War´s das? Gräserpollen-Saison 2016 kurz und knackig

Mit den warmen Tagen im Mai nahm die Belastung durch Gräserpollen in diesem Jahr drastisch zu (siehe Abb.). Wer zwischen Mitte Mai und Mitte Juni allergische Beschwerden (Augenjucken, Niesen, Naselaufen und verstopfte Nase) entwickelt hat, ist ganz klar Gräserpollen-Allergiker!

Pollenbelastung_Dr.Wachter_6-2016

Pollenbelastungen in Deutschland 2016: Die schönsten Kurven im Internet bei www.pollenflug-nord.de

10 Fakten zur Gräserpollenallergie:

  1. Gräser blühen in Mitteleuropa von (Mitte) Mai bis August mit Maximum im Juni/Juli, 2016 je nach Region allerdings deutlich früher; eine verlässliche Pollenflug-Vorhersage funktioniert bestenfalls für wenige Tage.
  2. Gräserpollen transportieren eine Reihe von Proteinen (Eiweißstoffe); einige wurden als wichtige Allergene identifiziert (z.B. in Pollen vom Lieschgras Phleum pratense; detaillierte Information unter www.allergome.org)
  3. Bei erhöhter Allergiebereitschaft (Atopie) bildet das Immunsystem gegen diese Fremdproteine Antikörper der Klasse E (Immunglobulin E, kurz IgE), das anschließend fest auf Mastzellen im Gewebe und in der Schleimhaut haftet
  4. Bei erneutem Allergenkontakt provozieren eine Reihe von Botenstoffen (z.B. Histamin) aus Mastzellen und anderen Immunzellen eine allergische Entzündung und Symptome wie Augenjucken, Niesen, Naselaufen, verstopfte Nase, ggfs. Husten, erschwerte Atmung und Auswurf (Asthmasymptome)
  5. Wegen erheblicher Allergenmengen im Frühsommer sind die Gräserpollen neben den Baumpollen die häufigste Quelle für allergische Beschwerden (im Volksmund “Heuschnupfen”) in der warmen Jahreszeit
    …und nicht etwa die „weißen Flusen“, eigentlich Flugsamen von Bäumen, die zur gleichen Zeit bei klarem Wetter unterwegs sind
  6. Bei Beginn der Pollensaison leiden die Betroffenen häufig mehr als durch später auftretende, höhere Allergenbelastungen  – wahrscheinlich das Ergebnis „natürlicher Toleranzentwicklung“, ein Gewöhnungseffekt des Immunsystems
  7. Die verantwortlichen Hauptallergene (z.B. Majorallergene der Gruppe 1 u. Gruppe 5) zeigen bei allen Süßgräsern eine ähnliche Struktur, sodass das IgE-Repertoire des Gräserpollen-Allergikers sie kaum unterscheiden kann: Es besteht daher ausgeprägte Kreuzallergie zwischen sämtlichen Gräserpollen-Allergenen. Fazit: Wer auf ein Gras eine Allergiebereitschaft (=Sensibilisierung) entwickelt, wird auf sämtliche Gräser reagieren
  8. Die Diagnose beruht auf einer typischen Vorgeschichte (Anamnese) und positiven Ergebnissen in sogenannten Sensibilisierungstests (Prickhauttest oder spezifischer IgE-Test gegen Gräserpollenallergene)
  9. Wirksame Pharmaka bei Pollenflug sind wie bei anderen allergischen Atemwegsbeschwerden Kortison-haltige Asthma- bzw. Nasensprays und nicht-sedierende Antihistaminika als Tabletten, Augentropfen und Nasensprays. VORSICHT: Kortison-Depotspritzen ins Gesäß…diese Injektionen legen für einige Wochen die Kortisonachse lahm, können Dellen im Fettgewebe hinterlassen und werden nicht empfohlen.
  10. Die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) ist die einzige Behandlung, die nachhaltig die Beschwerden (und den Medikamentenverbrauch) in der Gräserpollen-Saison lindern und wahrscheinlich Asthma und Neu-Sensibilisierungen vorbeugen kann. Unterschiedliche Verfahren haben sich zu diesem Zweck bewährt:
    a)    „Klassische“ Immuntherapie mit regelmäßigen Injektionen während des gesamten Jahres für 3 Jahre
    b)    Kurzzeit-Behandlung mit einigen Injektionen vor der Pollensaison (3 Zyklen empfehlenswert, d. h. 3 Jahre)
    c)    Sublinguale Immuntherapie mit täglicher Anwendung von Tabletten- oder Tropfenpräparaten unter der Zunge (=sublingual), entweder ganzjährig oder 4 Monate und während der Pollensaison für 3 Jahre

Berlin, 16.06.2016

Wollen Sie mehr wissen? Benötigen Sie Hilfe oder Informationen zu diesem Thema?
Wenden Sie sich einfach an uns und wir helfen Ihnen gern.