Alle Jahre wieder – kommen die Pollen nieder!

10 Fakten zur Baumpollen-Allergie

Birkenblueten kurz vor Pollenfreisetzung 4-2016Birke kurz vor der Blüte, Berlin, 06-04-2016, (Foto: J. Kleine-Tebbe)

  1. Haselpollen waren 2016 bereits im Januar und Februar und Erlenpollen ebenfalls im Februar und März unterwegs, sowohl im Osten als auch im Westen (die schönsten Pollenkurven im Netz bei Dr. Wachter: http://www.pollenflug-nord.de).
    Birkenpollen-Peak_Berlin-April-2016
  2. Birkenpollen – bei anhaltenden warmen Temperaturen unmittelbar am Start – werden in den nächsten Wochen die Allergenbelastung dominieren (zunächst im Westen bei milden Temperaturen); viele regenfreie Tage im April bedeuten zunehmende Belastungen!
  3. Ihr wichtigstes Hauptallergen – Majorallergen Bet v 1 (von Betula verrucosa) – ist seit >30 Jahren bekannt (dank dänischer Wissenschaftler: Henrik Ipsen und Henning Løwenstein)
  4. Die Bet v 1-Familie beherbergt viele strukturähnliche Proteine (Allergene)
  5. Darin liegt die Ursache sogenannter Kreuzreaktionen
    a) gegen Hasel-, Erlen-, Hainbuchen-, Buchen- und Eichenpollen mit ähnlichen Major-Allergenen
    b) gegen pflanzliche Nahrungsmittel (=häufigste Form der Nahrungsmittelallergie im Jugendlichen- und Erwachsenenalter) mit Bet v 1-homologen Allergenen, z. B. gegen Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Nektarinen, Kiwi, Feigen, Haselnüsse, Walnüsse, Karotten, Sellerie, Soja u.a.
    TIPP für Betroffene: Nur das meiden, was nicht vertragen wird!
  6. Bet v 1-homologe Allergene sind a) thermo- und b) säurelabil:
    a) daher machen nur die rohen Nahrungsmittel Probleme;
    b) häufig  bleiben die Reaktionen auf die Mundhöhle und den Rachen beschränkt.
  7. Manchmal reagieren Birkenpollen-Allergiker auch heftig: z.B. auf Haselnüsse, Karotten, Sellerie oder Soja (nur auf rohes, ungegartes Protein!)
  8. Inzwischen gilt die Bet v 1-assoziierte Soja-Allergie (bei Birkenpollen-Allergikern) als häufigste Form einer Soja-Allergie in Nord- und Mitteleuropa.
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Baumpollen-Saison lindern und außerdem Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann.

Berlin, 06.04.2016

Neue deutschsprachige SIT-S2k-Leitlinie 2014 zur Hyposensibilisierung mit Allergenen

Konsensus-Konferenz_S2k-SIT-LL_4-2013

23.12.2014 – Nach sorgfältiger Vorbereitung war es kurz vor Weihnachten soweit: Die Autoren (siehe Foto), federführend Prof. Dr. Oliver Pfaar (li. außen) und PD Dr. Jörg Kleine-Tebbe als Berater an „letzter Stelle“ (re. oben, 3. von rechts), stellen die gründlich überarbeitete deutschsprachige Leitlinie zur Spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) mit Allergenen vor:

SIT-S2k-LL_Titelfoto_12-2014http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/061-004.htmlErstpublikation im Allergo J Int 2014; 23:282-319*.
(als PDF-Datei zum Download verfügbar auch unter http://www.dgaki.de/leitlinien/S2k-leitlinie-sit/)

Sämtliche Aspekte der Spezifischen Immuntherapie (SIT) werden hier dargestellt:
– Wirkmechanismus,
– sinnvolle Diagnostik vor Beginn der SIT,
– Einsatzmöglichkeit bei Atemwegserkrankungen abhängig von Allergenquellen und Applikationsformen,
– Indikationen und Kontraindikationen mit konkreten Empfehlungen,
– Varianten und empfehlenswerte Applikationsformen zur Durchführung einer SIT,
– Nebenwirkungen mit neuer internationaler Einteilung von System- und Lokalreaktionen,
– Sicherheits- und Zukunftsaspekte.

Erstmalig wurden Übersichtstabellen zur Studienlage der SIT erstellt, die zugehörig zur Leitlinie hier auf der Internetseite der DGAKI frei zugänglich sind und halbjährlich von den Autoren aktualisiert werden. Dazu gibt es Patienten-Informationen zur subkutanen (SCIT) und sublingualen (SLIT) Immuntherapie in deutscher und englischer Sprache (auch zum Download).

Nutzen Sie die überarbeiteten Empfehlungen zur Spezifischen Immuntherapie mit Allergenen und informieren Sie sich.

Berlin, 02.01.2015, J. Kleine-Tebbe (siehe auch http://www.dgaki.de)

*Zitierweise:
Pfaar O, Bachert C, Bufe A, Buhl R, Ebner C, Eng P, Friedrichs F, Fuchs T, Hamelmann E, Hartwig-Bade D, Hering T, Huttegger I, Jung K, Klimek L, Kopp MV, Merk H, Rabe U, Saloga J, Schmid-Grendelmeier P, Schuster A, Schwerk N, Sitter H, Umpfenbach U, Wedi B, Wöhrl S, Worm M, Kleine-Tebbe J. Guideline on allergen-specific immunotherapy in IgE-mediated allergic diseases – S2k Guideline of the German Society for Allergology and Clinical Immunology (DGAKI), the Society for Pediatric Allergy and Environmental Medicine (GPA), the Medical Association of German Allergologists (AeDA), the Austrian Society for Allergy and Immunology (ÖGAI), the Swiss Society for Allergy and Immunology (SGAI), the German Society of Dermatology (DDG), the German Society of Oto-Rhino-Laryngology, Head and Neck Surgery (DGHNO-KHC), the German Society of Pediatrics and Adolescent Medicine (DGKJ), the Society for Pediatric Pneumology (GPP), the German Respiratory Society (DGP), the German Association of ENT Surgeons (BV-HNO), the Professional Federation of Paediatricians and Youth Doctors (BVKJ), the Federal Association of Pulmonologists (BDP) and the German Dermatologists Association (BVDD). Allergo J Int 2014;23:282–319. DOI: 10.1007/s40629-014-0032-2