“Alternaria, der Gewitterpilz” – hochsommerliche Allergenschleuder

Bei Allergiebeschwerden im Sommer assoziieren die meisten Betroffenen Pollen und ihre Allergene als Ursache. Allerdings gibt es noch weitere Allergenquellen im Juli und August: Sporen des saisonal vorkommenden Schimmelpilzes Alternaria. Sie wachsen auf verrottenden Pflanzenteilen und fliegen ebenso wie Pollen viele Kilometer weit. Hohe Sporenkonzentrationen können auch nach Gewittern und bei feuchtem Wetter auftreten. Nicht selten sind diese Allergene auch Auslöser asthmatischer Beschwerden mit Atemnot, pfeifenden Atemgeräusche und Husten.

Alternaria-Sporten_2009-16

Alternaria-Belastungen (gemittelt von 2009 – 2016) in verschiedenen Regionen Deutschlands (Abb. aus http://www.pollenflug-nord.de)

Asthmaepidemien durch Alternaria?
Schon lange ist Alternaria als Allergen bekannt. In England wurden Asthmaepidemien nach Gewitterstürmen beobachtet, die mit hohen Schimmelpilzbelastungen in der Luft assoziiert waren (J Allergy Clin Immunol. 2007 Sep;120(3):610-7). Das schwüle Klima in den USA begünstigt ebenfalls das Wachstum und die Verbreitung von Alternaria-Sporen nicht nur zur warmen Jahreszeit. Schimmelpilzsporen in der Außenluft wurden aktuell auch in Montreal mit vermehrten Klinikeinweisungen von asthmatischen Kindern assoziiert (J Allergy Clin Immunol. 2017 Apr;139(4):1140-1147). 

In unseren Breiten sind die Pollen die häufigeren Auslöser für sommerliche Beschwerden. Eine Minderheit von ca. 10 Prozent der saisonalen Allergiker reagiert durchaus auch auf Alternaria. Manche Betroffene registrieren die Symptome mit Niesanfällen, laufender oder verstopfter Nase und Atembeschwerden auch bei feuchtem Wetter. Besonders wechselhaftes Wetter mit heißen Temperaturen und Regengüssen treibt die Sporenkonzentrationen in die Höhe.

Das Majorallergen von Alternaria alternata, Alt a 1, besitzt offenbar eine einzigartige Struktur (Abb. oben: “Schmetterlingsform” des Doppel-Proteins, Abb. unten: “Gummiband-Darstellung” von Alt a 1). Sie ist charakteristisch für Schimmelpilz-Proteine und nur dort zu finden (J Allergy Clin Immunol. 2012 Jul;130(1):241-247). Daneben wurden viele andere Alternaria-Allergene bereits identifiziert und das Genom beschrieben.

Alternaria gehört heutzutage zum Standardtestprogramm bei sommerlichen allergischen Symptomen. Eine wissenschaftliche Studie mit Alternaria-senisibilisierten Kindern (J Allergy Clin Immunol. 2011 Feb;127(2):502-508.e1-6) bestätigt, dass auch diese Allergieform sich erfolgreich mit einer klassischen, spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) durch regelmäßige Injektionen eines Alternaria-Allergenextraktes erfolgreich behandeln lässt. Lassen Sie sich von Ihrem Allergologen beraten.

Gegen die Symptome durch Alternativ-Allergene helfen handelsübliche Anti-Allergika: Kortison-Nasensprays, bei leichten Beschwerden nicht-sedierende Antihistaminika, niedrigdosierte lokal wirksame Kortisonpräparate zum Inhalieren bei Atempromblemen (z.B. Husten, Schweratmigkeit, pfeifenden Atemgeräuschen) und bronchialerweiternde Bedarfsmedikamente. Weitere Informationen über die Allergie-Experten.

 

90 Minuten rund um Allergien – Deutschlandradio Kultur am 22.04.2017 mit Hörerbeteiligung

Deutschlandradio_Kultur_Allergie-Interview_22-04.17Klicken Sie auf die Abbildung, dann gelangen Sie zur Internetseite von Deutschlandradio Kultur. Klicken Sie dann auf “Beitrag hören” direkt unter der Überschrift “Was tun…”.

Insgesamt 90 Minuten rund um das Thema Allergien: Klaus Pokatzky (re.) im Gespräch mit Prof. Dr. Jörg Kleine-Tebbe  - Radiohörer schalten sich zu: Fragen und Tipps zu Allergien.

 

10 Fakten zur Baumpollen-Allergie

Birkenpollen mit Marienkaefer 4-2017
Birke in voller Blüte, Berlin, 4-2017 (Foto: J. Kleine-Tebbe)

  1. Hasel- u. Erlenpollen waren 2017 bereits im Februar u. März unterwegs (die schönsten Pollenkurven im Netz bei Dr. Wachter: http://www.pollenflug-nord.de).
  2. Birkenpollen – sonst zwischen Anfang und Mitte April am Start – werden jetzt durch das vorübergehend warme, klare Wetter sehr rasch reif; weitere milde Tage zum Beginn des Aprils ohne Regen können hohe Belastungen bringen!
  3. Ihr wichtigstes Hauptallergen – Majorallergen Bet v 1 (von Betula verrucosa) – ist seit 30 Jahren bekannt (Der Dank gebührt dänischen Wissenschaftlern: Henrik Ipsen und Henning Løwenstein)
  4. Die Bet v 1-Familie beherbergt viele strukturähnliche Proteine (Allergene):
  5. Darin liegt die Ursache sogenannter Kreuzreaktionen
    a) gegen Hasel-, Erlen-, Buchen- und Eichenpollen mit ähnlichen Major-Allergenen
    b) gegen pflanzliche Nahrungsmittel (=häufigste Form der Nahrungsmittelallergie im Jugendlichen- und Erwachsenenalter) mit Bet v 1-homologen Allergenen, z. B. gegen Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, Nektarinen, Kiwi, Feigen, Haselnüsse, Walnüsse, Karotten, Sellerie, Soja u.a.
    TIPP für Betroffene: Nur das meiden, was nicht vertragen wird!
  6. Bet v 1-homologe Allergene sind a) thermo- und b) säurelabil:
    a) daher machen nur die rohen Nahrungsmittel Probleme;
    b) häufig  bleiben die Reaktionen auf die Mundhöhle und den Rachen beschränkt.
  7. Manchmal reagieren Birkenpollen-Allergiker auch heftig: z.B. auf Haselnüsse, Karotten, Sellerie oder Soja (nur auf rohes, ungegartes Protein!)
  8. Inzwischen gilt die Bet v 1-assoziierte Soja-Allergie (bei Birkenpollen-Allergikern) als häufigste Form einer Soja-Allergie in Nord- und Mitteleuropa.
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Baumpollen-Saison lindern und außerdem Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann.

Berlin, 04.04.2017

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