt werden, ist das Asthma nicht stabil und bedarf einer besseren Einstellung.

…dürfen nicht zu oft angewendet werden

Sind die Möglichkeiten der vorbeugenden, lokalen Behandlung mit Kortison oder eines seiner Alternativen ausgeschöpft, gibt es lang wirksame, bronchialerweiterende Mittel, die entweder in Tablettenform (sogenannte Theophyllin-Präparate) ein- bis zweimal täglich eingenommen werden oder neuartige Beta2-Mimetika zum Inhalieren, die aufgrund ihrer längeren Wirksamkeit zur Dauerbehandlung von mittelschwerem Asthma geeignet sind.

Mit Asthma leben lernen

Bei erfolgreicher Einstellung des Asthmas mit Hilfe von Allergenkarenz und geeigneten Medikamenten ist es möglich, Einschränkungen durch diese chronische Krankheit im Alltag auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Das Ziel der geschilderten Maßnahmen ist es, dem Patienten ein Leben mit der Krankheit ohne beeinträchtigende Einschränkungen zu ermöglichen. Gespräche mit dem Arzt, Informationen durch andere Patientenratgeber oder Kontakte zu Selbsthilfegruppen und Teilnahme an deren Aktivitäten können außerordentlich hilfreich sein, eine positive Einstellung gegenüber der Behandlung zu entwickeln.

Hilfsmittel zur Selbstkontrolle

Wenn Sie schon länger an Asthma leiden, können Sie Ihren Krankheitszustand und Ihre allgemeine Befindlichkeit am besten einschätzen. Sollten Sie damit Schwierigkeiten haben, gibt es einfache Hilfsmittel zur Kontrolle der eigenen Atemfunktion (sogenannte Peakflowmeter), mit denen Sie selbst den wechselnden Zustand Ihres Asthmas messen können. Auf diese Weise werden Sie schnell ein Gespür entwickeln, wann es um Ihr Asthma gut oder schlecht steht. Dadurch werden Sie zu einem kompetenten Partner Ihres behandelnden Arztes und die gemeinsamen Bemühungen zur langfristigen Behandlung Ihrer Krankheit können wirksam werden.

Unerwünschte Effekte bei der Behandlung mit Beta2-Mimetika

Das Beta2-Mimetikum sollten Sie zur raschen Behandlung einer akut auftretenden Atemnot immer bei sich tragen. Bei richtiger Inhalation setzt seine Wirkung innerhalb von wenigen Minuten ein: Die Bronchien erweitern sich, die Schleimhaut schwillt ab und die Atemnot läßt nach. Als Begleiterscheinungen können Herzklopfen, ein leichtes Zittern der Hände und innere Unruhe auftreten. Bei übermäßigem Gebrauch nehmen die unerwünschten Begleitreaktionen zu; daher wird vor einer ausschließlichen Behandlung des Asthmas mit diesem Präparat als einzigem Medikament gewarnt. Ein häufiger Gebrauch signalisiert sozusagen, daß die Asthmaentzündung auf dem Vormarsch ist und nach vorbeugender Behandlung verlangt. Theophyllin-Präparate, die seit vielen Jahrzehnten zur Asthmabehandlung eingesetzt werden, haben ähnliche Begleiterscheinungen wie die Beta2-Mimetika. Dazu können sich Übelkeit, Kopfschmerzen und eingeschränkte Schlafqualität einstellen. Berichten Sie Ihrem Arzt davon, damit er die Dosis entsprechend korrigieren kann und die Nebenwirkungen zurückgehen.

Stellenwert der Kombinationstherapie

Insgesamt haben sämtliche Präparate der vorgestellten Kombinationstherapie eine gute Verträglichkeit, die es sogar erlaubt, schwangere oder stillende Frauen und auch Kinder nach dem gleichen Schema mit geringfügigen Anpassungen zu behandeln. Da fast alle aufgeführten Medikamente nur lokal an der Schleimhaut angewandt werden, können viele Nebenwirkungen umgangen werden, die bei Tabletten- oder Spritzenbehandlung auftreten würden.

5.6 Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen

Was ist das eigentlich?

Als besondere Möglichkeit zur Behandlung allergischen Beschwerden kommt die Immuntherapie mit den verantwortlichen Allergenen in Frage. Sie wird auch als Hypo- oder Desensibilisierung, Allergie-Impfung, Spritzenkur mit Allergenen oder ähnlich bezeichnet.

Fakten zur Immuntherapie mit Allergenen

Bei dieser Behandlung werden die verursachenden Allergene in steigender Dosis bis zu einer individuell verträglichen Höchstdosis unter die Haut gespritzt, die anschließend regelmäßig alle vier Wochen gegeben wird. Nach einiger Zeit läßt die allergische Unverträglichkeit spürbar nach, allerdings nur auf die Allergene, mit denen behandelt worden ist. Während die bereits besprochenen Medikamente nur die Beschwerden lindern können und keine Heilung versprechen, ist die Immuntherapie immerhin in der Lage, eine längerfristige Besserung der Beschwerden zu ermöglichen. Um jedoch den Behandlungserfolg sicherzustellen, sind bestimmte Dinge vor Beginn und während der Behandlung zu berücksichtigen. Diese Therapie kommt nicht für alle Patienten und auch nicht für sämtliche Allergene in Frage; es ist daher wichtig zu wissen, wo die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung liegen.

Neu erforschter Wirkungsmechanismus

Auf die Wirksamkeit der Immuntherapie mit Allergenen ist man vor mehr als 90 Jahren weniger durch gezieltes Forschen, sondern eher durch genaues Beobachten gestoßen. Der eigentliche Grund, warum diese Behandlung hilft, war früher nicht bekannt; heute hat sich daran einiges geändert: Durch intensive Forschungsbemühungen zeichnet sich ein für den Erfolg der Behandlung verantwortlicher Wirkungsmechanismus ab; darüberhinaus hat man viele Veränderungen im menschlichen Immunsystem im Laufe der Immuntherapie feststellen können, die unser Verständnis der allergischen Erkrankungen wesentlich gebessert haben.

Nachgewiesene Wirksamkeit

Auch wenn der Wirkungsmechanismus noch nicht in allen Einzelheiten verstanden ist, konnte in zahlreichen Untersuchungen geprüft und gezeigt werden, daß diese Behandlung bei Allergien tatsächlich hilft. Bei der überwiegenden Anzahl der Patienten, deren allergische Beschwerden auf diese Art und Weise behandelt werden, kommt es zu einer anhaltenden Besserung, manchmal auch zu vollständiger Beschwerdefreiheit.

Immuntherapie bei Pollenallergie

Bei einer Allergie gegen Pollenbestandteile sollten die Beschwerden ausgeprägt und länger als zwei bis drei Wochen im Jahr bestehen, da sonst der nicht unerhebliche Aufwand der Behandlung nicht gerechtfertigt erscheint. Bestehen auf der anderen Seite von Frühjahr bis Herbst ganz ausgeprägte Allergien, ist der Patient vermutlich gegen eine große Anzahl von Allergenen sensibilisiert. In diesen Fällen sollten die Erwartungen an die Immuntherapie nicht zu hoch angesetzt werden, da sie erfahrungsgemäß besser bei einer überschaubaren Anzahl von Allergenen hilft. Die Aufgabe Ihres Arztes wird es sein, die tatsächlich verantwortlichen Allergene herauszufinden, da nicht gegen alle Allergene behandelt wird, die im Hauttest positiv waren, sondern nur gegen diejenigen, auf die in der warmen Jahreszeit mit Beschwerden reagiert wird.

Der persönliche Beschwerdezeitraum ist entscheidend für die Allergenauswahl

Für manche Patienten ist es gar nicht so einfach, den Beschwerdezeitraum relativ genau anzugeben. In diesen Fällen ist es hilfreich, ein weiteres Jahr abzuwarten und durch tägliche Eintragungen (z.B. je nach Beschwerden Bewertungen von 1 bis 3) in einem sogenannten Symptomtagebuch Klarheit zu bekommen. Der Arzt wird anschließend die persönlichen Eintragungen mit denen der gemessenen Pollenflugdaten vergleichen und erhält dadurch eine genaue Vorstellung von dem persönlichen Allergenspektrum.Pollenbedingte, allergische Symptome an Augen, Nase und Bronchien sprechen erfahrungsgemäß recht gut auf die Behandlung mit einer Immuntherapie an, so daß Millionen von Pollenallergikern auf der ganzen Welt bereits von dieser Therapie profitiert haben.

Immuntherapie bei Hausstaubmilbenallergie

Etwas anders sieht es bei den ganzjährigen Allergenen, den Hausstaubmilben aus. Bevor eine Immuntherapie mit diesen Allergenen begonnen wird, sollte der Schlafbereich saniert und möglichst milbenarm gestaltet werden (siehe Kapitel 3.4). Ist die Milbenbelastung tatsächlich auf ein Mindestmaß reduziert, ohne daß vollständige Beschwerdefreiheit eingesetzt hat, könnte eine Immuntherapie mit den Hausstaubmilbenallergenen begonnen werden.

Milbenprophylaxe nicht versäumen

Da die Allergie durch diese Form der Behandlung nicht völlig “geheilt” wird, aber deutlich abnehmen und in reduzierter Form weiterbestehen kann, gehören die beiden Maßnahmen Allergenkarenz und Immuntherapie unbedingt zusammen.

Verzicht auf Tiere – keine Immuntherapie bei Tierhaltern

Als Faustregel gilt, je besser der Patient sich von den Allergenen fernhalten kann, desto weniger kommt eine Immuntherapie in Frage. Daher ist die Hyposensibilisierung auch für Tier-Allergiker nicht geeignet, da hier die ideale Lösung ist, langfristig auf Tierhaltung zu verzichten. Die einzige Ausnahme und Voraussetzung, unter der die Immuntherapie bei Tierallergien helfen kann, besteht darin, daß zu Hause keine Tiere gehalten werden und auch am Arbeitsplatz kein dauernder Tierkontakt besteht. Warum all diese Einschränkungen im Zusammenhang mit der Immuntherapie? Einerseits um sicherzustellen, daß sie Ihnen wirklich nutzt; andererseits ist die Behandlung recht kostspielig und nicht völlig risikolos (s.u.). Ihre Planung und Durchführung erfordert ein hohes Maß an Verantwortlichkeit von Ihnen und von Ihrem Arzt, die nicht unterschätzt werden sollte.

So funktioniert die Immuntherapie mit Allergenen

Die Immuntherapie mit Allergenen läuft folgendermaßen ab: Wenn kein Zweifel mehr besteht, welche Allergene für die individuelle Allergie und die Immuntherapie in Frage kommen, wird der Arzt per Rezept die persönliche Allergenlösung verschreiben, die über eine Apotheke bestellt und nach einigen Wochen abgeholt werden kann. Die Packung enthält zwei bis vier Fläschchen, die unterschiedliche Mengen an Allergenen enthalten.

Spritzen in das Oberarmfettpolster

Mit der winzigsten Menge beginnend, wird der Arzt das Allergen mit einer speziellen Spritze mit kleiner Nadel oberhalb des Ellenbogens in den Oberarm unter die Haut spritzen (Farbabb. 7). Allerdings nur, wenn der Patient keine Allergiebeschwerden hat, keinen Infekt und sich darüber hinaus rundherum wohl fühlt. Im Anschluß an die Spritze sollte, um eine mögliche Unverträglichkeit rasch behandeln zu können, der Patient für wenigstens eine halbe Stunde in den Räumen des Arztes bleiben. Außerdem sollte der Arm für den Rest des Tages geschont werden (kein Gewichtheben oder ähnliches!), körperliche Anstrengungen und Hitzebelastung (Sauna, heißes Bad) sollten zwei Stunden lang vermieden werden, um das Immunsystem nicht überzustrapazieren.

Farbabb. 7: Die Immuntherapie mit Allergenen wird häufig zur Behandlung von allergischen Beschwerden eingesetzt
Bei der Hyposensibilisierung, wie sie auch genannt wird, werden zunehmende Portionen einer Allergenlösung unter die Haut in das Fettgewebe gespritzt. Die höchste Dosis wird bei guter Verträglichkeit alle 4 Wochen in regelmäßigen Abständen gegeben. Die Behandlung dauert meistens 3 Jahre. Nach jeder Spritze muß der Patient eine halbe Stunde in den Praxisräumen warten, falls eine unerwünschte allergische Reaktion auftritt und der Arzt gerufen werden muß.

Die Allergendosis wird gesteigert

Nach einer Woche wird der Arzt bei guter Verträglichkeit der letzten Spritze eine geringfügig erhöhte Dosis der Allergenlösung spritzen. In wöchentlichem Rhythmus wird die Steigerung der Allergiebehandlung fortgesetzt, bis schließlich die empfohlene oder persönliche Höchstdosis erreicht ist. Man sagt, daß sie für den Erfolg der Behandlung möglichst hoch, andererseits aber gut verträglich sein soll. Ist die Höchstdosis einmal erreicht, wird sie nur noch alle vier Wochen gespritzt. Die klassische Behandlungsform der Immuntherapie dauert mindestens drei Jahre. Spätestens nach dem ersten Jahr sollte sich eine spürbare Besserung eingestellt haben, die nach dreijähriger Behandlung in vielen Fällen langfristig bestehen bleibt. Es ist jedoch außerordentlich schwer vorherzusagen, wie ausgeprägt und wie lang anhaltend der Erfolg individuell sein wird.

Wie misst man den Erfolg?

Die Beschwerden können nach einigen Jahren, wenn auch in abgeschwächter Form, wieder aufflackern. Mit etwas Glück lassen Allergiebeschwerden im Alter (> 40 Jahre) ohnehin etwas nach. Der Behandlungserfolg spiegelt sich in erster Linie im Rückgang der allergischen Beschwerden wieder. Darüber hinaus gibt es keinen zuverlässigen Test, der verrät, wie der Behandlungserfolg einzuschätzen ist, denn die entscheidende Veränderung im Körper, die dem Erfolg der Immuntherapie zugrundeliegt, ist noch unbekannt. Möglicherweise ist es eine Summe von Veränderungen im Immunsystem, die den Patienten schließlich die Allergene besser vertragen lassen und so bei ihm zur Allergentoleranz führen.

Neue Formen der Immuntherapie mit Allergenen

Die meisten Erfahrungen gibt es bei der klassischen Behandlungsweise mit Spritzen in das Unterhautfettgewebe, die über drei Jahre durchgeführt wird. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Kurzzeit-Immuntherapie mit Allergenen, die nur einige Wochen oder Monate vor der eigentlichen Pollenflugsaison durchgeführt wird. Dies ist eine sinnvolle Variante, besonders wenn die Zeit vor der nächsten Pollensaison zu knapp ist, um die dreijährige Behandlung zu beginnen. Allerdings gibt es zur klassischen Hyposensibilisierung zahlreichere Untersuchungen, in denen bei vielen Patienten überzeugend gezeigt worden ist, daß die Behandlung wirklich dauerhaft hilft.

Offene Fragen zur Behandlung mit Allergentropfen

Bei der sublingualen Hyposensibilisierung (durch Aufnahme der Allergentropfen unter der Zunge) sind die Untersuchungsdaten nicht einheitlich. Verschieden, kleinere Studien belegen eine Wirksamkeit. Dennoch kann aus Expertensicht die sublinguale Behandlung mit Allergenen aufgrund der z. Zt. noch ungeklärten Fragen zum Wirkungsmechanismus, zur optimalen Dosis, zum notwendigen Behandlungszeitraum, zur vorbeugenden Wirkung und zur Dauer des Therapieerfolges (noch) nicht für die uneingeschränkte Routinanwendung empfohlen werden.

Ab wann kann begonnen werden?

Häufig stellt sich die Frage, ab wann Kinder hyposensibilisiert werden können. Meines Erachtes ist es nicht angebracht, vor dem Schulalter mit der Immuntherapie zu beginnen. Eine abwartende Haltung des Arztes, um die weitere Allergieentwicklung des Kindes zu beobachten und das Allergenspektrum besser kennenzulernen, ist ein sinnvolleres Vorgehen. Schließlich sind die meisten der gut verträglichen Allergiemedikamente zur Lokalbehandlung auch für Kinder geeignet, so daß ein überstürzter Beginn der Immuntherapie mit Allergenen nicht gerechtfertigt erscheint.

Schützt die Behandlung vor Asthma?

Aus klinischer Erfahrung wissen wir, daß beginnende asthmatische Beschwerden im Rahmen der Allergiebehandlung mit einer Hyposensibilisierung wieder zurückgehen können. Die Frage, ob eine Immuntherapie mit Allergenen vorbeugend zur Verhinderung eines allergischen Asthmas eingesetzt werden kann, wurde durch eine große Untersuchung, geklärt: Tatsächlich entwickeln Kinder mit allergischem Schnupfen seltener ein allergisches Asthma, wenn sie durch eine Immuntherapie mit Allergenen behandelt werden. So konnten die lange vermuteten vorbeugenden Wirkungen der Immuntherapie überzeugend bestätigt werden.

Keine Behandlung bei klassischer Nahrungsmittelallergie

Eine Allergie gegen Nahrungsmittel sollte nicht mit einer Immuntherapie behandelt werden. Bei ausgeprägter Nahrungsmittelallergie (Kuhmilch, Hühnerei, Fisch, Nüsse, Samen, Soja u.a.) ist die Empfindlichkeit so groß, daß die Risiken einer unerwünschten Reaktion nicht zu vertreten wären.

Teilweise Besserung bei pollenassoziierter Nahrungsmittelallergie

Anders sieht es bei den pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien aus: Wenn eine ohnehin geplante Immuntherapie mit Pollenallergenen durchgeführt wird, zeigen ungefähr die Hälfte der Betroffenen auch geringere Beschwerden auf die zugehörigen, kreuzreaktiven Nahrungsmittel (bei Birke z. B. Kern- und Steinobst).

Unerwünschte Begleiteffekte

Als Begleitreaktionen bei der Immuntherapie können im Anschluß an die Spritze oder zeitlich verzögert Juckreiz und Schwellung im Bereich des Oberarmes auftreten. In seltenen Fällen reagieren auch andere Körperstellen mit. Beschwerden wie bei der Allergie, Augenjucken und Niesen, können einsetzen oder die Haut am Körper mit Quaddelbildung reagieren. Im schlimmsten Fall, der allerdings äußerst selten auftritt, reagiert der Körper nach der Spritze rasch mit einer heftigen allergischen Reaktion (Asthma, niedriger Blutdruck), die sofort vom Arzt behandelt werden muß.

Immuntherapie bei allergischem Asthma geeignet?

Besteht ein allergisches Asthma schon eine lange Zeit (mehrere Jahre), wird es zunehmend schwieriger, die chronisch werdenden Beschwerden mit einer Immuntherapie erfolgreich zu behandeln. Sind durch unzureichende Asthmabehandlung in der Vergangenheit bereits Dauerschäden eingetreten, sollte keine Hyposensibilisierung mehr durchgeführt werden, da häufig auch ein erhöhtes Risiko für anschließende, unerwünschte Begleitreaktionen besteht. Aus Sicherheitsgründen sollte während der Schwangerschaft keine Hyposensibilisierung begonnen werden.

Die richtige Wahl bei der Behandlung von Allergien

Bei der Entscheidung für die jeweilige Behandlungsmethode sind viele Faktoren zu berücksichtigen; versuchen Sie sich auf alle Fälle eine eigene persönliche Meinung zu bilden. Beide Alternativen – Beschwerden-lindernde Medikamente oder die Immuntherapie mit Allergenen – haben Vor- und Nachteile, die sorgfältig gegeneinander abgewogen werden sollten. Aus ärztlicher Sicht sind beide Strategien bei Allergien wirksam und kommen bei besonders hartnäckigen Fällen auch ergänzend zur Behandlung allergischer Beschwerden in Frage.

5.7 Alternative Therapieverfahren und damit zusammenhängende Fragen

Seit einigen Jahren erfreuen sich Behandlungskonzepte aus der alternativen Medizin zunehmender Beliebtheit. Auch zur Behandlung von Allergien werden neben den gesicherten Therapiekonzepten, die bereits dargestellt wurden, zahlreiche alternative Therapien angeboten.

Altenative Therapiekonzepte nehmen zu

Es ist durchaus verständlich, daß sich der Allergiker, unzufrieden mit dem chronischen Verlauf seiner Erkrankung, Methoden zuwendet, die ihm versprechen, ohne “Chemie” die Beschwerden komplett heilen zu können. Die meisten exotischen Therapiekonzepte halten jedoch einer gewissenhaften Überprüfung nicht stand.

Empfohlen werden kann nur, was zur Behandlung nachweislich taugt

Solange der Nachweis über die erfolgreiche Behandlung von allergischen Erkrankungen mittels einer bestimmten Therapieform nicht erbracht ist, kann aus ärztlicher, allergologischer Sicht eine derartige Behandlung nicht empfohlen werden. Zum Schutz des Patienten ist zu fordern, daß jede Behandlungsart mit ihrem Nutzen und ihren Risiken so intensiv und objektiv wie möglich untersucht wird. Diese Regel sollte für naturwissenschaftlich begründete Verfahren genauso wie für alternative Methoden angewandt werden. Das gilt auch für die Homöopathie, Akupunktur, Eigenbluttherapie, Bioresonanz-Therapie, Elektroakupunktur nach Voll, Kinesiologie, Ozontherapie, Enzymtherapie und viele andere.

Einzelerfolge durch alternative Therapien?

Immer wieder werden von Patienten, die sich diesen Methoden anvertraut haben, erstaunliche Behandlungserfolge gemeldet. Dabei ist zu berücksichtigen, daß ein individueller Behandlungserfolg von vielen Variablen abhängig ist. Da Allergien (durch IgE-Antikörper) im Alter eher abnehmen und es nicht möglich ist, den individuellen Verlauf der Beschwerden vorherzusagen, bestimmt zunächst der von Person zu Person unterschiedliche Verlauf das Ausmaß der Beschwerden.

Oder Plazebowirkung?

Jede Behandlung einer Krankheit verfügt über eine sogenannte Plazebowirkung, die unabhängig von der jeweiligen Methode ist. In diesem Plazeboeffekt sind sämtliche Phänomene enthalten, die unabhängig von der spezifischen Wirkung einer Behandlung schließlich zur Abnahme der empfundenen Beschwerden führen.

Ein Drittel Plazeboeffekt bei jeder Allergiebehandlung!

Spontane Besserungen, eine veränderte Wahrnehmung der Symptome, Besserung durch Autosuggestion, der feste Glaube an das Therapiekonzept und Vertrauen zu dem Therapeuten sind Komponenten des Plazeboeffektes, der bei ungefähr 30% der Allergiker (!), unabhängig von der Behandlung, zu einer Besserung führt.

Muss die Wirkungsweise einer Therapie unbedingt erforscht sein?

Eine Behandlung, die nachgewiesenermaßen wirkungsvoll und schließlich empfehlenswert zur Therapie von Allergien sein soll, muß also deutlich besser als die Plazeborate von 30% abschneiden. Aus diesem Grund werden die Patienten in seriösen Untersuchungen neben der zu überprüfenden Therapie auch mit einem vergleichbaren Plazebo (Scheinmedikament) behandelt. Dabei ist es unerheblich, auf welchem Mechanismus die zu prüfende Therapie beruht. Es ist also nicht erforderlich, die Wirkungsweise im Detail verstanden zu haben und naturwissenschaftlich begründen zu können. Ein rein empirischer Erfolg (durch vergleichende Untersuchung ohne Wissen der zugrundeliegenden Mechanismen) ist aus medizinischer Sicht hinreichend, um den Erfolg der Behandlung nachzuweisen. Insofern ist es durchaus möglich, die meisten alternativen Behandlungsverfahren auf ihre Tauglichkeit hin zu überprüfen, selbst wenn wir ihre Wirkungsweisen im menschlichen Körper (noch) nicht kennen.

Zu wenig kontrollierte Untersuchungen

Derartige kontrollierte Untersuchungen mit alternativen Verfahren sind leider die Ausnahme. Auch die häufig angeführten Einzelerfolge ersetzen eine solche Prüfung nicht, denn letztlich ist nicht zu beurteilen, welcher Faktor maßgeblich die Besserung verursacht hat (Spezifische Wirksamkeit der durchgeführten Therapie? Plazeboeffekt? Spontane Besserung? Natürliche Abnahme der Erkrankung im Alter?). Aus den genannten Gründen müssen derartige Einzelbeobachtungen, mit denen die Erfolge der alternativen Methoden nachgewiesen werden sollen, äußerst kritisch betrachtet werden.

Mehr Informationen zu alternativen Behandlungsweisen?

Sollten Sie trotzdem Interesse haben, sich über alternative Behandlungsverfahren in der Medizin zu informieren, bietet das Buch “Die andere Medizin. Handbuch und Risiken sanfter Heilmethoden” (3. Auflage 1994, 4. Auflage 1996, Stiftung Warentest, Econ Verlag, Düsseldorf) einen umfassenden Überblick und eine sorgfältige Bewertung. Aus naturwissenschaftlich begründeter medizinischer Sicht wäre es allerdings fatal, wenn Sie wirksame Behandlungsmöglichkeiten versäumen würden auf der Suche nach Alternativen, deren Effekte fraglich sind. Informieren Sie sich in jedem Fall gut, bevor Sie sich schließlich für einen persönlichen Weg zur Behandlung Ihrer Allergien entscheiden.

 
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