Kapitel 2

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Pollen, Milben und Co. – Was tun bei Allergien?
Ratschläge für Patienten und Betroffene

2. Erkrankungen, die durch eine Allergie entstehen können

2.1 Allergische Bindehautentzündung und allergischer Schnupfen
2.2 Allergisches Asthma
2.3 Allergische Quaddelbildung
2.4 Atopisches Ekzem (Neurodermitis) – eine häufige Begleiterkrankung
2.5 Nahrungsmittelallergien


2 Erkrankungen, die durch eine Allergie entstehen können

2.1 Allergische Bindehautentzündung und allergischer Schnupfen

Am häufigsten äußert sich eine Allergie der Schleimhäute als sogenannter Heuschnupfen mit Beschwerden an der Nase und den Augen. Ist eine Sensibilisierung (Entstehungsprozeß der Überempfindlichkeit des Immunsystems) erst einmal eingetreten, können bei erneutem Kontakt der Schleimhäute die betreffenden Allergene zahlreiche Beschwerden auslösen.

Wenn die Augen jucken…

Bei einer saisonalen Allergie, d.h. Beschwerden mit jahreszeitlicher Abhängigkeit, sind sehr häufig Augen und Nase gemeinsam betroffen. Die Augen fangen an zu jucken, die kleinen Blutgefäße in der Bindehaut treten deutlich hervor und es entsteht ein heftiger Tränenfluß. Wegen dem lästigen Juckreiz reiben sich die Betroffenen häufig die Augen, so daß die Schleimhaut noch mehr anschwillt und die Entzündung am Auge zunimmt.

…und die Nase läuft…

Die allergischen Entzündungsstoffe führen an der Nase ebenfalls zu Juckreiz und man fängt an zu niesen. Ein wäßriger, glasklarer Schnupfen läuft ständig aus der Nase und durch eine Schwellung der inneren Nasenmuscheln kann die Nase völlig “dicht” sein. Bei starken Beschwerden kann die Allergie an Auge und Nase für den Betroffenen enorm lästig werden. Bei ausgeprägter Allergie reagiert die Schleimhaut im Nasen-, Mund- und Rachenraum mit; es juckt und kribbelt, durch Zuschwellen der Verbindung zwischen Nase und Ohren können auch letztere in Mitleidenschaft gezogen werden.

…kann eine Allergie daran schuld sein

Das anfallsartige, nichtendenwollende Niesen kann so ermüdend sein, daß sich schließlich Abgeschlagenheit und körperliche Erschöpfung einstellen können. Bei derartigen Beschwerden fühlen sich die Betroffenen in der Regel sehr schlecht; die allgemeine Befindlichkeit und persönliche Leistungsfähigkeit sind stark eingeschränkt.

K.o. durch Allergiebeschwerden?

Dem Nichtallergiker ist das Ausmaß dieser Beeinträchtigung häufig nicht klar. Der Allergiker muß daher nicht selten neben seinen Beschwerden auch noch Witz und Spott ertragen. Lassen Sie sich als Allergiker davon nicht persönlich beeinflussen. Durch Information und Aufklärung kann gewiß manches Vorurteil ausgeräumt werden. Die Beschwerden ernst zu nehmen, ist die beste Vorraussetzung, Informationen zu bekommen und Behandlungswege kennenzulernen, die Ihnen persönlich den Umgang mit der Krankheit erleichtern.

Verstopfte Nase durch Allergie?

Bei ganzjährigen Allergenen, wie z.B. Bestandteile von Tieren oder Hausstaubmilben, können sich die allergischen Beschwerden eher schleichend entwickeln. Besonders bei der Hautstaubmilbenallergie leiden die Betroffenen eher unter einer blockierten Nase und weniger an Juckreiz und Niesanfällen. Sämtliche Allergien der Schleimhäute, egal ob der oberen oder unteren Atemwege, treten häufig schon im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter auf. Allerdings gibt es immer wieder Ausnahmen, daß auch ältere Menschen noch eine Allergie entwickeln.

Allergie im Alter? Warum nicht !

Normalerweise sind die allergischen Beschwerden jedoch am häufigsten und ausgeprägtesten im Kindes- bis zum jugendlichen Erwachsenenalter. Im späteren Lebensverlauf nehmen die Allergien in der Regel ab; jeder Betroffene wird jedoch seine eigene Geschichte schreiben können, wie sich die Allergien bei ihm entwickelt haben.

Bei unzureichender Behandlung haben die Folgen der Allergien durchaus auch Konsequenzen für unsere Gesellschaft. Arbeitsunfähigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit verursachen indirekte Kosten, die aufgrund der Häufigkeit von Allergien in der Bevölkerung nicht zu unterschätzen sind. Insofern erscheint es nicht gerechtfertigt, allergische Beschwerden als “Modekrankheit” abzutun, denn die nachgewiesene Zunahme dieser Erkrankungen stellt nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Gesellschaft vor ernsthafte Probleme.

Kommen Allergien aus der Mode?

Selbst wenn das zugegebenermaßen hohe Interesse der Medien in den nächsten Jahren abflauen sollte, werden Allergien doch weiterhin vielen Menschen in unserer Bevölkerung Beschwerden verursachen und mit großer Wahrscheinlichkeit noch weiter zunehmen.

2.2 Allergisches Asthma

Bei einem Teil der betroffenen Allergiker bleiben die Beschwerden bei Allergenkontakt nicht nur auf die oberen Atemwege beschränkt, sondern führen auch im Bronchialsystem der Lunge zu schwerwiegenden Symptomen. Der allergische Entzündungsmechanismus spielt sich ähnlich ab wie oben beschrieben, ist allerdings durch die Struktur und die Ausstattung der unteren Atemwege (Lunge und Bronchialsystem) noch komplizierter.

Mit der allergischen Entzündung der Bronchien ist nicht zu spaßen

Die Muskeln der Bronchien verkrampfen sich, es kommt zu einer Verengung der Atemwege, die das Luftholen erschwert. Das Anschwellen der Schleimhaut und die Produktion eines zähen Schleimes in den Bronchien kann die Atemnot verschlimmern, so daß es schließlich zu lebensbedrohlichen Anfällen mit Luftknappheit kommen kann. Durch die verengten Bronchien und die Schleimfäden kommt es zu typischen Atemgeräuschen; dieses “Pfeifen” und “Brummen” ist beim akuten Asthmaanfall deutlich zu vernehmen und wird häufig vom Arzt beim Abhorchen der Lunge des Asthmatikers festgestellt. Zwischendurch können jedoch auch Phasen der Beschwerdefreiheit auftreten, in denen sich der Betroffene völlig gesund fühlt.

Asthma schreitet fort…

Daneben gibt es schleichende Verläufe, durch die der betroffene Asthmatiker sich an seine eingeschränkte Atemfunktion bereits gewöhnt hat. Für ihn ist die Notwendigkeit der Behandlung nur schwer einzusehen.

…und kann chronisch werden

Leider kommt es jedoch bei dauerhaften Beschwerden, die über viele Jahre einen chronischen Verlauf nehmen können, zu Folgeschäden an der Lunge und am Herzen. Diese Spätkomplikationen würden sich bei sachgerechter Behandlung vermeiden lassen. Sind sie jedoch erst einmal aufgetreten, wird die Behandlung zunehmend schwieriger bzw. bei schweren Folgeschäden (Lungenüberblähung = Emphysem, Rechtsherzbelastung) nahezu unwirksam. Während zu Beginn des allergischen Asthmas die Luftnotanfälle nur durch bestimmte Allergene ausgelöst werden, kann es bei fortgesetztem Allergenkontakt nach einer gewissen Zeit zu einer allgemeinen Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut kommen. Sie reagiert anschließend auch auf andere mechanische, physikalische oder chemische Reize, die ursprünglich mit der Allergie gar nichts zu tun haben. Dafür kommen z.B. kalte Luft, Rauch, Staub, starke Gerüche, Anstrengungen oder psychische Belastungen in Frage.

Bei Asthma – abwarten und Tee trinken?

Besteht die allergische Entzündung und die allgemeine Schleimhautüberempfindlichkeit für lange Zeit, verselbständigt sich das Asthma mehr und mehr und bedeutet für das Leben des Betroffenen eine zunehmende Einschränkung. Dies ist ein weiterer Grund, warum eine rechtzeitige Behandlung des Asthmas so wichtig ist. Ein zögerndes Abwarten bei der Behandlung des Asthmas kann sogar für eine Verschlechterung der Krankheit verantwortlich sein.

Nicht zögern, sonder wirksam behandeln!

Neben dem allergischen Asthma, dessen Anfälle zunächst vorwiegend durch die Allergene ausgelöst werden, gibt es auch andere Asthmaformen, bei denen andere Auslöser (z.B. Infekte, Anstrengungen, chemische und toxische Reize) bereits bei Beginn der Erkrankung im Vordergrund stehen.

Asthma ohne Allergie

Auch bei diesen Asthmaformen finden wir eine chronische Entzündung in den Bronchien, die allerdings nicht von Allergenen ausgelöst worden sein muß.

Bronchialasthma ist eine Krankheit, die häufig nicht oder nur unvollständig geheilt werden kann. Nur in Einzelfällen gelingt es, z.B. bei beginnendem allergischen Asthma und vollständiger Meidung der verantwortlichen Allergene, dauerhafte Phasen der Beschwerdefreiheit zu erzielen. Aber auch hier würde man nicht von kompletter Heilung sprechen, da es bei erneutem Allergenkontakt zu einem Wiederaufflackern der Asthmabeschwerden kommen kann.

Komplette Hielung ist selten

Dennoch besteht alles in allem kein Grund zur Resignation, da bei der Behandlung des Bronchialasthmas in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt worden sind. Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten sichern fast jedem Betroffenen ein hohes Lebensalter bei nur mäßig eingeschränkter Lebensqualität.

Resignation ist nicht nötig; Menschen mit Asthma kann geholfen werden

Wie bei jeder chronischen Erkrankung, die sich einer kompletten Heilung entzieht, ist es für den Betroffenen häufig schwierig, mit der Krankheit leben zu lernen. Allerdings wird heute eine Vielzahl von Maßnahmen angeboten, die das Zurechtkommen mit einem chronischen Asthmaleiden erleichtern können (z.B. Entspannungstraining, Selbsthilfegruppen, Beratungs- und Informationskurse, Sportgruppen, psychologische Unterstützung). Neben der deutlich verbesserten Behandlung (siehe Kapitel 5) stehen dem Asthmakranken daher heutzutage auch vielversprechende Möglichkeiten zur persönlichen und erfolgreichen Krankheitsbewältigung zur Verfügung.

2.3 Allergische Quaddelbildung

Gelangen die verantwortlichen Allergene erst einmal in die Blutbahn (z.B. bei Allergien durch Nahrungsmittel oder Insektengift), kann sich die allergische Reaktion auch in der Haut abspielen.

Quaddeln auf der Haut wie nach Brennnesselkontakt

Dabei kommt es innerhalb von Minuten zu klein- bis großflächigen Quaddeln mit roter Umrandung, die außerordentlich stark jucken können. Entweder sind einzelne Teile oder der gesamte Körper betroffen. Der quälende Juckreiz, durch den Entzündungsstoff Histamin ausgelöst, ist häufig unerträglich und zwingt den Betroffenen in der Regel, sofort einen Arzt aufzusuchen. In manchen Fällen ist auch das Gesicht mitbetroffen, wo sich die Allergie als groteske Schwellung der Augenlider und Lippen äußern kann. Sind Zunge und Kehlkopf von dieser umfassenden allergischen Reaktion und Schwellung mitbetroffen, besteht akute Lebensgefahr. Eine rasche ärztliche Behandlung ist bei dieser Form der Allergie sehr wichtig. In der Regel klingen die juckenden Quaddeln jedoch innerhalb weniger Stunden bzw. Tage ab, sofern keine Allergenbelastung mehr besteht.

Bei der Ursachenklärung sind Detektive gefragt

Neben bestimmten Allergenen (Nahrungsmittel, Insektengift, Medikamente, wie z.B. Penicillin) kommen jedoch eine Reihe weiterer Ursachen für diese Nesselsucht (Urtikaria) in Frage. Abgesehen von allergischen Auslösern können z.B. bei manchen Patienten physikalische Reize derartige Hauterscheinungen auslösen (z.B. Kälte, mechanische Berührung oder anhaltender Druck auf der Haut, Anstrengungen und Wärme). Es liegt also nicht jedem Anfall von Nesselsucht eine allergische Ursache zugrunde. Für den Arzt ist es daher häufig nicht einfach, die verantwortlichen Auslöser herauszufinden.

Wenn die Quaddeln chronisch werden

In seltenen Fällen können die lästigen Quaddeln auch über einen längeren Zeitraum von mehr als sechs Wochen bestehen. Hinter dieser chronischen Verlaufsform verbergen sich nur in seltenen Fällen echte Allergien, d.h. Überempfindlichkeiten gegen die in der Umwelt vorkommenden Eiweißstoffe. Die dauerhafte Form der Quaddelsucht (chronische Urtikaria) ist daher für den betroffenen Patienten und für den behandelnden Arzt häufig eine schwere Bürde, da es leider nur selten gelingt, die Krankheit durch Vermeidung des Allergens zum Abklingen zu bringen.

2.4 Atopisches Ekzem (Neurodermitis) eine häufige Begleiterkrankung bei Allergien

Ein Teil der Kinder und Erwachsenen mit erhöhter Allergiebereitschaft (Atopie) leidet an einer chronischen, stark juckenden Hauterkrankung, dem atopischen Ekzem.

Atopisches Ekzem ist nicht gleich Allergie

Bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter kann es dabei an bestimmten Körperstellen (z.B. Beugeseiten der Knie und Ellenbogen) zu stark juckenden Knötchen und geröteter oder verdickter Haut kommen. Bei akuter Entzündung können diese Hautstellen nässen, bei chronischem Verlauf ist die Haut besonders trocken und zeigt häufig eine verstärkte Faltenbildung. Diese chronische Hauterkrankung, für die wir bisher keine Heilung kennen, verläuft häufig in Schüben. In ausgeprägten Fällen kann die Haut am gesamten Körper von der Entzündung heimgesucht werden, so daß häufig für die betroffenen Kinder ein Krankenhausaufenthalt unvermeidlich ist.

Allergene können das Ekzem verstärken

Wir wissen inzwischen, daß eine Vielzahl von Faktoren für den jeweiligen Zustand der Haut verantwortlich ist. Bei einem Teil der Kinder (ungefähr 20 bis 30%) können Nahrungsmittelallergien z.B. gegen Milch oder Ei den Zustand der Haut verschlechtern. Bei zusätzlich bestehenden Atemwegsallergien kann auch der direkte Hautkontakt mit den verantwortlichen Allergenen (z.B. Hausstaubmilben) eine Verschlechterung der Hauterscheinungen verursachen. Häufig sind die IgE-Antikörper im Blut bei den Kindern und Erwachsenen mit atopischer Dermatitis im Blut stark erhöht. Dennoch sind die Hauterscheinungen nicht als direktes Erscheinungsbild einer Allergie zu verstehen, sondern beruhen möglicherweise auf einer komplexen Störung des Immun- und Nervensystems in der Haut.

Komplexe Ursachen und zahlreiche Auslöser

Da viele Faktoren die Krankheit beeinflussen können (Allergene, Klimafaktoren, Kleidung, Ernährung, psychische Belastung, Infekte der Haut), ist es häufig schwierig, die Gründe für
eine Verschlechterung oder Verbesserung des Hautzustandes zu verstehen. Das kann auch für die Familien oder die Umgebung der Betroffenen mit starken Belastungen verbunden sein, da das quälende Suchen nach einfachen Antworten bei dieser Erkrankung durch ihren multifaktoriellen (viele Faktoren spielen eine Rolle) Charakter häufig ergebnislos bleibt. Glücklicherweise bildet sich bei dem größten Teil der Kinder diese Erkrankung im späteren Jugend- und Erwachsenenalter zurück. Nur ein Teil der Patienten behält diese chronische Hauterkrankung ein Leben lang; bei chronischem Verlauf erscheint die Haut gerötet, verdickt und besonders reich an Falten. Da diese Krankheit so komplex ist, ist ihr in dieser Taschenbuchreihe ein eigener Patientenratgeber gewidmet (“Neurodermitis” von U. Gieler, J. Bräuer und G. Freiling).

2.5 Nahrungsmittelallergien

Allergien auf Nahrungsmittel: Ein seltenes Phänomen und vorwiegend bei KIndern

Allergien gegen Nahrungsmittel sind relativ selten und werden in ihrer Bedeutung von der Bevölkerung allgemein überschätzt.Vorwiegend treten sie im Säuglings- bzw. Kleinkindalter auf (maximal 8% der Kinder), während bei Jugendlichen und Erwachsenen weniger als 1% darunter leiden. Bei Kindern mit hohem Allergierisiko (Hochrisikokinder) kann nach dem Abstillen eine Allergie auf Kuhmilch oder Eiprodukte entstehen. Diese können sich als Verdauungsstörung, Nesselsucht oder Aufflackern eines atopischen Ekzems äußern. Die Beschwerden sind sehr vielgestaltig und können auch durch Nüsse, Fisch oder andere Lebensmittelallergene verursacht werden. Es sind wiederum die Eiweißkörper der Nahrungsmittel, auf die der Körper reagiert, und selten die häufig verdächtigten Konservierungs-, Farb- und Zusatzstoffe. Bei diesen handelt es sich um winzige chemische Bausteine, die von unserem Immunsystem nicht erkannt werden.

Nahrungsmittelallergien kommen und gehen (meistens)

Glücklicherweise verlieren sich die meisten Lebensmittelallergien nach dem ersten bzw. zweiten Lebensjahr. Manche der Reaktionen (besonders auf Fisch oder Nüsse) können lebenslang bestehen bleiben. Viele Menschen mit einer ausgeprägten Pollenallergie reagieren auf verschiedene Lebensmittel, da sich bestimmte Eiweißkörper der Pollen und Nahrungsmittel stark ähneln. So wird beispielsweise bei ausgeprägter Birkenpollenallergie häufig Kern- und Steinobst nicht vertragen.

Wenn nach frischem Obst die Lippe juckt…

Nach dem Genuß von rohem Obst (Äpfel, Kirschen, Pfirsiche u.a.) beginnt es im Mund zu jucken oder es entsteht ein pelziges Gefühl an der Schleimhaut. Andere Kreuzallergien bestehen zwischen Beifußpollen und verschiedenen Gemüsesorten (Sellerie, Karotten, Fenchel, Petersilie) sowie Gewürzen. Häufig bleiben die Reaktionen auf den Mundbereich beschränkt und treten nur beim Verzehr roher Speisen auf; in seltenen Fällen kann der Körper jedoch an anderer Stelle mitreagieren (z.B. wäßriger Fließschnupfen, Augenjucken und -tränen, Asthmaanfall, Nesselsucht mit juckenden Quaddeln, Schwellung im Gesicht, Übelkeit mit Erbrechen, Bauchkrämpfe mit Durchfällen, niedriger Blutdruck). Nahrungsmittelallergien können sich also unterschiedlich im Körper äußern und jede Reaktion kann anders aussehen als die vorangegangene.

Testung auf Nahrungsmittelallergie ist keine Kinderspiel

Für den Arzt ist es daher häufig schwierig, eine Nahrungsmittelallergie nachzuweisen. Hauttests oder Blutuntersuchungen auf die betreffenden Nahrungsmittel sind häufiger positiv, als es der wahren Bedeutung der vermeintlichen Allergene entspricht. Ein positives Testergebnis ist also nicht gleichbedeutend mit einer Allergie; erst wenn die körperlichen Beschwerden einwandfrei durch die Nahrungsmittel ausgelöst werden, ist ein Zusammenhang wahrscheinlich. Bei entsprechendem Verdacht kann durch konsequente Vermeidung des entsprechenden Nahrungsmittels (Eliminationsdiät) und Ausbleiben der beobachteten Beschwerden in manchen Fällen ein Zusammenhang belegt werden.

Provokation mit Nahrungsmitteln bringt die endgültige Antwort

Ein Provokationstest mit den verantwortlichen Nahrungsmitteln unter ärztlicher Kontrolle kann schließlich den endgültigen Beweis erbringen. Dieser Test ist aufwendig und nicht ganz ohne Risiko und wird daher ausschließlich in allergologischen Spezialzentren angeboten. Allerdings ist er für jene Kinder besonders wichtig, bei denen sich die bedeutsamen von den unbedeutsamen Auslösern mit anderen Allergietests schwer unterscheiden lassen. Erst wenn in einem derartigen Provokationstest ein Nahrungsmittel eindeutig als Ursache identifiziert werden konnte, ist ein konsequentes Vermeiden dieses Auslösers berechtigt und sogar notwendig, um das Auftreten einer Nahrungsmittelallergie und gleichzeitig eine Mangelernährung aufgrund überflüssiger Diätvorschriften zu verhindern.

Gefährliche Nahrungsmittelallergien

Schließlich kommt es in sehr seltenen Fällen auch zu lebensbedrohlichen Reaktionen durch Nahrungsmittel. In diesem Fall sollte der Betreffende über Vorsichtsmaßnahmen genau Bescheid wissen und zur Sicherheit Medikamente zur Notfallbehandlung mit sich führen. Bei den ersten Anzeichen einer heftigen allergischen Reaktion ist sofort ein Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen bzw. der Rettungsdienst zu verständigen, um eine wirksame Behandlung zu gewährleisten. Nahrungsmittelallergiker mit gleichzeitig bestehendem Bronchialasthma haben ein größeres Risiko, potentiell gefährliche Reaktionen zu durchleiden. Da sich die Allergie jedoch in den meisten Fällen nach ein bis zwei Jahren wieder verliert, sollte die oben dargestellte aufwendige Provokation jedes Jahr wiederholt werden, um die Notwendigkeit einer Diät zu überprüfen.

Hände weg von unsinnigen Diäten

Bei unpräziser Diagnose und falschen Empfehlungen kann es leider vorkommen, daß die betroffenen Patienten sich krampfhaft nach strikten Diäten oder Ernährungsempfehlungen richten. Viele dieser Empfehlungen sind medizinisch und allergologisch gesehen nicht begründbar. Im Gegenteil, bei Kindern kann es durch unbegründete Einschränkungen der Ernährung zu verzögertem Wachstum sowie Mangelerscheinungen kommen. Insofern ist es empfehlenswert, daß sich betroffene Eltern an Ärzte mit entsprechender Spezialausbildung (Kinderallergologe) wenden bzw. sich geeignete Informationen von Selbsthilfegruppen oder fundierten Patientenratgebern (siehe Anhang) beschaffen.

Vollwertige Ernährung trotz Allergie?

Sollte es tatsächlich notwendig sein, daß man ein bestimmtes Nahrungsmittel aufgrund einer nachgewiesenen Allergie vermeiden muß, steht eine Reihe von ausgezeichneten Rezeptsammlungen bzw. Kochbüchern für Allergiker zur Verfügung. Dort finden sich zahlreiche Rezepte für eine vollwertige Ernährung trotz Verzicht auf bestimmte Grundnahrungsmittel (z.B. Milch, Ei, Weizen). Da im Falle einer echten Nahrungsmittelallergie bereits kleinste Mengen ausreichen, um die Beschwerden auszulösen, sollte auf Lebensmittel, deren Zusammensetzung nicht hundertprozentig klar ist, konsequent verzichtet werden.

Verpackte Lebensmittel und ihre Inhaltsstoffe; Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

Selbst bei einer “vollständigen” Deklaration sämtlicher Inhaltsstoffe ist nicht ausgeschlossen, daß Beimengungen mit Allergencharakter eine potentielle Gefahr darstellen. Leider versprechen auch die geplanten Gesetzesvorhaben zur Lebensmitteldeklaration keine Abhilfe; Bestandteile unter fünf Prozent müssen auch in Zukunft nicht aufgelistet werden. Vertrauen Sie daher nicht den möglicherweise unvollständigen Angaben der Lebensmittelhersteller, sondern versuchen Sie, die Zusammensetzung Ihrer Ernährung zu kontrollieren, indem Sie klar definierte und frische Ausgangsprodukte verwenden.

Denken Sie jedoch daran, daß all diese Maßnahmen nur dann notwendig und sinnvoll sind, wenn tatsächlich eine relevante Allergie gegen Nahrungsmittel bei Ihnen nachgewiesen worden ist. Dazu bedarf es der Spezialkenntnisse und einer gewissen Erfahrung, die Sie nur bei einem Arzt mit der Zusatzbezeichnung “Allergologie” finden werden. Da jedoch auch andere Ärzte oder Therapeuten sich dieser Problematik annehmen können, werden immer wieder ungenaue Diagnosen gestellt und falsche Informationen und Empfehlungen ausgegeben.

Vorsicht vor Scharlatanen!

Wie können Sie sich davor schützen? Fragen Sie nach der Qualifikation Ihres Arztes und informieren Sie sich über andere Quellen wie z.B. Informationszentren, Selbsthilfegruppen und seriöse Patientenratgeber (siehe Anhang), welches die geeigneten Erkennungsmöglichkeiten und Maßnahmen für Ihre persönlichen Beschwerden darstellen.

Illustrierten und ihre Wundermittel – Schaumschlägerei heilt keine Allergien

Seien Sie besonders mißtrauisch gegenüber den Wundermitteln aus der Regenbogenpresse, hinter denen sich häufig abstruse, wenig fundierte Außenseitermethoden verbergen. Das Illustriertenfoto von einem Vertrauen erweckenden Menschen, möglichst noch im weißen Kittel, ersetzt schließlich keine Spezialausbildung. Gäbe es tatsächlich ein Allheilmittel gegen Allergien, hätte es sich vermutlich längst durchgesetzt und Allergien würden kein Problem mehr darstellen.
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