Kapitel 3

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Pollen, Milben und Co. – Was tun bei Allergien?
Ratschläge für Patienten und Betroffene

3. Wissenswertes über Allergene, vorbeugende Maßnahmen und andere Tips


3.1 Blütenpollen – die häufigsten Allergene
3.2 Pilzsporen – häufig verdächtigt, oft überschätzt und wenig erforscht
3.3 Tiere – zunehmende Tierhaltung bedeutet höheres Allergierisiko
3.4 Hausstaubmilben – ungebetene Gäste im Schlafbereich
3.5 Vorbeugende Maßnahmen für Kinder mit stark erhöhtem Allergierisiko
3.6 Andere Allergene und ihre potentielle Bedeutung
3.7 Allergie gegen Insektengift – ein Sonderfall


3 Wissenswertes über Allergene, vorbeugende Maßnahmen undandere Tips

3.1 Blütenpollen — die häufigsten Allergene

Zu den häufigsten Auslösern von Atemwegs- und Schleimhautallergien gehören Pollenbestandteile. Dabei spielen windbestäubende Pflanzen (Gräser, Sträucher, Bäume) eine herausragende Rolle, da sie zur Blütezeit eine große Menge von Pollen freisetzen, die allergene Eiweißstoffe enthalten können.

Pollen fliegen weit

Als kleine Partikel werden sie in der Regel sehr weit getragen und können sogar 300 Kilometer entfernt vom Ursprungsort nachgewiesen werden. Durch generelle Verbreitung und große Mengen bei entsprechend klarem Wetter stellen sie eine Quelle von fremdem Eiweiß dar, der wir Menschen uns kaum entziehen können.

Jede Region hat ein eigenes Pollenspektrum

Welche Sorte von Pollen für uns Menschen bedeutsam ist, hängt hauptsächlich von geographischen und klimatischen Faktoren ab. Jeder Kontinent und jedes Gebiet der Erde hat, abhängig vom Breitengrad, eine bestimmte Flora, zu der auch windbestäubende Pflanzen und mögliche Pollenallergene gehören. So unterscheiden sich z.B. die Pollen bei uns im mitteleuropäischem Raum wesentlich von denen, die in Südeuropa, z.B. in Spanien, Italien, Griechenland gefunden werden.

Bei der Pollenallergie mischt das Wetter mit

Das Klima bestimmt nicht nur die botanische Verbreitung, sondern auch die jährliche Pollenflugsaison, den Zeitraum, während dem die Pollen vorwiegend freigesetzt werden. Klares Wetter verursacht hohe Pollenzahlen, während bei Regen die Pollen förmlich aus der Luft herausgewaschen werden und zu Boden fallen. Pollenkörner, die aufgrund ihrer geringen Größe nicht mit dem bloßen Auge erkennbar sind (Abb. 4), werden mit der Atemluft eingeatmet und gelangen so an die Schleimhaut von Augen, Nase und Mund bzw. Rachenrauml.

Abb. 4: Rasterelektronische Aufnahmen verschiedener Pollen
a: Hasel, b: Erle, c: Wegerich, d: Beifuß
Pollenkörner von windbestäubenden Pflanzen sind unterschiedlich geformt und können auf diese Weise bei einer Pollenzählung identifiziert werden. Sie verfügen über winzige Poren, aus denen nach Schleimhautkontakt verschiedene Eiweißstoffe herausgewaschen werden. Hat sich der Körper gegen diese Stoffe sensibilisiert, kann es nach erneutem Kontakt zu einer örtlichen allergischen Reaktion kommen.

Durch die Feuchtigkeit der Schleimhaut werden dort bestimmte Eiweißstoffe aus den Pollen herausgewaschen, wenn sie nicht bereits zuvor aus winzigen Poren ausgetreten sind. Diese Eiweißstoffe sind, wie schon gesagt, an und für sich völlig harmlos, werden aber von dem fehlgeleiteten Immunsystem des Allergikers als gefährlich angesehen und entsprechend bekämpft.

Sind schmutzige Pollen gefährlicher?

Es ist vermutet worden, daß die zunehmende Belastung unserer Umwelt mit Schadstoffen die Freisetzung von Pollenallergenen verstärkt und dadurch indirekt die allergischen Beschwerden zunehmen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit tatsächlich solch eine Wechselwirkung zwischen den Pollenallergenen und der zunehmenden Luftverschmutzung nachgewiesen werden kann.

Orientierung durch Pollenflugkalender

In Mitteleuropa gibt es Gruppen von Allergenen, die sich aufgrund ihrer Saison bzw. des Blütezeitraums relativ gut unterscheiden lassen (Abb. 5). Mit den Frühblühern werden Bäume zusammengefaßt, die ihre Pollen im Frühjahr freisetzen. Als Mittelblüher werden die Gräser bezeichnet, die im Sommer blühen, während die Kräuter mit einer Blütezeit im Spätsommer bzw. Frühherbst die Spätblüher repräsentieren.

Abb. 5: Blüh- und Pollenflugkalender
Blüh- und Pollenflugzeiten verschiedener windbestäubender Pflanzen, die in unseren Breitengraden häufig Allergien verursachen. Die Zeit des erwarteten Pollenfluges kann allerdings je nach geographischen und jahreszeitlichen Witterungsverhältnissen um ca. 2 Wochen variieren. Unter dem Begriff Frühblüher werden die Bäume, unter Mittelblüher die Gräser und unter Spätblüher die Kräuter zusammengefaßt. Die Haupt- oder Leitallergene sind kursiv gedruckt.
* keine Pflanze, sondern wichtigster Vertreter der im Sommer, bei feuchtem Wetter vorkommenden Pilzsporen

Birkenpollen – aggressive Allergene mit weiter Verbreitung

In unseren Breitengraden ist es die Birke, deren Pollen sehr häufig für die Atemwegsallergien verantwortlich sind. Die Hauptblütezeit beginnt ca. Mitte April und kann zwei bis vier Wochen anhalten. Die Hasel und die Erle gehören auch zur Familie der Birkengewächse. Sie können je nach Witterung bereits im Februar bzw. März ihre Pollen freisetzen. Bei mildem Wetter berichten manche Patienten sogar schon im Januar (durch die vorgezogenen Haselblüte) über allergische Beschwerden. Durch Ähnlichkeiten in der Allergenstruktur bestehen bei ausgeprägter Baumpollenallergie häufig Beschwerden gegen alle drei Pollensorten. Je nach Verbreitungsgebiet können aber auch andere Baumpollen, wie z.B. die der Eiche oder der Buche, für allergische Beschwerden verantwortlich sein. Mit ihrer Blütezeit ist im Mai zu rechnen.

Gräser – die größten Produzenten von fremdem Eiweiß in der Luft

Ende Mai bzw. Anfang Juni fangen die Gräser an zu blühen, von denen es zahlreiche verschiedene Familien gibt. Durch ihre ausgeprägte Allergenverwandtschaft reagiert der Allergiker allerdings auf alle Gräser, sobald er sich gegen eines sensibilisiert hat. Der Roggen als kultiviertes Gras reiht sich in diese Gruppe ein und kann
daher bei bestehender Gräserpollenallergie auch Beschwerden verursachen. Da die Gräserfamilien zu unterschiedlichen Zeiten ihre Hauptblütezeit haben, besteht insgesamt eine recht lange Blühperiode, die sich je nach Witterung bis in den August hineinziehen kann.

Beifuß – ein Wildkraut mit starker Allergenpotenz

Allergische Beschwerden im August und September können darüber hinaus durch Kräuterpollen, sogenannte Spätblüher, verursacht werden. Als wichtigster Vertreter gilt der Beifuß aus der Familie der Korbblütler, die je nach Verbreitungsgebiet und Wetterbedingungen Beschwerden im Spätsommer und Frühherbst verursachen können. Aber auch andere Kräuter (Spitzwegerich, Gänsefuß, Goldrute) können in Einzelfällen für einen allergischen Schnupfen verantwortlich sein.

Pollenfluginformationen – überall verfügbar

Neben Pollenflugkalendern, die Auskunft zur allgemeinen Blühperiode einer Pflanze geben, bestehen in vielen Orten Deutschlands mittlerweile Pollenfluginformationsdienste, die über das Radio oder die Tagespresse der Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Angaben beruhen auf regelmäßig durchgeführten Pollenzählungen. In sogenannten Pollenfallen werden die Pollen gesammelt und anschließend gezählt. Die Angaben dieser Polleninformationsdienste hängen natürlich in erster Linie vom Wetter ab. Warme Temperaturen bei klarem und windigem Wetter stellen besonders geeignete Bedingungen für einen weitreichenden Pollenflug dar.

Während auf dem Lande die höchsten Pollenkonzentrationen in den Abendstunden zu erwarten sind, werden die Pollen in der Stadt um diese Tageszeit zunächst von warmen Luftströmungen emporgetragen. Die im Laufe der Nacht eintretende Abkühlung bringt diese Luftschichten zurück und führt dadurch zu einer hohen Pollenbelastung in den frühen Morgenstunden.

Vermeidungsstrategien bei Pollenallergie

Für ausgeprägte Pollenallergiker ist es daher sinnvoll, bei starkem Pollenflug mit geschlossenen Fenstern zu schlafen. Außerdem hat es sich bewährt, Kindern, die tagsüber im Freien gespielt haben, bei starkem Pollenflug die Haare zu waschen. Nicht nur in den Haaren, sondern auch in den Kleidungsstücken können Pollenbestandteile haften bleiben; die Freizeitkleidung sollte daher außerhalb des Schlafraumes abgelegt werden.

Tipps für den Alltag

Wenn Sie es beeinflussen können, sollte der Rasen in der häuslichen Umgebung möglichst kurz geschnitten werden. Auf diese Art und Weise kann eine Nachblüte der Gräser und die damit verbundene erneute Pollenfreisetzung verhindert werden. Sollten Sie häufiger das Auto nutzen, kann die Lüftungsanlage mit einem feinporigen Filter versehen werden, der die Pollenkörner wirksam abhält. Allerdings taugt diese Maßnahme nur, wenn Sie diese Filter regelmäßig austauschen, da sie sich sonst als Pollenschleuder entpuppen können. Ohne derartige Mikrofilter stellen Sie die Autolüftung bei Pollenflug besser ab.

Tipps für den Urlaub

Vielleicht läßt es die Urlaubsplanung zu, während der Hauptpollenflugsaison an einen Ort mit geringer Allergenbelastung zu fahren: Durch internationale Forschungsergebnisse kennen wir mittlerweile sehr gut das Allergenspektrum und die daraus resultierende Belastung für den Allergiker in vielen Ländern. Sofern ihr Arzt allergologische Kenntnisse besitzt, kann er Ihnen sicher hierbei weiterhelfen. In Tabelle 1 sind die Maßnahmen zusammengefaßt, die bei einer Pollenallergie von Ihnen getroffen werden können.

Tabelle 1: Maßnahmen bei ausgeprägter Pollenallergie

  • Urlaub während der Pollensaison planen und pollenarmen Urlaubsort wählen
  • Während der Pollenflugsaison keine Ausflüge auf Wiesen und Felder Kleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen und ablegen und vor dem Schlafengehen Haare spülen
  • Nachts Fenster geschlossen halten
  • Gras im eigenen Garten kurz halten
  • Keine Feldblumensträuße in der Wohnung aufbewahren
  • Mikrofilter für das Auto beschaffen oder Lüftung bei Pollenflug abschalten

Was Pollen und Obst gemeinsam haben

Manche Pollenallergiker reagieren bei Genuß von verschiedenen Obst- und Gemüsesorten mit allergischen Beschwerden (sogenannte pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie). Dieses Phänomen beruht auf einer gewissen &aumlhnlichkeit der Pollenallergene mit denen aus Obst und Gemüse. Viele der verantwortlichen Stoffe bestehen aus einem Eiweiß- und einem Zuckeranteil; sie sind nicht sehr stabil, reagieren bei Kontakt mit der Luft (Äpfel und Birnen oxydieren und werden braun) und zerfallen meistens beim Kochen. Der Birkenpollenallergiker wird daher vorwiegend auf rohes Kern- und Steinobst reagieren (Äpfel, Pfirsiche, Kirschen, Pflaumen u.a.), während diese Sorten in gekochtem Zustand oder aus Konserven in der Regel keine Beschwerden verursachen.

Obstallergie durch Kochen beseitigen

Die Unverträglichkeit beschränkt sich meistens auf den Mund- und Rachenraum: Juckreiz am Gaumen, pelziges Gefühl an Lippen und Zunge und allgemeine Irritation der Mundschleimhaut. Aufgrund ihres schnellen Zerfalls verursachen diese Obstallergene nur selten Symptome im tieferen Verdauungstrakt oder an anderen Körperorganen und bleiben eher auf die Mundhöhle beschränkt. Wie überall gibt es Ausnahmen: Nach Sojagenuß (frische Sojasprossen, Sojamilch, Eiweißpulver mit hohem Sojaproteinanteil) wurden schwere allergische Reaktionen bei Birkenpollenallergikern beobachtet. Die Ähnlichkeit zwischen einem Sojaproteinbestandteil (Stressprotein SAM22) und dem Birkenpollenhauptallergen (Stressprotein Bet v 1) ist offenbar für diese “Kreuzreaktion” verantwortlich.

Wenn Gemüse nicht vertragen wird, kann eine Beifußallergie dahinter stecken.

Auch die Graspollen- und besonders die Beifußpollenallergie kann mit einer Unverträglichkeit gegen bestimmte Nahrungsmittel einhergehen. Diese kann unterschiedliche Gemüsesorten betreffen, wie z.B. Sellerie, Karotten oder Kartoffeln und sich darüber hinaus in einer Unverträglichkeit von Gewürzen äußern (wie z.B. Petersilie, Anis und Kümmel). Die Allergene im Sellerie sind häufig stabiler als die im Obst; bei entsprechender Unverträglichkeit können die allergischen Reaktionen in manchen Fällen daher bedrohlichen Charakter annehmen. Außer der Vermeidung der betreffenden Speisen oder einem Versuch, durch Kochen der Nahrungsmittel ihre Verträglichkeit zu verbessern, gibt es leider keine andere wirksame Behandlungsmöglichkeit bei dieser Form der Allergie.

3.2 Pilzsporen — als Allergene häufig verdächtigt, oft überschätzt und wenig erforscht

Eine weitere Quelle von Atemwegsallergenen stellen die Sporen oder andere Bestandteile von Schimmelpilzen dar. Die Biologie kennt eine verwirrende Vielzahl von Arten. Glücklicherweise sind es jedoch nur wenige Vertreter, die für saisonale oder ganzjährige allergische Beschwerden an den Schleimhäuten verantwortlich sind.

Primitive Pilze als Allergieauslöser

Die Pilzallergene bestehen aus einer komplexen Mischung von verschiedenen Eiweißstoffen. Die Herstellung von zuverlässigen Allergentestlösungen für die Erkennung oder die Behandlung dieser Allergien wirft daher außerordentlich große Probleme auf und ist bisher nur unzureichend gelöst.

Eine seltene Allergie mit schwierigem Nachweis

Das Wachstum und die Anzahl der freigesetzten Pilzsporen wird durch hohe Luftfeuchtigkeit und warme Außentemperaturen begünstigt. In unseren Breitengraden finden wir daher nur in der warmen Jahreszeit unter bestimmten Wetterbedingungen (z.B. Gewitter, feucht-schwüle Tage) hohe Konzentrationen von Schimmelpilzbestandteilen in der Luft. Unter bestimmten Bedingungen kann es in einer feuchten Wohnung mit ausgeprägtem Schimmelpilzbefall bei Personen mit erhöhter Atopiebereitschaft zu einer Allergie der Atemwege kommen. In solchen Fällen ist es selbst für den allergologisch erfahrenen Arzt außerordentlich schwierig, den eindeutigen Zusammenhang zwischen Schimmelpilzbelastung und allergischen Beschwerden sicherzustellen. Dazu wäre nämlich die Identifizierung des Schimmelpilzes in den befallenen Räumen, eine Testung mit zuverlässigen Extrakten und möglicherweise ein positiver Schleimhauttest erforderlich.

Was tun bei Schimmelpilzallergie?

Um der Entstehung oder dem Auftreten einer Schimmelpilzallergie vorzubeugen, kommen verschiedene Maßnahmen in Frage (Tabelle 2). Sie beruhen weniger auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als dem gesunden Menschenverstand.

Tabelle 2: Maßnahmen bei Schimmelpilzallergie

  • Haus oder Wohnung sollten gut gelüftet sein und die Luftfeutigkeit sollte niedrig gehalten werden (keine Luftbefeuchter)
  • Wände, Fußboden und Einrichtungsgegenstände sollten trocken sein
  • Feuchte Stellen hinter Möbeln und Wandverkleidungen sollten umgehend beseitigt werden
  • Zimmerpflanzen enthalten in der Erde häufig Schimmelpilze und sollten daher vermieden werden
  • Verderbliche Lebensmittel im Kühlschrank lagern und Küchenabfälle rechtzeitig beseitigen
  • Vorsicht bei Gartenarbeiten: der Kompost kann ebenfalls Schimmelpilze bergen
  • Bei feucht-warmem Wetter (Gewitter) können hohe Belastungen mit Schimmelpilzsporen auftreten

Wohn- oder Arbeitsräume mit nachgewiesenem Schimmelpilzbefall sollten gründlich saniert werden. Der Erfolg dieser Maßnahme steht und fällt häufig mit der ursprünglichen Bausubstanz und ihrer vorschriftsmäßigen Isolierung. Leider sind in manchen Fällen ganz erhebliche bauliche Eingriffe erforderlich, um bestimmte Räume trocken und schließlich schimmelpilzfrei zu bekommen. Außerdem sollte man als Schimmelpilzallergiker Zurückhaltung mit Zimmerpflanzen walten lassen, da auch diese bzw. ihre Topferde mit Pilzbestandteilen durchsetzt sein können. Ein vorbeugendes Mittel gegen die besonders im Sommer in der Außenluft vorkommenden Schimmelpilzsporen gibt es leider nicht. Allerdings bieten medikamentöse Behandlung oder eine gezielte Immuntherapie gute Möglichkeiten, derartige Beschwerden zu lindern. Es sei noch einmal betont, daß echte Schimmelpilzallergien ein relativ seltenes Phänomen sind, das in der öffentlichen Meinung häufig überschätzt wird.

3.3 Tierbestandteile als Allergene — zunehmende Tierhaltung bedeutet höheres Allergierisiko

Eine wichtige Quelle von fremden Eiweißstoffen, auf die unser Immunsystem überempfindlich mit einer Allergie reagieren kann, stellen die Tiere in unserer engeren Umgebung dar.

Tiere sind Allergenproduzenten

Eigentlich sind diese tierischen Eiweißstoffe weder giftig noch gefährlich. Nur der Allergiker mit seiner übertriebenen Reaktionsbereitschaft trägt ein hohes Risiko, sich zu sensibilisieren und anschließend auf Tierbestandteile eine Überempfindlichkeit zu entwickeln. Dabei spielt es keine Rolle, um welches Tier es sich handelt, denn eine Allergie ist gegen jede Tierart möglich, die unseren Organismus fremden Eiweißstoffen aussetzt.

Zunehmende Haustierhaltung -Zeichen grenzenloser Tierliebe?

In den letzten Jahren hat die Haustierhaltung stetig zugenommen. Parallel dazu haben immer mehr Allergiker Beschwerden gegen ihre felltragenden Freunde entwickelt. Insofern ist unsere Tierliebe und der Wunsch nach einem eigenen Haustier sicherlich mit verantwortlich für die allgemeine Zunahme der Allergiehäufigkeit, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat. Häufig wird von den Betroffenen dieser Zusammenhang verharmlost oder verleugnet, um den notwendigen Konsequenzen, dem Abschied von dem vierbeinigen Artgenossen und der Entfernung des Tieres aus dem Wohn- oder Arbeitsbereich, zu entgehen.

Nicht nur die Haare tragen Allergene

Die allergieauslösenden Eiweißstoffe befinden sich nicht nur im Fell der Tiere, sondern können in sämtlichen Körperausscheidungen (Speichel, Serum, Urin, Kot) enthalten sein. Insofern ist auch ein kurzes Fell des Tieres nicht gleichbedeutend mit Allergenarmut, da dies nur ein Faktor bei der Entstehung und Verbreitung der verantwortlichen Allergene ist. Überempfindlichkeitsreaktionen nach Katzenkontakt gehören zu den Tierallergien, die bisher am besten untersucht worden sind. Viele dieser Erkenntnisse sind nach heutigem Wissensstand auf andere Tierarten übertragbar.

Der Weg der Katzenallergene

Das Hauptallergen der Katze befindet sich in großen Mengen im Speichel. Durch das regelmäßige Säubern und Lecken des Felles gerät dieses Allergen, ein leichter und ausgesprochen haftfreudiger Eiweißstoff, an das Haarkleid des Tieres. Von dort aus gelangen die Allergene, mit oder ohne Haare, in die Raumluft, wo sie sich erst nach einiger Zeit als Schwebstoff am Boden, den Einrichtungsgegenständen und sogar an den Wänden und der Decke absetzen können. Je länger eine Katze gehalten wird, um so mehr Allergene können sich auf diese Art und Weise im Wohnbereich sammeln.

Zu klebrig, um sie loszuwerden

Selbst bei gründlicher Reinigung sind sie aufgrund ihrer klebrigen Eigenschaft schwer zu beseitigen, da sie sich von den Wänden, Tapeten und von stoffhaltigen Einrichtungsgegenständen kaum entfernen lassen.

Wenn Tiere unfreiwillig Asthma verursachen

Bei vielen Tierhaltern bleiben die allergischen Beschwerden nicht auf die Schleimhaut der Augen und der Nase beschränkt, sondern es entwickelt sich nach einiger Zeit (Monate bis Jahre) ein allergisches Asthma. Da diese Krankheit bei Nichtbeachtung und unzureichender Behandlung chronisch werden kann, sind viele unserer vierbeinigen Freunde unfreiwillig für die Entwicklung einer schweren, dauerhaften Erkrankung der Atemwege verantwortlich.

Schmerzlicher Verzicht – die beste Lösung

Aus diesen Gründen ist die beste Vorbeugungs- und Behandlungsmaßnahme für den Allergiker, auf Tierhaltung völlig zu verzichten. Das gilt für die Vorbeugung bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko (wenn z.B. ein oder zwei Familienmitglieder bereits Allergiker sind), aber erst recht für jede Person, die bereits Beschwerden gegen das eigene Haustier entwickelt hat. Im letzteren Fall sollte wirklich keine Zeit versäumt werden, vertrauenswürdige Interessenten zu finden, denen man das Tier langfristig zur Pflege geben kann. Eile ist geboten, wenn sich bereits ein Bronchialasthma mit Husten und Atemnot, ausgelöst durch die Tiere, angekündigt.

Auch nach Entfernung der Tiere aus dem häuslichen Bereich bedarf es trotz intensiver Reinigung einige Zeit, bis die Tierallergene soweit reduziert sind, daß keinerlei Beschwerden mehr verursacht werden können. Insofern kann es in Einzelfällen ein halbes bis ein dreiviertel Jahr dauern, bis die Räumlichkeiten wieder völlig “allergenfrei” sind.

Entfernung der Allergene – nicht von heute auf morgen möglich

Dieser Vorgang läßt sich möglicherweise durch komplette Renovierung und gründliche Säuberungsaktion unter Einbeziehung sämtlicher Möbel beschleunigen; aber selbst dann kann man noch häufig die Tierallergene in geringen Mengen mit geeigneten Methoden nachweisen. Wir wissen mittlerweile, daß derartig geringe Mengen in der Regel ausreichend sind, um den allergischen Sensibilisierungsprozeß in Gang zu setzen. Insofern entwickeln nicht nur Tierhalter eine entsprechende Allergie, sondern auch Personen, die vielleicht nur sporadisch oder für kurze Zeit Kontakt mit dem betroffenen Tier hatten. So kann z.B. ein Zirkusbesuch bereits ausreichend sein, um eine entsprechende Überempfindlichkeit gegen Tiere zu entwickeln.

Es existieren wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die durch sporadischen Tierkontakt ausgelöste Beschwerden verhindern. Bei fortgesetztem Allergenkontakt, also bei Tierhaltung im Hause, sind derartige Behandlungen allerdings nicht in dem Maße wirksam, um vor der Allergie dauerhaft zu schützen.

Notlösung für Tierallergiker

Kommt es für Sie oder für den betroffenen Allergiker überhaupt nicht in Frage, sich von dem Tier zu trennen, sollte zumindest der private Schlafbereich für die Tiere absolut verschlossen bleiben. Dadurch wird es wenigstens nachts möglich, den Anteil der eingeatmeten, allergengeschwängerten Luft gering zu halten. Besser noch wäre es, das Tier außerhalb des Wohnbereiches (z.B. im Garten) zu halten.

Besuch von Tierhaltern – Grund für unerwartete Beschwerden?

In besonders ausgeprägten Fällen einer Tierhaarallergie kann nicht nur das eigene Tier, sondern auch der indirekte Kontakt über andere Personen ein Problem darstellen. Kinder mit ausgeprägter Tierallergie können daher bereits beim Spiel mit Freunden allergische Beschwerden entwickeln, wenn diese engen Tierkontakt gepflegt haben, da ein nicht unbeträchtlicher Teil der Allergene an der Kleidung haften bleibt. In derartigen Fällen sollten die Personen mit Tierkontakt die Kleidung wechseln, um dem Allergiker Beschwerden durch den indirekten Allergenkontakt zu ersparen. Tabelle 3 faßt die Maßnahmen zusammen, die zur Vermeidung einer Tierallergie getroffen werden sollten.

Tabelle 3: Maßnahmen zur Vermeidung von Tierallergien

  • Haustiere und felltragende Säugetiere sollten nicht im Haus gehalten werden
  • Mindestvoraussetzung, falls eine Aufgabe der Tierhaltung unmöglich ist, Fernhaltung der Tiere vom Schlafbereich und wenn möglich, Haltung außerhalb des Hauses
  • Reduktion der Allergene kann durch regelmäßiges Baden der Tiere erzielt werden
  • Spezialfilter für Staubsauger oder Filteranlagen zur Entfernung der Allergene im Schwebstaub können aufgrund unzureichender Dokumentation ihrer Wirksamkeit nicht empfohlen werden
  • Bei Allergiebeschwerden durch indirekten Kontakt: Durch Wechseln der allergenbehafteten Kleidung können Tierhalter vor Besuchen bei Tierallergikern den indirekten Allergenkontakt verringern helfen
  • Die sorgfältige Berufsberatung und -planung bei Patienten mit erhöhter Allergiebereitschaft und Tierallergien kann einen wichtigen Stellenwert für den weiteren Verlauf der klinischen Allergie besitzen

Bei Allergiebereitschaft am besten gar keine Tiere

Auch gegenüber Vögeln werden bei der entsprechenden Bereitschaft (Neigung zur Atopie) Allergien beobachtet. Fische, oder genauer gesagt, ihr Futter — die rote Mückenlarve —, können ein Allergierisiko darstellen. Seltener sind Allergien bei Amphibien oder Reptilien wie Fröschen, Schildkröten oder Schlangen. Theoretisch ist aber auch bei diesen Tieren die Entwicklung einer Allergie möglich, da sie, wenn auch in geringerem Maße, artfremde Eiweißstoffe absondern. Insofern kann dem Allergiker kein Tier zur eigenen Haltung empfohlen werden.

Vorsicht bei Berufen mit Tierkontakt

Große Probleme wirft häufig der berufliche Umgang mit Tieren auf, wenn der Betreffende eine Allergie entwickelt. Die allergischen Symptome sind bei dauerhaftem Kontakt (z.B. Tierpfleger oder Tierärzte) mit Medikamenten praktisch kaum in den Griff zu bekommen. Derartige allergische Beschwerden am Arbeitsplatz können, falls neu aufgetreten, zu einer Berufskrankheit führen und werden als solche von den zuständigen Berufsgenossenschaften anerkannt.

Berufsallergie? Schnelles Handeln zahlt sich aus

Um eine Chronifizierung des Leidens (z.B. ein chronisches Bronchialasthma) zu verhindern, wäre es erforderlich, nach Bestätigung der allergischen Ursache umgehend den Beruf aufzugeben. Dies geschieht leider in vielen Fällen zu spät, so daß sich die zunächst allergisch ausgelösten Beschwerden häufig verselbständigen und schließlich auch bei vielen anderen Reizen auftreten. Wird die Arbeit dagegen rasch nach Erkennen der Allergie niedergelegt und dadurch der ständige Allergenkontakt wirksam verhindert, ist es möglich, dauerhafte und bleibende Beschwerden zu verhindern. Auch bei der Berufswahl unserer Kinder sollten diese Überlegungen eine wichtige Rolle spielen. Bei bekannter Allergiebereitschaft sollten bestimmte Berufe mit einem erhöhten Risiko zur Entwicklung einer Allergie unbedingt vermieden werden (Tabelle 4).

Tabelle 4: Berufe, die bei erhöhter Allergie- oder Asthmabereitschaft vermieden werden sollten

  • Mehlverarbeitende Berufe
    z.B. Bäcker, Konditor, Lagerarbeiter in Mehlsilos, Koch, Müller
  • Berufe mit engem Tierkontakt
    z.B. Tierarzt, Tierpfleger, Pferdewirt, Zoohändler, Schlachter, Vogelzüchter,
  • Jäger, Fischverarbeiter
  • Tischler oder andere holzverarbeitende Berufe
  • Gärtner, Florist, Landwirt, Forstwirt
  • Berufe oder Arbeiten mit Umgang mit Allergenen (z.B. Enzymen) oder chemisch-irritativ wirkenden Substanzen

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit nach E. Fuchs, Allergie – Was tun? Piper Verlag 1992

3.4 Hausstaubmilben als Allergene — ungebetene Gäste im Schlafbereich

Selbst ohne Haustierhaltung sind wir in unseren Wohnungen den Eiweißstoffen anderer Organismen ausgesetzt. Eine herausragende Rolle spielen dabei die Hausstaubmilben.

Milben – zu klein für das bloße Auge

Es handelt sich dabei um winzige Organismen von 0,1 mm Größe. Sie sind verwandt mit den Spinnen, haben allerdings einen plumpen Körper und können bei entsprechend starker Vergrößerung trotz ihrer harmlosen Natur recht furchteinflößend aussehen (Abb. 6). Sie sind auf der ganzen Welt verbreitet und bevorzugen ein feucht-warmes Klima. Ihre Ernährung besteht hauptsächlich aus menschlichen und tierischen Hautschuppen. Die angeführten Punkte, das feucht-warme Milieu und die Schuppenbildung, sind der Grund für extrem hohe Milbenzahlen im Schlafbereich.

Abb. 6: Stark vergrößerte Darstellung der Hausstaubmilbe (Dermatophagoides)

Die Allergene der Hausstaubmilbe werden mit den Kotballen ausgeschieden, die eintrocknen und sich mit dem Hausstaub vermischen. Im Gegensatz zu den Katzenallergenen, die leicht aufgewirbelt werden und lange im Schwebstaub der Raumluft verbleiben können, sinken die Hausstaubmilbenallergene durch ihre Verklumpungsneigung relativ rasch zu Boden. Sie finden sich in besonders hohen Konzentrationen, wo die Milben ungestört und unter günstigsten Bedingungen existieren, nämlich in und auf der Matratze, dem Kopfkissen und der Bettdecke.

Unsere Betten sind ihr Lebens(t)raum

Da diese selten komplett gereinigt werden, bilden sie schließlich ein ideales Reservoir für die Milben und ihre Allergene. Aber auch andere stoffliche oder textilartige Gewebe kommen als Lebensraum für die Milben in Frage, da sie sich dort mit ihren Füßchen festkrallen können. Selbst gründlichstes Staubsaugen ist daher nur von beschränkter Wirkung; außerdem wandern die Tiere häufig wieder rasch in die behandelten Zonen ein.

Sind Hausstaubmilben für alle Menschen gefährlich?

Für Menschen ohne Allergiebereitschaft sind allerdings die Hausstaubmilben und ihre Ausscheidungsprodukte weder giftig noch gefährlich und als völlig harmlos anzusehen. Anders sieht es für Menschen mit erhöhter Allergiebereitschaft aus.

Wie sich eine Hausstaubmilbenallergie äußert

Durch das fortgesetzte und regelmäßige Einatmen von Hausstaubmilbenpartikeln können sie im Laufe der Zeit eine Allergie gegen die Eiweißstoffe der Milbe entwickeln. Diese Beschwerden können das ganze Jahr über auftreten, sind aber möglicherweise in der kalten Jahreszeit aufgrund des Heizens und dem aufgewirbelten Schwebestaub stärker ausgeprägt. Sie äußern sich häufig als wäßriger, klarer Fließschnupfen oder in Form einer blockierten Nase überwiegend nachts oder nach einer Bettruhe. Auch regelmäßige Niesanfälle oder juckende bzw. tränende Augen nach dem Aufstehen können ein Hinweis auf eine Milbenallergie sein. Die Beschwerden lassen in der Schule oder am Arbeitsplatz in der Regel nach, da dort weniger Milben vorhanden sind als im Schlafbereich.

Chonisches Asthma durch eine maskierte Milbenallergie

Bei fortgesetztem nächtlichem Allergenkontakt entwickelt sich häufig eine asthmatische Komponente und zunehmende allgemeine Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut. Die bereits dargestellten Mechanismen der allergischen Entzündung fördern diesen chronischen Verlauf und Atembeschwerden können jetzt auch unabhängig von dem direkten Milbenkontakt bei anderen Auslösern auftreten. So kann es bei den betroffenen Milbenallergikern z.B. bei sportlichen Anstrengungen oder anderen Belastungen zu Husten, Schweratmigkeit und schließlich Atemnot kommen. Diese Form der allgemeinen Überempfindlichkeit verstellt häufig den Blick auf die eigentliche Ursache: die ausgeprägte Milbenallergie in Kombination mit einer möglicherweise hohen Allergenbelastung im eigenen Schlafbereich.

Feucht-warmes Raumklima – ein Hausstaubmilbenparadies

Aufgrund der Erkenntnisse der letzten Jahre wissen wir heutzutage wesentlich mehr über die Hausstaubmilbe und ihre Lebensbedingungen. Die zunehmend bessere Dämmung und Isolation unserer Wohnstätten hat die Verbreitung der Milbe in unseren Wohnungen sicherlich begünstigt. Ein warmes Raumklima mit hoher Luftfeuchtigkeit, z.B. durch geringe Lüftung, Kohleheizung oder ein niedriges Stockwerk, sind offenbar begünstigende Faktoren für die Hausstaubmilbenbesiedelung. In großer Höhe (ab 1500 m) kommen Milben dagegen kaum noch vor.

Was können wir tun, wenn eine drohende, z.B. bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko, oder bereits bestehende Milbenallergie uns zum Handeln zwingt? Die Maßnahmen sollten sich zunächst auf den Schlafbereich konzentrieren. Der Kauf einer neuen Matratze ist keine dauerhafte Lösung, da die Milben diese bekanntlich nach kurzer Zeit neu besiedeln.

Moderne Kunst im Schlafzimmer – das Bett wird eingepackt

Bewährt haben sich spezielle Matratzenüberzüge, die auf ihrer Unterseite beschichtet sind oder, aus Mikrofasern bestehend, undurchlässig für kleine Partikel sind. Dadurch werden die Milbenallergene gewissermaßen abgeschirmt und können nicht mehr in Kontakt mit der Schleimhaut unserer Atemwege kommen. Das Gewebe ist andererseits durchlässig für Schwitzwasser, so daß der Schlafkomfort nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Das Kissen und die Bettdecke müßten selbstverständlich mit gleichartigen Spezialüberzügen ausgestattet werden, da auch sie ein wichtiges Milbenreservoir darstellen. Eine Alternative wären Kopfkissen- und Bettdeckenfüllung aus einem Material, das sich problemlos bei 60 °C waschen läßt. Bei dieser Temperatur werden die Milben abgetötet und die Allergene durch den Waschvorgang beseitigt. Dies muß in regelmäßigen Abständen, ähnlich häufig wie das Waschen der Bettwäsche, erfolgen.

60 °C in der Waschtrommel überleben die Milben nicht

Tatsächlich ist es mit Hilfe dieser Maßnahme möglich, die Allergenbelastung durch Milbenbestandteile im häuslichen Bereich dramatisch zu reduzieren. Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Milbenallergiker, auf diese Weise behandelt, nach einiger Zeit deutlich weniger Beschwerden aufweisen und die allgemeine Schleimhautüberempfindlichkeit abnimmt.

Zahlt Ihre Krankenkasse?

Trotz dieser nachgewiesenen Wirksamkeit sind die Krankenkassen nur unter bestimmten Umständen bereit, die Kosten für derartige Bettextilien teilweise zu übernehmen. Sprechen Sie mit ihrem Arzt, falls Sie an einer ausgeprägten Milbenallergie leiden oder bei ihrem Kind ein hohes Risiko besteht, eine solche zu entwickeln. Vielleicht hilft ein Begleitbrief von ihm an die Krankenkasse in dieser Sache weiter; verweisen Sie außerdem auf ein Gerichtsurteil, in dem derartige Maßnahmen als Heilmittel anerkannt worden sind (Entscheidung des Bundessozialgerichts, AZ.: 1 RK 18/94).

Weitere Maßnahmen bei Hausstaubmilbenallergie

Bei ausgeprägter Hausstaubmilbenallergie kann man weitergehende Maßnahmen im Schlaf- und Wohnbereich erwägen. Ein glatter Fußbodenbelag ist besser durch feuchtes Wischen zu reinigen als ein Teppich oder Teppichboden, die selbst mit leistungsstarken Staubsaugern nicht von den Milben befreit werden können. Seit einigen Jahren werden milbenabtötende Mittel (Akarazide) in Form von seifenhaltigem Teppich- oder Trockenschaum in Apotheken vertrieben, die, regelmäßig eingesetzt, die Milben und ihre Allergene beseitigen sollen. Während unter Laborbedingungen durchaus ein günstiger Effekt zu sehen ist, zeigen die Ergebnisse aus längeren Anwendungsstudien jedoch, daß derartige Mittel für den Hausgebrauch nicht geeignet und daher nicht zu empfehlen sind.

Milbenfreie Kuscheltiere

Staub- und Milbenfänger wie Polster, Vorhänge oder Stofftiere sollten in die Sanierungsbemühungen einbezogen werden. Für Kinder stellen Kuscheltiere, die bei 60 °C waschbar sind, eine Alternative dar. Ist dies nicht möglich, kann eine Milbenbesiedlung durch regelmäßige Hitzebehandlung (Backofen bei 60 bis 80 °C) oder Kältebehandlung (Tiefkühltruhe für eine Woche) niedrig gehalten werden. Generell sollte das Raumklima im Schlafbereich trocken und kühl sein; regelmäßiges Lüften der Bettwäsche kann hilfreich sein, da UV-Licht die Milbenbesiedlung reduziert. Maßnahmen außerhalb des Schlafzimmers sollten mit Bedacht und abhängig von der Ausprägung der Milbenallergie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt vorgenommen werden.

Gefahr durch Hausstaubmilben nur bei Allergie!

Zum Schluß sei noch einmal betont, daß all diese Maßnahmen (Tabelle 5) für Personen ohne Allergierisiko und ohne Milbenallergie völlig ohne Belang sind, da die Hausstaubmilben für alle Nicht-Allergiker absolut harmlose, wenn auch dauerhafte Mitbewohner darstellen.

Tabelle 5: Maßnahmen zur Vorbeugung einer Milbenallergie bzw. zur Vermeidung von Beschwerden durch Hausstaubmilben

  • Zunächst sollte vor allem der Schlafraum in die Maßnahmen einbezogen werden:
  • Matratze, Kissen und Bettdecke sollten mit milbenallergenundurchlässigen Spezialbezügen bezogen werden
  • Eine Alternative stellen Kissen und Bettdecken aus einem Material dar, das bei 60°C gewaschen werden kann
  • Das Bettzeug sollte alle 1-2 Wochen bei 60°C gewaschen werden
  • Die Vorhänge sollten ebenfalls bei 60°C waschbar sein und regelmäßig gewaschen werden
  • Teppiche oder Teppichboden im Schlafzimmer sollten durch glatte Fußbodenbeläge ersetzt werden (z.B. Dielen, Parkett, Fliesen, synthetische Materialen u.a.)
  • Polstermöbel durch Möbel mit glatten Oberflächen ersetzen (Holz, Leder, synthetische Materialien)
  • Stofftiere möglichst vermeiden oder regelmäßig heiß bei 60°C waschen oder zur Milbenreduktion für eine Woche bei -20°C (z.B. in einer Tiefkühltruhe) aufbewahren
  • Raumtemperatur und Luftfeutigkeit niedrig halten
  • Milbenabtötende Mittel (Akarazide) können nach heutigem Kenntnisstand nur bedingt zur häuslichen Milbensanierung empfohlen werden

3.5 Vorbeugende Maßnahmen für Kinder mit stark erhöhtem Allergierisiko

Falls eine familiär bedingte, erhöhte Allergiebereitschaft zu erwarten ist, können vorbeugende Maßnahmen das Auftreten einer Allergie verzögern oder verhindern. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Untersuchungen durchgeführt worden, um zu klären, welche Maßnahmen für diese sogenannten Hochrisikokinder wirklich wichtig sind. Von Hochrisikokindern spricht man, wenn es bereits zwei Allergiker in der Familie gibt (Verwandtschaft ersten Grades, d.h. Eltern oder Geschwister) und daher die Entwicklung einer Allergie wahrscheinlich ist.

Was tun bei hohem Allergierisiko?

Die Frage, ob Mütter während der Schwangerschaft bereits eine allergiearme Diät einhalten sollten, um dem ungeborenen Kind eine frühzeitige Nahrungsmittel-Allergie zu ersparen, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Die unterschiedlichen Forschungsergebnisse rechtfertigen bisher keine Diätbeschränkungen.

Durch konsequentes Stillen treten Nahrungsmittelallergien seltener und später auf

Nach der Geburt sollten die Kinder sechs Monate lang von der Mutter gestillt werden. In diesem halben Jahr sollte, wenn möglich, keine andere Nahrung hinzugefüttert werden. Da in besonderen Fällen bereits kleine Mengen der mütterlichen Nahrung in die Brustmilch übertreten können, sollte die Mutter auf potente Allergene in der Nahrung (Fisch, Ei, Nüsse) verzichten.

Wenn das Stillen nicht möglich ist

Ist das sechsmonatige Stillen des Kindes nicht möglich, wird bei hohem Allergierisiko die ausschließliche Ernährung durch industriell gefertigte, allergenfreie Babynahrung (extensiv hydrolysierte Formula) empfohlen. Diese Präparate bestehen aus den Spaltprodukten von Kuhmilcheiweiß, die zu klein sind, um eine
Allergie im Körper auszulösen. Auf diese Art und Weise können Nahrungsmittelallergien des Säuglings in den ersten sechs Monaten sicher verhindert werden. Zu diesem Zweck stehen zahlreiche Präparate zur Verfügung, die sich in ihrer Zusammensetzung und Tauglichkeit unterscheiden. Fragen Sie daher ihren Kinderarzt, welches Präparat er für Ihr Kind empfiehlt und mit welchem er die besten Erfahrungen gemacht hat.

Ei, Nüsse und Fisch erst nach dem 2. oder 3. Lebensjahr

Durch die ausschließliche Brustmilchernährung über sechs Monate können Nahrungsmittelallergien gegen Milch, Ei oder andere Lebensmittel vermieden werden; Allergien der Atemwege, die einige Jahre später auftreten, werden nicht verhindert. Beim Zufüttern von anderer Nahrung ca. 6 Monate nach der Geburt sollten die potenten Allergene (Fisch, Ei, Nüsse) nicht gegeben werden. Es wird empfohlen, diese dem Kind erst nach dem zweiten bzw. dem dritten Lebensjahr anzubieten, wenn die Bereitschaft, eine Nahrungsmittelallergie zu entwickeln, bereits deutlich geringer ist. Bedenken Sie, daß all diese Maßnahmen wirklich nur bei hohem, familiär gegebenem Allergierisiko notwendig sind.

Tabakrauch schädigt das Kind und fördert die Allergieentwicklung

Wir wissen mittlerweise, daß Tabakrauch während und nach der Schwangerschaft dem (potentiell allergischen) Kind großen Schaden zufügt. Das kindliche Immunsystem wird angeregt, die Allergie-auslösenden IgE-Antikörper zu bilden. Das ist genau das Gegenteil von dem, was erreicht werden soll, nämlich die Vermeidung von Allergien. Außerdem werden durch das passive Mitrauchen die Atemwege nachhaltig geschädigt; das Risiko, ein frühkindliches Bronchialasthma zu entwickeln, wird begünstigt. Es kann daher gar nicht eindringlich genug betont werden, wie wichtig es für Ihr Kind ist, im häuslichen Bereich nicht dem Rauch ausgesetzt zu sein.

Welche Maßnahmen verhindern allergische Beschwerden bie Kindern?

Konsequente Allergenvermeidung im häuslichen Bereich umfaßt einen milbenarmen Wohn- und Schlafbereich (Tabelle 5) und der Verzicht auf Tierhaltung im Haus. Auch diese Maßnahmen sind natürlich nur sinnvoll, wenn bei einem oder zwei Familienmitgliedern bereits eine Allergie vorliegt. Später, wenn das Ende der Schulausbildung abzusehen ist, sollte die Berufsberatung genutzt werden, um berufsbedingte Allergien zu vermeiden. Bestimmte Berufe, z.B. Bäcker oder Tierpfleger, bergen ein hohes Risiko, bei entsprechender Bereitschaft eine Allergie zu entwickeln (Tabelle 4). Auch hier kann durch eine frühzeitige Weichenstellung die Entstehung einer Allergie bzw. eines allergischen Asthmas rechtzeitig vermieden werden.

Allergenarmer Haushalt? Ja!

Sämtliche aufgeführten Maßnahmen sind durch zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigt worden. Bei darüber hinausgehenden Empfehlungen mit erheblichen Einschränkungen sollten Sie allerdings zunächst mit Ihrem Arzt besprechen, ob Sie wirklich zur Vorbeugung einer Allergie Ihres Kindes geeignet sind. Leider werden von manchen Heilern Maßnahmen und Veränderungen der Lebensführung empfohlen, die über ein vertretbares Maß erheblich hinausgehen und nicht durch entsprechende Untersuchungsergebnisse gestützt werden können. Informieren Sie sich daher eingehend, bevor Sie Tips oder Maßnahmen befolgen, deren Tauglichkeit zur Allergievermeidung nicht belegt ist.

Steriles Gefängnis? Nein!

Eine drohende Allergie soll schließlich nicht zu einem selbstentworfenen Gefängnis werden, das ein normales Aufwachsen und Leben unmöglich macht. Es ist gleichzeitig unerläßlich, offen, aber auch kritisch gegenüber Informationen aus der Presse und anderen Quellen zu bleiben. Suchen Sie sich daher anerkannte, kompetente Gesprächspartner, die etwas von der Sache verstehen und denen Sie vertrauen. Schließlich können viele Fragen, &oumlngste und Bedenken durch informative Gespräche bearbeitet werden.

3.6 Andere Allergene und ihre mögliche Bedeutung

Bei den bisher besprochenen Allergenen handelt es sich um die wichtigsten Vertreter, die mit großer Häufigkeit zu einer Überempfindlichkeit des menschlichen Immunsystems, also zu einer Allergie führen.

Was macht das Allergen zum Allergen?

Bisher ist nicht bekannt, was für Eigenschaften diese ursprünglich harmlosen Eiweißstoffe haben, die bei Menschen mit der entsprechenden familiären Bereitschaft eine solche Überreaktion der körpereigenen Abwehr auslösen. Viele dieser Stoffe sind sogenannte Enzyme mit eiweißspaltenden Fähigkeiten. Es ist durchaus denkbar, daß Allergene mit diesen Eigenschaften besser in die Schleimhaut eindringen und das Immunsystem aktivieren können.

Kontakt zu Fremdeiweiß birgt ein Allergiepotential

Neben den häufigen Allergenen kommen allerdings sämtliche fremde, d.h. nicht menschlichen Proteine als mögliche Ursache für die Entwicklung einer Allergie in Frage. Solch ein Prozeß kann z.B. durch täglichen Kontakt am Arbeitsplatz ausgelöst werden. Der Bäcker, der auf Eiweißbestandteile im Mehl oder aus der Teigverarbeitung mit Allergie und Asthma reagiert, ist ein Beispiel. Aber auch in vielen anderen Berufen, in denen regelmäßiger Kontakt zu Eiweißbausteinen besteht, die über einen längeren Zeitraum inhaliert werden, kann es zur Entwicklung einer Allergie der Atemwege kommen.

Die Natur als größter Allergenproduzent

Da die Natur der wichtigste Produzent von unterschiedlichen Eiweißstoffen (Proteinen) ist, sind die meisten verantwortlichen Stoffe natürliche Allergene aus pflanzlichen oder tierischen Produkten. Dies gilt allerdings nur für die hier besprochenen IgE-vermittelten Allergien und nicht den Bereich der verzögert auftretenden Hautallergien (Typ-IV Allergien) auf Stoffe oder Moleküle geringer Größe.

“Natürliche” Wildseide – ein aggressives Allergen

In seltenen Fällen kann eine häusliche Allergie der Atemwege auch durch “exotische” Allergene ausgelöst werden, die sich der oberflächlichen Betrachtung entziehen. So können z.B. Wildseiden-Produkte, die in Textilien und Decken verarbeitet werden und die bekanntlich noch eine Restmenge an Protein aus der Seidenraupenlarve enthalten, für das plötzliche Auftreten eines allergischen Asthmas verantwortlich sein.

Schädlinge in der Speisekammer – auch ein Grund für Allergien

Insektenbefall in der häuslichen Umgebung oder am Arbeitsplatz hat schon bei manchem Patienten zu charakteristischen Allergien geführt: Verschiedene Arten von Käfern, Motten und Fliegen sind in diesem Zusammenhang beschrieben worden.

Nächtliche Bisse von Taubenzecken – Ursache für gefährliche Allergien mit hoher Dunkelziffer

In den neuen Bundesländern sind in jüngerer Zeit vermehrt Reaktionen bei Bewohnern in Altbauten aufgetreten, deren Dachstühle als Nistplätze für Tauben dienten und Lebensgrundlage für einen blutsaugenden Schmarotzer, die Taubenzecke, bildeten. Bei Versiegen der Nahrungsquelle können diese äußerst genügsamen Tiere auf Wanderschaft gehen und in menschliche Wohnungen oder ausgebaute Dachgeschoßetagen gelangen. Nach mehrfachem Taubenzeckenbiß und dadurch bedingtem Kontakt mit bisher nicht identifizierten Eiweißstoffen aus der Taubenzecke kann es zu heftigsten allergischen Reaktionen kommen. Sie ähneln sehr stark den Insektenstichreaktionen, da auch hier die verantwortlichen Allergene offenbar direkt in die Blutbahn gelangen.

Die Klärung einer “exotischen” Allergie ist häufig nicht einfach, da sich die Allergenquelle der oberflächlichen Betrachtung völlig entziehen kann. Eine Liste von seltenen Allergenen finden Sie in Tabelle 6.

Tabelle 6: Eine Auswahl seltener Allergenquellen und ihr Vorkommen (in Klammern, ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

  • seltene felltragende Tiere (Haus, Zoo oder Zirkus, Pelze, Tierpräparate)
  • Vögel und Federvieh (Hobby und Beruf)
  • Insekten, z.B. Käfer, Motten, Fliegen u.a. (Lebensmittelvorräte)
  • Taubenzecke (Häuser mit nistenden Tauben)
  • rote Mückenlarve (Fischfutter)
  • Wildseide (Stoffe, Textilien, Decken)
  • pflanzliche und tierische Enzyme (Pharmaindustrie u. andere Betriebe)
  • Mehl und Getreide (Bäckereibetriebe)
  • Kräuter (Apotheken, Drogerien)
  • Latex (Produkte aus Naturgummi: Gummihandschuhe, Luftballons u.v.a.)

Allerdings sollten Sie berücksichtigen, daß in erster Linie der Personenkreis mit ererbter erhöhter Allergiebereitschaft von diesem Risiko einer allergischen Empfindlichkeit betroffen ist. Beim Atopiker kann das ständige Ausgesetztsein gegenüber einem fremden Eiweißstoff zur Sensibilisierung und schließlich zu allergischen Beschwerden führen. Da diese, zumindest zu Beginn der Erkrankung, ausschließlich im Zusammenhang mit dem Allergenkontakt auftreten, ist die wirksamste Behandlung derartiger Beschwerden die vollständige Meidung (Allergenkarenz) der verantwortliche Auslöser.

Allergenvermeidung ist möglich

Besonders trifft das für Allergene zu, deren Vorkommen und Auftreten in unserem Lebensbereich wir nachhaltig beeinflussen können (Tiere, Berufsallergene, exotische Allergene). Der betroffene Allergiker ist also keineswegs seinen Beschwerden hilflos ausgeliefert, sondern kann in vielen Fällen einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung und Vorbeugung leisten.

3.7 Allergie gegen Insektengift — ein Sonderfall

Seit langem ist bekannt, daß Personen nach einem Bienen- oder Wespenstich eine akute allergische Reaktion entwickeln können. Die Beschwerden können von lokalen Schwellungen, einer Quaddelbildung am gesamten Körper und akuter Atemnot bis zu lebensbedrohlichen Symptomen (sogenannter allergischer oder anaphylaktischer Schock) reichen.

Wenn Bienen- oder Wespenstiche unangenehme Folgen haben…

Die Ursache ist eine Allergie, d.h. eine überschießende Produktion von IgE-Antikörpern gegen das Insektengift. Anders als bei den oben besprochenen Atemwegsallergien gelangt hier das Allergen allerdings direkt in die Blutbahn und wird dadurch rasch im ganzen Körper verteilt. Reaktionen können daher an verschiedenen Organen, selbst in weiter Entfernung vom ursprünglichen Stich auftreten.

Jeder Mensch kann eine Insektengiftallergie entwickeln

Offenbar sind aber nicht nur Menschen mit erhöhtem Allergierisiko (Atopie) gefährdet. Im Gegensatz zu den atopischen Allergenen, die bisher besprochen wurden, können bestimmte Insektengiftbestandteile von Biene oder Wespe bei jedem Menschen unabhängig von der familiären Atopiebereitschaft eine Allergie verursachen. Aus ungeklärten Gründen wird das Immunsystem bei manchen Menschen nach einem Insektenstich, der in der Regel noch keine Beschwerden verursacht, aktiv und bildet die verhängnisvollen IgE-Antikörper. Sie kreisen anschließend in der Blutbahn und setzen sich auf die Mastzellen, die für die akute allergische Reaktion verantwortlich sind. Bei erneutem Insektenstich reagieren die Antikörper mit den Giftbestandteilen, gegen die sich der Körper sensibilisiert hat, und können dadurch innerhalb weniger Minuten die allergische Reaktion starten.

Viele Reaktionen sind möglich

Das Ausmaß der körperlichen Symptome, die auch verzögert nach einer halben Stunde auftreten können, entzieht sich jeder Vorhersage. Nach heutigem Kenntnisstand läßt sich nur in Grenzen vorhersagen, wie die Reaktion nach einem weiteren Insektenstich verlaufen wird. Im Einzelfall kann also eine Insektenstichreaktion bei der nächsten Gelegenheit stärker, aber auch schwächer ausfallen.

Wespen in der Stadt, Bienen auf dem Land

Von den Wespen wissen wir, daß sie nicht notwendigerweise das gesamte Gift in einem Stich abgeben, sondern manchmal nur einen Teil davon. Außerdem ziehen sie ihren Stachel heraus, während bei einem Bienenstich meistens der gesamte Stachel einschließlich des beutelförmigen Giftapparates in der Einstichstelle verbleibt.

Bei schwerer Reaktion unbgedingt Allergieabklärung

Ist es in der Vergangenheit bereits zu allergischen Reaktionen, die über eine Schwellung hinausgegangen sind, gekommen, sollte bei erneutem Stich umgehend der Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden. Außerdem sollte im Anschluß eine Überweisung an einen allergologischen Fachkollegen erfolgen, der die notwendigen Schritte zur Aufklärung dieser Allergie einleitet.

Die Immuntherapie mit Allergenen (Hyposensibilisierung) hilft

Abhängig von dem Schweregrad dieser Reaktion und den diagnostischen Befunden wird er eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung, Impfung mit Allergenen) mit dem verantwortlichen Insektengift durchführen. Diese Behandlung wird im Falle der Insektengiftallergie für mindestens drei Jahre durchgeführt und bietet einen nachgewiesenen Schutz vor weiteren Insektenstichreaktionen. Da die spezifische Immuntherapie später erläutert wird (Kapitel 5.6 Immuntherapie), soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden.

Wenn Sie Notfallmedikamente bei sich tragen müssen

Außerdem wird Ihr Arzt Sie mit der Nutzung einer Notfallapotheke vertraut machen, die sie gegebenenfalls während der Insektenflugzeit ständig bei sich tragen sollten. Zur Ausrüstung gehören ein Adrenalin-Spray und/oder eine Adrenalin-Spritze, die beide das körpereigene Streßhormon enthalten, das einem gefährlichen, durch die Allergie ausgelösten Blutdruckabfall entgegenwirkt. Außerdem ist unter den Notfallmedikamenten ein Histaminblocker (Antihistaminikum) und ein Kortison-Präparat, dessen Wirkung allerdings erst nach zwei bis drei Stunden einsetzt. Bei bedrohlichen Zwischenfällen ist die Inhalation und Injektion des Adrenalins die wichtigste Maßnahme, die auf keinen Fall verzögert werden sollte. Durch das Anlegen einer Staubinde oberhalb des Stiches, falls er in die Arme oder Beine gelangt ist, kann versucht werden, den Weitertransport des Giftes zu verzögern. Weitere Verhaltensmaßregeln, um einen Insektenstich zu vermeiden, sind in Tabelle 7 zusammengestellt.

Tabelle 7: Verhaltensempfehlungen bei einer Insektenstichallergie (Wespen- oder Bienengift)

  • Die Notfallapotheke und einen Allergiepaß sollten Sie in der Flugsaison der betreffenden Insekten immer bei sich tragen
  • Die Umgebung (Familie, Arbeitsplatz, Schule, Urlaubsfreunde) sollte über Ihre Allergie informiert sein
  • Vorsicht in Gärten mit herumliegendem Fallobst und Meiden von Picknicks und Mahlzeiten mit Fleisch, Obst und Süßigkeiten im Freien
  • Kleidung nicht zu bunt, sondern einfarbig und hell. Entsprechende Kleidung bei der Arbeit im Freien (feste Handschuhe, lange Hosen, langärmelige Hemden oder Blusen). Vermeiden von Sandalen; nicht barfuß auf Wiesen laufen
  • Verzicht auf starke, insektenanlockende Gerüche (z.B. Parfums, Haarsprays, Sonnencremes mit starkem Duft).
  • Fenster des Schlafzimmers tagsüber geschlossen halten
  • Ruhe bewahren in der Nähe von Insekten

 
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